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Mit Stoffen die Welt retten

Heimtextil 2020 + Video
Mit Stoffen die Welt retten

Über Interior Textiles zu sprechen heißt heute, über deren ökologische Verträglichkeit zu sprechen. Das war das wichtigste Fazit der Heimtextil 2020 in Frankfurt. Eine weitere zentrale Botschaft: In einer Welt der körperlosen Kommunikation und der multiplen Identitäten kommt dem Stoff eine integrierende Funktion zu.

Karin Henjes

2952 Aussteller aus 65 Ländern zeigten Anfang Januar auf der Heimtextil ihre Neuheiten.  Die Botschaften fanden sich auch im Trend Space, der in diesem Jahr vom Stijlinstituut Amsterdam inszeniert wurde.

Insbesondere der Trendbereich „Multilocal“ – der auf die vielen zeitlichen, lokalen und kommunikativen Teilidentitäten des modernen Menschen verwies – vereinte Textilkulturen aus aller Welt. Es spielten nicht mehr nur ausdrucksstarke Muster, sondern auch subtile, lokal gewonnene Farbtöne und einzigartige Techniken eine Rolle.

Heimtextil 2020
Weit mehr als Folklore: Mit den Stoffen von „Multilocal“ zeigt der Heimtextil Trend Council die Vielschichtigkeit lokaler Stoffe und Stoffkulturen. Foto: Heimtextil

Mit optischer Langelebigkeit in die Zukunft

Anlässlich einer Führung durch den Trend Space wies Anne Marie Commandeur vom Heimtextil Trend Council und dem Stijlinstituut ganz besonders auf den Trend „Active Urban“ hin: „Hier sehen Sie die Zukunft. Meist einfarbige Materialien, die sehr simpel aussehen aber eine hohe Funktionalität und auch optische Langlebigkeit haben.“

Leichte Abwandlungen der Pantone Farbe des Jahres „Classic Blue“ waren hier ebenso zu sehen wie andere kräftige Primärfarben, Camouflage-Töne und Spacer Fabrics (Abstandsgewirke), die mächtig in die Interior-Welt drängen.

Heimtextil 2020
Nachhaltige Materialinnovationen: Im Trendspace wurde auch eine Future Materials Library (r.) aufgebaut. Foto: Heimtextil

In der Future Materials Library – in der nachhaltige Materialien gezeigt wurden – präsentierten sich zahlreiche Projekte, von denen vor allem Bananatex und Orange Fiber mit interessanten Ergebnissen beeindruckten.

Textilien aus recycelten PET-Flaschen als Marketing-Schlager

Ein echter Marketing-Schlager waren auf der diesjährigen Heimtextil Stoffe, die aus PET-Flaschen recycelt sind. Nicht immer verbargen sich dahinter seriöse Lieferketten, und bei weitem nicht jeder Artikel war zertifiziert. Für großes Aufsehen sorgte hingegen Manuel Schweizer, Geschäftsführer von Deco Design Fürus und dem neuen Unternehmen Oceansafe.

Heimtextil 2020
Cradle to Cradle statt Recycling: Manuel Schweizer, Geschäftsführer von Oceansafe (l., hier im Gespräch mit dem Nachhaltigkeitsexperten Max Gilgenmann), machte mit Bettwäsche und Vorhängen auf sich aufmerksam, die „in kurzer Zeit komplett von der Natur abgebaut werden.“ Foto: Heimtextil

Der ehemalige Einrichtungshändler der Schweizer Firma Pfister präsentierte Bettwäsche und Vorhänge mit Cradle-to-Cradle-Zertifikat, die nach seinen Angaben bei einer Rückführung in die Natur sehr schnell hundertprozentig abgebaut werden können. Die Bettwäsche wird bereits erfolgreich vertrieben, und auch Möbelstoffe sind in Planung.

„Allerdings möchte ich so schnell wie möglich wieder über das Design und die Farben meiner Stoffe sprechen,“ so Schweizer –  im Video erklärt Manueal Schweizer, warum für ihn die nachhaltige Produktion von Textilien alternativlos ist.

Design Dialog über Stoffe mit Sinn

Genau darum ging es im Design Dialog am Messemittwoch, den md-Chefreakteurin Susanne Tamborini-Liebenberg im Austausch mit drei Designprofis moderierte: Anne Marie Commandeur vom Heimtextil Trend Council machte auf die Herausforderung aufmerksam, den taktilen Charakter von Textilien in immersive digitale Erfahrungen zu übersetzen.

Der Möbeldesigner Werner Aisslinger berichtete davon, wie er Textilien und Tapeten zur Gestaltung einzigartiger lokaler Hotelwelten benutzt.

Heimtextil 2020
Warum entwickeln Möbeldesigner nicht eigens für ihre Polsterkreationen Stoffe? Eine der Fragen, die im Design Dialog aufgeworfen wurden. Die Antwort: Wegen unterschiedlicher Entwicklungszyklen. Im Bild: Christiane Müller von Studio Müller Van Tol, Produkt- und Möbeldesigner Werner Aisslinger und md-Chefredakteurin Susanne Tamborini-Liebenberg, die den Dialog moderierte. Foto: Heimtextil

Christiane Müller von Studio Müller Van Tol berichtete über ihre Vision von Stoffen, die Sinn machen – funktional, emotional, als Quelle einer bestimmten Atmosphäre, als Diener der Form. Sie wies unter anderem auf die große Bedeutung von Farben hin – in leisen Tönen und feinfühligen Abstufungen.

Farb-, Design- und Produkt-Trends

Die Trendvorgaben für Möbelstoffe waren auf der Messe leicht auszumachen: Velours, Hoch-Tief-Gewebe und Samt. Auch Dekostoffe in Samt wurden gerne gezeigt, beispielsweise in den Inszenierungen der Ausstellergemeinschaft Deco Team.

Heimtextil 2020
Viel Bouclé sowie Natur-, Mocca- und Grautöne: Die italienischen Aussteller wie hier Imatex präsentierten sich mit vorwiegend gedämpften natürlichen Farben. Foto: Heimtextil

Eine weitere Qualität, die bei den Italienern in Breite zu sehen war: Boucléstoffe, sowohl für Indoor als auch für Outdoor. Auch Tweed und andere, sehr natürlich wirkende unregelmäßige Flachgewebe spielten eine Rolle. Wie wichtig Outdoorstoffe inzwischen sind, zeigte beispielsweise die italienische Weberei Limonta mit einer eigenständigen Kollektion.

Während die edleren Anbieter vor allem Grau- Natur- und Moccatöne im Angebot hatten, gab es neben Blau auch erstaunlich viel dunkles Grün, Curry und das unverwüstliche Millenium Rosé in seiner neuesten Spielart zu sehen.

Heimtextil 2020
Local Hero für schallabsorbierende Textilien: Die Weberei GM Munzert hat sich mit ihren halbtransparenten, weich fallenden akustischen Gardinenstoffen einen Namen gemacht. Foto: GM Munzerth

Dass die akustische Funktion von Dekostoffen in allen Bereichen weiter an Bedeutung gewinnt, war bei dem Local Hero GM Munzert auszumachen. Das Unternehmen hat sich mit seinen halbtransparenten, leicht fallenden Dekostoffen eine Nische im Segment erobert und präsentierte seine preisgekrönte „Acoustic Line“.

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