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Hochschullehrer im Portrait

Achim Hack

„Geben und Nehmen“ – ein Prinzip, das sich durch das ganze Berufsleben von Achim Hack zieht. Es bestimmt nicht nur seine Lehrgrundsätze an der Hochschule Wismar, sondern auch alle Kooperationen, die er eingeht.

Autorin Nina Shell

Erblich vorbelastet für seine heutige Tätigkeit war der junge Mann aus einer Arbeiterfamilie aus dem fränkischen Schweinfurt beileibe nicht, als er sich nach Abitur und Wehrdienst zunächst für eine Schreinerlehre entschied. Nach einigen Jahren als Schreinergeselle startete er auf der Meisterschule Ebern, seinerzeit relativ neu und extrem innovativ. Achim Hack war im 13. Kurs seit Etablierung der Schule. Damals lehrte dort auch der Diplomdesigner Helmut Apmann Gestaltung und Konstruktion – der Hack riet, nachdem dieser doch so weitreichendes Talent zeige, dass er dringend studieren solle. „Das hat mich erst mal verwirrt“, erinnert sich Achim Hack, „dann habe ich in kürzester Zeit dennoch eine Mappe erstellt.“ Das Resultat dieser Bewerbungsmappe war, wie Achim Hack sich lachend erinnert, „bahnbrechend“.

München, Stuttgart, Nürnberg lehnten „dankend“ ab – aber die Burg, also Burg Giebichenstein, seinerzeit kurz nach der Wende in der Neuausrichtung, interessierte sich für ihn. Ganz ehrlich konstatiert Achim Hack dazu, dass das wohl eher seinem Exotendasein als Schreinermeister und dem „Wessi-Bonus“ geschuldet gewesen sein könnte. Dort blieb er auch nach dem Studium, zunächst als künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Lehre der Möbelkonstruktion. Aus dem zunächst geplanten halben Jahr seiner Tätigkeit wurden letztendlich sechs Jahre, in denen er mit diversen Gastprofessoren den Lehrstuhl betreute, Fachvorlesungen hielt und Entwurfsübungen machte. Um dabei festzustellen: „Mir macht diese Tätigkeit in der Lehre richtig viel Spaß!“

Parallel zu den Aktivitäten an der Burg folgte die Selbstständigkeit. „Prinzipiell aber immer als Einzelkämpfer“, wie er sagt, „auch wenn seinerzeit diverse Projekte, im Möbel- wie Ausstellungsdesign mit meinen Kollegen Wolfgang Kreser und Martin Büdel gemeinsam zustande kamen.“ Das Resultat: Die drei hatten Teilzeitengagements an der Burg und waren selbstständig zugange, „also, die klassische 100-Stunden-Woche“, lacht Hack – aber eben auch der Grundstein für alle weiteren Aktivitäten.

In Sachen Lehre war ihm auch Prof. Axel Müller-Schöll, dessen Geschichte Sie in der nächsten Ausgabe der md lesen werden, ein großer Mentor. „Er ermutigte mich seinerzeit, mich in Wismar zu bewerben“, erinnert sich Hack, „wo ich dann letztlich zu meinem großen Glück und Vergnügen gelandet bin.“

Glück und Vergnügen – dies natürlich nicht zum Selbstzweck, um das eingangs erwähnte „Geben und Nehmen“ weiter zu elaborieren. „Ich mache das jetzt seit 21 Jahren“, so Achim Hack, „und meine, dass ich in all den Jahren mehr von meinen Studenten gelernt habe als diese jeweils in den kurzen Zeitabschnitten, die wir zusammen unterwegs waren, von mir.“ Denn man könne am Ende ja selten ganz klar trennen, wer welchen Einfluss oder welchen Anstoß zum Entwurf nach einer absolvierten Arbeit beigetragen habe. Dabei ist es ihm wichtig, dass die Studenten ihren Stil entwickeln, ihr Œuvre auch selber ausbilden, das sehr selbstständig und eigenständig machen.

„Ich unterstütze nur dabei. Aber durch diese immer wieder anderen Denkweisen wird man selbst ständig angeregt zu hinterfragen, was man macht, wie man’s macht, ob man es nicht noch mal ganz anders machen kann. Ich bin überzeugt, man beeinflusst sich gegenseitig – und kann sich darüber ständig weiterentwickeln. Das gilt für Studierende wie für Lehrende.“ Im Resultat dann sehen zu können, wie die Studierenden ihre eigene Sprache finden, ins Berufsleben starten und bestehen können, sei immer wieder großartig. Als Dekan der Fakultät an der Hochschule in Wismar schätzt er auch die Bandbreite der Disziplinen, von Schmuck- über Kommunikations-, Medien- und klassisches Produktdesign bis Architektur und Innenarchitektur.

Ein USP ist auch der Studiengang des Architectural Lighting Design, dieser als reines Masterprogramm, das es in Deutschland ansonsten nur noch in Detmold gibt. Ein internationales Programm mit jährlich 20 bis 25 Studierenden, von denen nur rund zehn Prozent aus Deutschland stammen, der Rest aus aller Welt.

Natürlich gehören auch Außenauftritte zum fixen Programm der Hochschule, je nach Fachrichtung geht es zur Light+Building, der Designwoche in Mailand. Oder wie zuletzt der starke Auftritt der Innenarchitekten auf der imm cologne Anfang dieses Jahres. „Gemeinsam mit ‚Der Kreis‘ haben unsere Studierenden hier im Rahmen der Living Kitchen zwei sehr unterschiedliche Küchenformate gegenübergestellt, die eine handwerklich ausgerichtet, die andere in erster Linie digital.“

Auch auf Schülermessen ist die Hochschule Wismar sehr aktiv. „Wir stellen fest, dass viele Abiturienten vor Beginn ihres Studiums oft noch gar nicht exakt wissen, was sie genau wollen – hier wollen wir schon im Vorfeld in die richtigen Bahnen lenken helfen.“

Ebenso ist Achim Hack immer auf der Suche nach Kooperationspartnern, um den Studierenden neben der klassischen Lehre auch realistische Auftrags- und Aufgabenstellungen zu bieten. Ein besonders spannendes Projekt war zuletzt, für die Firma Henkel in Mecklenburg-Vorpommern das neue Verwaltungsgebäude im Inneren zu planen – inklusive Mitarbeiterinterviews, Bedarfsanalyse, Fallbeispielen. „Auch wenn die Entwürfe der Studierenden am Ende nicht 1:1 umgesetzt werden, waren alle Beteiligten begeistert – das war wieder ein klassischer Fall von konstruktivem Geben und Nehmen“, erinnert sich Hack. Neben der ideellen Wertschätzung für die Leistung der Hochschule fließen bei derlei Projekten natürlich auch Gelder für weitere Projekte in die Kasse der Forschungs-GmbH der Hochschule Wismar.

Ein echtes Plus für die Studierenden ist auch das charakteristische Ateliergebäude, das rund 640 der insgesamt 700 Studierenden einen 24/7-Arbeitsplatz bietet, mit Modellbaumaschinen. Dies zusätzlich zu den großzügigen Werkstätten, die ebenfalls zwölf Stunden am Tag zur Verfügung stehen. Gestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten vom Feinsten also. Und das alles in interessanter und nach wie vor bezahlbarer Umgebung.

Eine Leidenschaft begleitet Achim Hack schon lebenslang: „Ich koche für mein Leben gern. Ich experimentiere dabei auch sehr gern. Und ich glaube auch, dass mir Innenarchitekten, die nicht gerne kochen, sehr suspekt sind. Es ist eines der zentralen Dinge im Leben – und selbst, wenn man nicht kochen kann, sollte man wenigstens gern gut essen! Sonst kann man meiner Meinung nach keine erfolgreiche Innenarchitektur machen, denn die Liebe zum Detail ist in beiden Bereichen die Essenz, die schlussendlich die Qualität ausmacht.“


Prof. Dipl.-Ing. Achim Hack ist Dekan der Fakultät Gestaltung an der Hochschule Wismar – mit den Berufungsgebieten Innenarchitektur, Möbel und raumbildender Ausbau, Entwurf und Konstruktion. In eigenen Projekten sowie mit der Planungsgruppe ‚Studio paretaia / …4!‘ realisiert er Ausstellungskonzepte und Möbelentwürfe.

www.fg.hs-wismar.de

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Foto: HS Wismar

Hochschule WismarUniversity of Applied SciencesTechnology, Business and DesignFakultät GestaltungProfessur für Innenarchitektur, Möbel und raumbildenden Ausbau, Entwurf und Konstruktion

Bachelorstudiengang Innenarchitektur

Studienbeginn: jeweils zum Wintersemester

Abschluss: Bachelor of Arts (B.A.)

Dauer: 7 Semester

Workload: 210 ECTS

Absolventen: ca. 15 pro Jahr

Masterstudiengang Innenarchitektur

Studienbeginn: jeweils zum Winter- und
Sommersemester

Abschluss: Master of Arts in Arts (M.A.)

Dauer: 3 Semester

Workload: 90 ECTS

Absolventen: ca. 15 pro Jahr

www.fg.hs-wismar.de

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