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Office + Akustik: md-Fachveranstaltung Zukunft von ...

Review md-Fachveranstaltung Zukunft von Office + Akustik
Neue Zeiten im (Home-)Office

Geplant war die md-Fachveranstaltung Zukunft von Office + Akustik als Auftakt zur Orgatec 2020. Das zunächst analoge Konzept fand als rein virtuelle Veranstaltung statt. Die Themen: konkrete Lösungsvorschläge für die Akustik und das Licht im Office, für Normen und Megatrends im Office.

Autorin Katharina Feuer

Vieles läuft durch das Virus anders, als geplant. Wenn dann die eigene Veranstaltung betroffen ist, erhält das Ganze eine eigene Dynamik. So geschehen bei der ‚Zukunft von Office + Akustik‘-Fachveranstaltung der md.

Statt also persönlich mit Architekten, Innenarchitekten, Referenten, Herstellern und Besuchern ins Gespräch zu kommen, sich über den Wandel der Arbeit auszutauschen und nach spannenden Vorträgen bei einem Glas Wein den Vorabend der Orgatec in Köln ausklingen zu lassen, saß jede/r Gast am 26. Oktober 2020 vor seinem smart advice – Handy, Tablett oder Rechner – und verfolgte die md-Fachveranstaltung ‚Zukunft von Office + Akustik‘ von Zuhause aus.

Allein zusammen mit über 200 Zuhörern

Johanna Neves Pimenta, stellvertretende Chefredakteurin der Fachzeitschrift md, begrüßte die über 200 Zuhörer und Zuhörerinnen „da draußen“ mit den Worten: „Schön, dass Sie dabei sind und obwohl ich Sie nicht sehe, können Sie mich gerne im Chat kontaktieren. Ich sitze hier allein und bin doch nicht allein.“ Das alles ist sehr gewöhnungsbedürftig, aber, das sei vorweggenommen: Es hat funktioniert. Fast immer.

Denn die Feuertaufe der rein digitalen Veranstaltung – scheiterte im ersten Gang. Hannes Bäuerle, Inhaber der Stuttgarter Raumprobe, war zunächst verschollen. Spontan und beherzt sprang Anne Engels von Kinnarps ein.

Anne Engels, Dipl. Ing. Innenarchitektin im Kinnarps Interior Design Team. Foto: Kirsten Bucher

Kinnarps Interior Design Team

Die Innenarchitektin, tätig beim Interior Design Team der Kinnarps GmbH, gab in ihrem Vortrag ‚Good Vibes – Wie Akustik im Büro gelingt‘ viele handfeste Tipps. Rein aus akustischer Sicht schnitten die Gebäude aus den 1980er- und 1990er-Jahren am besten ab. 30 Jahre später plackt man sich in hippen Fabrikgebäuden mit schallharten Oberflächen ab.

Das Homeoffice sei zwar Teil der neuen Arbeitswelt – spätestens seit 2020 flächendeckend auch bei Arbeitgebern salonfähig – geworden. Aber das Büro würde nicht verschwinden. Und weil das so sei, sollte eine gute Raumakustik weiterhin zentrales Thema bei der Büroplanung sein.

Raumakustik an Decke, Wand, Boden

Halbherzig würden Arbeitgeber in Hinter-Tischelemente investieren, die zugleich als Sichtschutz dienen. „Aber“, so die Kinnarps-Expertin, „das ist zu kurz gedacht und reicht nicht aus. Prüfen Sie zunächst den Bestand. Gibt es beispielsweise offenporige Wände? Integrieren Sie in ihre akustischen Maßnahmen alle Flächen des Raumes: Decke, Wand und Boden.“

Details bei der Raumakustik beachten

Genauso wichtig seien Details. Vermeintlich kleine Flächen gäben oft den Ausschlag für das raumakustische Wohlbefinden. Ein Beispiel führte die Fachfrau Anne Engels mit dem Stuhl an. Erhält dieser weiche Filzfüße, sei eine unangenehme Geräuschquelle beseitigt.

Weitere Informationen finden Sie auch im ‚next office inside report 2020‘ von Kinnarps.

Hier geht es zum kompletten Vortrag ‚Good Vibes- Wie Akustik im Büro gelingt‘ von Anne Engels, Dipl.-Ing. (FH) Innenarchitektur | Kinnarps Interior Design Team | Kinnarps GmbH

Drei Punkte zur raumakustischen Planung

  1. Beziehen Sie alle Flächen im Raum ein
  2. Achten Sie auf Details
  3. Arbeiten Sie mit dem Bestand
Mit allen Sinnen
Impulsvortrag des Geschäftsführers der Raumprobe und Materialsammler: Hannes Bäuerle. Foto: Steffen Schmid

Materialien für die Akustik und das Office

Der zunächst verschollene Geschäftsführer der Stuttgarter Raumprobe, Hannes Bäuerle, tauchte zum Glück wieder auf. Er stellte in seinem Impulsvortrag die Frage: „Was können wir tun, um unsere Kunden und Mitarbeiter wieder ins Büro zu holen?“ und gab zugleich die Antwort: „Der Kaffee muss besser als zuhause schmecken.“

Leider konnten wir die vielen bestätigenden Kopfnicker hinter ihren Bildschirmen nicht sehen.

Die große Ungestörtheit ist das Ziel

„Zu viel Ruhe ist nicht förderlich. Das merkt der ein oder andere, wenn er allein zuhause im Homeoffice sitzt. Der Mensch ist eine Geräuschkulisse gewohnt. Das Gehör hat sich seit Jahrtausenden nicht weiterentwickelt. Die Natur ist immer mit Geräuschen verbunden. Es ist nie ganz leise. Deswegen muss man statt Ruhe eher sagen: Die große Ungestörtheit ist das Ziel.“

Material lebt durch seine Haptik

Bäuerle gab zu, dass sein Thema, die Vermittlung von Material mit all seinen Eigenschaften, rein digital schnell an ihre Grenzen kommt. Material lebt durch seine Haptik.

Hannes Bäuerles Fazit: Im Büro sollte ein sozialer Rahmen bestehen, in dem Mitarbeiter im Team komplexe Themen weitertreiben können. Der einzelne, zugewiesene Arbeitsplatz hingegen verliert an Relevanz und kann seiner Meinung nach durch das Homeoffice kompensiert werden.

Hier geht es zum kompletten Impulsvortrag von Hannes Bäuerle | Geschäftsführer der Raumprobe Stuttgart

Drei Punkte, um Mitarbeiter zurück ins Office zu holen

  1. Setzen Sie Anreize (Bester Kaffee)
  2. Bieten Sie einen sozialen, angenehmen Rahmen (Material Holz, Textil, Pflanzen, gutes Licht) für ihr Team
  3. Lassen Sie Ungestörtheit zu (Rückzugsbereiche)
Zukunft der Arbeit
Jonathan Brune von Luctra. Foto: Nikolaus Gruenwald Photography

Arbeitswelt im Wandel

Allein saß Jonathan Brune im Headquarter von Durable. „Eine leicht bedrückende Atmosphäre ist das“, gab der Director von LUCTRA® zu und „Ich freue mich schon darauf, wenn ein Stück Normalität zurückkehrt“.

In seinem Vortrag ‚Visuelle Ergonomie am Arbeitsplatz: Richtig Sehen, besser Fühlen‘ präsentierte Brune eine Übersicht der Umgebungsfaktoren des Arbeitsplatzes, bevor er den Bogen zum Licht spannte: „Wir nehmen Licht immer nur wahr, wenn es uns stört. Zum Beispiel grelles Licht oder nicht ausreichende Beleuchtung.“

Dimensionen des Lichts?

Jeder Mensch ist anders. Daher sei die Flexibilität und individuelle Veränderbarkeit des Lichts wichtig. Es gibt Maßnahmen, gute Beleuchtung im Office (und auch Homeoffice) zu schaffen. Gutes Licht hole mittelfristig Leute zurück. Kopfschmerzen und Sichtprobleme sinken.

Wohlbefinden steigert Arbeitsqualität

„Die Dynamik des Lichts in der Natur steuert die innere Uhr des Menschen. Drinnen leben wir mit feststehender Beleuchtung. Die positiven Eigenschaften des Tageslichts sollte man anwenden – Stichwort Wirtschaftlichkeit. Human Centric Lighting imitiert den Verlauf und die Qualität des Tageslichts.“

Jonathan Brune ging noch weiter zu Themen wie Nachhaltigkeit, Atmosphäre im Raum und Amortisation der Kosten. Denn da ist sich der Experte sicher: „Menschen in den Vordergrund zu setzen, steigert die Arbeitsqualität und das zahlt sich für Arbeitgeber am Ende aus.“

Hier geht es zum kompletten Vortrag ‚Visuelle Ergonomie am Arbeitsplatz: Richtig Sehen, besser Fühlen‘ von Jonathan Brune | Director of LUCTRA® brand

Drei Fakten zum Licht im Office

  1. Licht fällt nur auf, wenn es stört. Ändern Sie das!
  2. Wählen Sie eine Leuchte, die flexibel und individuell einstellbar ist
  3. Investieren Sie in eine Wohlfühl-Infrastruktur – die Arbeitsleistung der Mitarbeiter amortisiert die Kosten
Gerd Danner. Foto: privat

Zukunft von Office + Akustik

Gute Raumakustik im Büro und deren Erreichen ist kein neues Thema. Das wurde den Zuhörern beim nächsten Vortrag klar:  ‚Zukunftsweisende Büroraumakustik‘. „An einem klassisch eingerichteten, fest zugewiesenen Arbeitsplatz kann die Vielfalt der aktuellen Anforderungen nicht mehr erfüllt werden“, bekräftigte Referent Gerd Danner, Geschäftsführender Gesellschafter SoundComfort GmbH. Er hielt seinen Vortrag für den Sponsor amtico flooring.

Was ist nicht passiert?

Einige seiner Folien seien aus dem Jahr 1992, gab er bereitwillig zu. Interessant ist daran: Was ist passiert? Oder besser: Was ist nicht passiert?

Danner nahm das Zuhause als Paradebeispiel für die Zukunft des Office. Zuhause gehen wir unterschiedlichen Tätigkeiten in verschiedenen Räumen nach. So sei das im Büro mittlerweile auch. Aber die Menschen müssten das erst lernen und bräuchten die entsprechenden Flächen. Ein fest zugewiesener Arbeitsplatz erfülle nicht mehr alle Anforderungen.

Büros sind zu leise

Gerd Danner belegt seine Aussagen mit Zahlen: Bereits jetzt würden die Menschen in perfekt ausgestatteten Räumen arbeiten. 80 % finden ihren Arbeitsplatz super, 15% immerhin okay und nur 5 % reagierten mit Ablehnung. Wo liegt also das Problem?

„Büros sind eigentlich zu leise“, fasst der Experte zusammen und nennt einen Wert: „Der zulässige Pegel am Arbeitsplatz von 50 dB wurde noch nie überschritten. Unsere Messungen hatten immer geringere Werte.“

Hintergrundgeräusche helfen

Man könnte es auf die Hintergrundgeräusche schieben. Sobald ein Hintergrundgeräusch Informationen beinhalte, werden diese sehr wohl aufgenommen. Das menschliche Gehör benötige eine diffuse Klangkulisse. Gerd Danner fasst die Problematik so zusammen: „Das größte Problem ist das schlechte Benehmen der Kollegen.“

Hier geht es zum kompletten Vortrag ‚Zukunftsweisende Büroraumakustik‘ von Gerd Danner | Geschäftsführender Gesellschafter SoundComfort GmbH für amtico flooring

Drei Punkte zur Geräuschkulisse im Office

  1. Absolute Stille ist kontraproduktiv
  2. Die Nutzer/Mitarbeiter müssen mehr Rücksicht nehmen
  3. Im Büro müssen unterschiedliche Bereiche für Kommunikation und Konzentration zur Verfügung stehen
Megatrends
New Work-Experte Axel Praus. Foto: Silke Reents

Megatrends der Zukunft

Axel Praus gab seinen vier Kindern Online-Verbot für die Zeit seines Vortrags ‚Culture and experience in the Office of the Future‘. Der Gründer und Geschäftsführer der workingwell GmbH schaltete sich aus dem Homeoffice zu und wollte sichergehen, dass er eine stabile Leitung hat. Er nahm die Zuhörer/Innen für den polnischen Hersteller Vank mit auf eine Reise in die Zukunft der Arbeit.

Seiner Meinung nach sind Überlegungen, wie sich das Arbeitsumfeld ändern wird und muss, insbesondere im Kontext der aktuellen Situation, wichtiger denn je.

Physische Distanz und soziale Interaktion

Themen wie flexibles Arbeiten, Home Office, Digitalisierung und Teamzusammenhalt stünden in vielen Unternehmen bereits ganz oben auf der Agenda. Langfristig müssten jedoch Konzepte entwickelt werden, die eine sich ständig verändernde Welt berücksichtigten – physische Distanz zulassen und sich noch mehr auf die Förderung der sozialen Interaktion konzentrieren.

Fünf Thesen für die Zukunft

„Das Büro der Zukunft wird nicht mehr der einzige Arbeitsplatz sein, sondern ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um Erfahrungen und Ideen auszutauschen und Innovationen zu ermöglichen.“ Axel Praus fünf Thesen für die Zukunft lauten daher: Die Arbeitswelt wird digitaler, sozialer, gesünder, emphatischer und gesellschaftlich verantwortlicher.

Hier geht es zum kompletten Vortrag ‚Culture and experience in the Office of the Future‘ von Referent Axel Praus, Gründer und Managing Director workingwell für VANK Interior Objects.

Die fünf Thesen für die Arbeit der Zukunft

  1. digitaler
  2. sozialer
  3. gesünder
  4. emphatischer
  5. gesellschaftlich verantwortlicher
Akustik
Dr. Christian Nocke vom Akustikbüro Oldenburg über Normen für die akustische Planung im Arbeitsraum. Foto: intuitive fotografie, Philippe Ramakers

Die Maske in digitaler Veranstaltung

Dr. Christian Nocke vom Akustikbüro Oldenburg schloss für den französischen Hersteller Barrisol die Vortragsreihe mit seinem Beitrag ‚Büro-Raum-Design – Krach im Büro richtig vermeiden‘ ab und stellte die Frage: Warum gibt es immer noch so schlechte Akustik?

Akustik habe ganz viele Bezüge, dazu gehörten Wahrnehmung, Hormone, Gestaltung, Geräusche. Wann sind Geräusche Lärm? Nocke spricht auch von Psychoakustik.

Krach im Büro richtig vermeiden

Auch er lässt keinen Zweifel daran, dass gute Raumakustik ein Dauerbrenner im Office ist. Die entsprechende Norm DIN 18041 gibt es seit 1961. Hinzu kommen die VDI 2569 und die Arbeitsstättenverordnung. „Wenn man alle Regeln beachten will, dann kann man in Deutschland allerdings nicht mehr bauen“, stellt der Bauphysiker lapidar fest. Die gute Nachricht: Die Anforderungen für Nachhallzeiten sind weitestgehend konform.

Raumakustik hat viele Faktoren

Die Sprache dient nicht nur der Kommunikation, sondern stört auch die Kommunikation. Abstand und Abschirmung sind kein Problem dieser Zeit. Es geht immer auch im das Zusammenspiel von Umgang, Respekt, Verhaltensregeln, „Täter“ und „Opfer“.

Ein Tipp des Experten, der auch viele Beispiel aus der Praxis lieferte: „Wenn die Decke nicht genutzt werden kann, dann Absorption über die Möblierung.“

Hier geht es zum kompletten Vortrag ‚Büro-Raum-Design – Krach im Büro richtig vermeiden‘ von Dr. Christian Nocke | Akustikbüro Oldenburg für Barrisol Normalu SAS.

Drei Fakten zur Raumakustik

  1. Akustik ist subjektiv
  2. Akustik bedeutet Respekt und Verhaltensregeln einhalten
  3. Normen beachten und Bauherren informieren

Die md-Fachveranstaltung Zukunft von Office + Akustik fand am 26.10.2020 rein virtuell statt.

Weitere md-Veranstaltungen finden Sie hier


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