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Playa Vista, Kalifornien/USA

Spruce Goose für Google

Der Spruce Goose Hangar ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, in dem einst der legendäre Multimillionär Howard Hughes ein nicht minder legendäres Flugzeug baute. Heute nutzt ein Internetgigant den von ZGF adaptiv reaktivierten Holzbau.

Autor Rolf Mauer

Der US-amerikanische Multimillionär, Regisseur und Pilot Howard Hughes war ein rätselhafter und offensichtlich ruheloser Mensch. Als junger Mann hatte er Mathematik und Ingenieurwissenschaften studiert, später avancierte Hughes durch zahlreiche Beziehungen mit Filmdiven nicht nur zu einer schillernden Persönlichkeit der Traumfabrik Hollywood, er war darüber hinaus auch noch Flugzeugkonstrukteur. So entwickelte er mit der ‚Hughes H-4 Hercules‘ (Spitzname Spruce Goose, also Fichten-Gans) das, bezogen auf die Flügelspannweite von 97,51 m, größte jemals geflogene Flugzeug.

Spruce Goose
Der historische, zweischiffige Spruce Goose Hangar wurde vollständig restauriert und vom Architekturbüro ZGF in einen Büro- und Veranstaltungsraum verwandelt. Foto: Connie Zhou

Womit wir beim Thema wären! Dieses gigantische Fluggerät – es bestand übrigens überwiegend aus laminiertem Birkenholz – wurde in einem Hangar konstruiert, der kürzlich umgebaut wurde. Heute logiert in diesem historischen Gebäude im kalifornischen Playa Vista der Internetkonzern Google.

Der historische Spruce Goose Hangar wurde vom Architekturbüro ZGF vollständig restauriert und in einen über 41 000 m² großen Büro- und Veranstaltungsraum verwandelt. Die Architekten beschreiben ihre Annäherung an die Bauaufgabe so: „Angesichts der spezifischen Betriebsorganisation des Bauherrn und der außergewöhnlichen Geschichte des Gebäudes erforderte das Projekt einen besonderen Design- ansatz und die umfassende Wiederherstellung der ursprünglichen Holzrahmenkonstruktion.“

Google Spruce Goose
Das „Haus-im-Haus“ ist topografisch angelegt. Aus dieser Dynamik ergibt sich ein abwechslungsreiches Nutzererlebnis.
Foto: Connie Zhou

Für Ted Hyman, Partner von ZGF, liegt „die Bedeutung dieses Projekts nicht nur in der Erhaltung einer historischen Holzstruktur und der Schaffung eines der wohl spektakulärsten Arbeitsplätze der Welt, sondern auch in der adaptiven Umnutzung des Hangars, was die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft im Vergleich zu Abbruch und Neubau erheblich minimiert. Am Ende steht hier ein Gebäude-im-Gebäude, das ein ikonisches lokales Wahrzeichen revitalisiert und die kreative Kultur von Google widerspiegelt. Der Hangar hat und wird Innovationsgeschichte schreiben“.

Früher Holz, heute Stahl

Es ist wohl dem Denkmalschutz zu verdanken, dass die Holzrahmenkonstruktion aus Douglasie vollständig erhalten blieb und nur an wenigen Stellen restauriert werden musste.

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Ziel der ZGF Architekten war es, ein Wechselspiel zwischen zeitgenössischem Neubau und historischem Altbau zu schaffen.
Foto: Connie Zhou

Uns hat überrascht, dass man das Prinzip, mit Holz zu bauen, für das neue „Haus-im-Haus“ nicht weitergeführt hat. In Europa bauen wir an allen Ecken und Enden Hochhäuser aus dem nachhaltigen Baustoff Holz und in Los Angeles stellt man für nur vier Geschosse ein Gestänge aus Stahl, garniert mit Betondecken, in einen denkmalgeschützten Holzbau.

Die historische Tragkonstruktion wurde aus Brandschutzgründen teilweise gegen Stahl ausgetauscht um abschließend in der Ansicht wieder originalgetreu mit der restaurierten Douglasie verkleidet zu werden. Originale Holztafeln wurden an verschiedenen Stellen im Gebäude wiederverwendet.

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Interaktion und Gespräch sind Teil der Arbeitsatmosphäre des Internetgiganten Google. Foto: Connie Zhou

Der Spruce Goose Hangar, der sich zwischen zwei bestehenden Google-Standorten befindet – das zum Konzern gehörende Unternehmen Youtube ist in der Nachbarschaft zu finden –, vereint die Präsenz am Playa Vista in einem einzigen Campus. Das Gebäude beherbergt Büro-, Konferenz- und Veranstaltungsräume, Gastronomie auf jeder Ebene und charakteristische Annehmlichkeiten wie ein Fitnesscenter, ein Musikzimmer oder ein Massagezimmer. Google war schon immer für seine unkonventionellen Arbeitsbedingungen bekannt.

Ziel der Architekten war es, ein Wechselspiel zwischen zeitgenössischem Neubau und historischem Altbau zu schaffen. Die neuen Büroetagen sind von der Innenhülle zurückgesetzt und setzen sich strategisch mit den Mittelstützen der zweischiffigen Halle auseinander. Der neue Entwurf würdigt die Geschichte und Form des Gebäudes, indem er die großzügigen Längsaussichten beibehält und sicherstellt, dass die Nutzer zu jedem Zeitpunkt die einzigartige Struktur des Hangars sehen und räumlich spüren können.

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In der atriumartigen Umgebung des alten Hangars sind Akustik und Beleuchtung von zentraler Bedeutung. Foto: Connie Zhou

Das „Haus-im-Haus“ ist topografisch angelegt. Aus dieser Dynamik ergibt sich ein abwechslungsreiches Nutzererlebnis. Je nach Standort ist der Innenausbau zwei- bis dreigeschossig. Die vielen offenen Flächen dienen der Kommunikation und dem Austausch der Mitarbeiter, was bei einem Internetkonzern nicht weiter verwunderlich ist: Interaktion und Gespräch sind Teil der Arbeitsatmosphäre des Internetgiganten.

In der atriumartigen Umgebung des alten Hangars sind Akustik und Beleuchtung von zentraler Bedeutung. Man hat umfangreiche Studien und Tests durchgeführt, um optimale Lösungen zu finden. Natürliches Sonnenlicht aus neu hinzugefügten Oberlichtern wird durch individuell gesteuerte Arbeitsplatzbeleuchtungen ergänzt. Die betonierten Deckenflächen des Neubaus sind so gestaltet, dass sie die für eine Arbeitsumgebung notwendige Akustik in jedem Bereich unterstützen.

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Die Materialität des Neubaus ist subtil, die originale Holzstruktur des Hangars spielt die Hauptrolle. Foto: Connie Zhou

Spielerisches Image

Die Innenarchitektur zielt darauf ab, ein anspruchsvolles Umfeld für die Marke zu schaffen und damit das weithin bekannte unternehmenstypische Arbeitsumfeld abzubilden. Die Materialität des Neubaus ist subtil, die originale Holzstruktur des Hangars spielt die Hauptrolle. Generell wurde die Textur über die Farbe gestellt, mit einer gleichzeitigen Präferenz für matte Farben.

Die Oberflächen bestehen teilweise aus gebürsteten Metallbekleidungen an den Wänden, schwarzen Stahlfenster- und Bürorahmen sowie monochromatischen Teppichen und Betonböden.

Acht Kunstinstallationen ergänzen die Innenarchitektur. Lokale Künstler haben sich für ihre Werke aus der Geschichte der Spruce Goose, von Howard Hughes und von Google inspirieren lassen.

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Acht Kunstinstallationen ergänzen die Innenarchitektur. Foto: Connie Zhou

Über die Räume sind zudem 30 „Easter Eggs“ verteilt, ähnlich jenen bekannten Software-Scherzen, die ursprünglich für den schrägen Humor der programmierenden „Nerds“ von Google und sinnbildlich für den unternehmenseigenen Verhaltenskodex „Don’t be evil“ standen. Ältere Google-Nutzer werden sich erinnern, dass die kostenlosen Dienstleistungen und das spielerische Image dem Unternehmen viel positive Aufmerksamkeit brachten.

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Die betonierten Deckenflächen des Neubaus sind so gestaltet, dass sie die für eine Arbeitsumgebung notwendige Akustik in jedem Bereich unterstützen. Foto: Connie Zhou

Die Architekten mussten sich im historischen Hangar, dessen Struktur und Hülle ausschließlich aus Holz ist, einer Reihe von Zwängen aussetzen. Insbesondere die US-amerikanischen Brandschutzbestimmungen formulierten spezifische Anforderungen. In Playa Vista habt ZGF architects es geschafft, aufzuzeigen, dass auch sehr große Räume mit einem historischen Holztragwerk zeitgenössisch und modern genutzt werden können.

Lesen Sie das Interview mit ZGF Architekten


Factsheet

Projekt: Google Spruce Goose

Standort: 16 S Campus Center Dr, Playa Vista, Los Angeles, Kalifornien 90094, USA

Bauherr: Google

Bauaufgabe: adaptive Umnutzung des historischen ‚Spruce Goose Hangars‘

Architekten: ZGF Architekten

Fertigstellung: September 2018

Nutzfläche: 41  800 m² auf 228 m

Materialien: Gebäudehülle Douglasie, Haus-im-Haus: Stahlkonstruktion, Boden: polierter Beton


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