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Über Mailand, Überraschungen und Kristalia

LucidiPevere

Man muss nicht um den halben Globus reisen, um für Unternehmen zu arbeiten. Paolo Lucidi und Luca Pevere nutzen alljährlich Mailand für ihr Netzwerk und arbeiten sonst in ihrem Büro in Norditalien an ihren Entwürfen.

Interview Katharina Feuer

Fahrt ihr im April auch zum Salone?

Wir haben Ende Februar gebucht und festgestellt, dass wir ein bisschen spät dran waren, es war gar nicht mehr so einfach unterzukommen. Es ist natürlich schön, alte Bekannte und Weggefährten zu treffen. Aber die Messe ist in erster Linie wichtig für unsere Arbeit und Planung.

Inwiefern ist die Messe für euch wichtig?

Sie ist Inspiration und Update in einem. Wir knüpfen und pflegen Kontakte, treffen Kunden aus aller Welt, um Projekte zu besprechen. Auch die Interviewanfragen haben zugenommen. Es ist viel, was wir in der kurzen Zeit sehen und erledigen wollen. Wir müssen uns im Vorfeld entscheiden.

Deswegen führen wir ganz entspannt im Vorfeld das Gespräch am Telefon. Ihr sitzt in Palmanova, Norditalien. Warum der Wegzug von Mailand?

Wir haben noch einige Jahre nach Gründung unseres Büros dort gearbeitet. Es ist eine pulsierende, kreative Stadt, aber wir kommen ursprünglich von hier und wollten näher zur Familie und in die Natur zurück.

Stichwort Natur: ‚Brioni‘ für Kristalia wird dieses Jahr noch erweitert. Welche Idee hattet ihr für eure Outdoor-Kollektion im Kopf?

Gebilde, die in ihrer Anordnung eine Art Landschaft formen. Wie kleine Inseln im Meer. Daher auch der Name ‚Brioni‘, der von einer kleinen Inselgruppe in der kroatischen Adria stammt.

Was ist das Besondere daran?

Es ist Handarbeit, verbunden mit dem technischen Know-how des Herstellers. Ein Reißverschluss verbindet die robuste, pflegeleichte Basis mit dem Polster. Es sieht einfach aus, aber die Realisierung war komplex.

Das Möbelunternehmen hatte ein neues Outdoor-Textil entwickelt, das hier zum ersten Mal zum Einsatz kommt.

Und last but nor least: ‚Brioni‘ sieht aus wie ein Sofa für innen – bequem, für die ganze Familie, ist aber für außen gedacht.

Wie ergab sich die Zusammenarbeit?

Wir kennen Kristalia schon seit einigen Jahren und haben uns gemeinsam weiterentwickelt. Damals wie heute rufen wir bei Herstellern an, bei denen wir denken, dass sie gut in unser Portfolio passen, und stellen unsere Ideen vor. So auch bei Kristalia. Mittlerweile kommen aber auch Unternehmen auf uns zu.

Euer Portfolio ist sehr vielseitig. Wollt ihr euch nicht festlegen?

Nein, weil wir mit unseren Entwürfen gern überraschen und weil es uns selbst Freude bereitet, immer wieder in andere Themenbereiche einzutauchen.

Ist euer Plan, zu wachsen?

Nochmal nein. Dazu arbeiten wir zu gern selbst direkt am Produkt. Wir wollen möglichst wenig aus der Hand geben und erstellen selbst Renderings, 3D-Modelle, Mockups.

Ihr arbeitet also gern mit den Händen!

Ja. Luca hat schon immer gern gezeichnet und skizziert und ich bin gelernter Tischler. Das Industriedesignstudium liegt perfekt zwischen den Polen Kunst und Wissenschaft.

Übrigens sind wir bereits seit dem ersten Semester an der Politecnico gut befreundet.

Habt ihr eine personenbezogene, bestimmte Aufgabenteilung?

Außer dass Paolo ab und an eine Rechnung erstellt (Luca lacht), arbeiten wir gleichberechtigt und gleichwertig. Jeder bringt seine Ideen ein. Die bessere macht den Stich und wir verfolgen sie weiter. Das läuft alles Hand in Hand.

Wie versteht ihr Design in Zeiten der Nachhaltigkeitsdebatte?

Wir wollen Produkte entwerfen, die einerseits überraschen und einen gewissen Kniff besitzen. Anderseits laufen wir aber definitiv keinem Trend hinterher, sondern wollen eine hohe emotionale Bindung zum Produkt entstehen lassen, sodass der Besitzer es möglichst lange behalten will. Darin sehen wir unseren Ansatz zum Thema Nachhaltigkeit.

Weitere Interviews finden Sie hier


Foto: Fabrizio Cicconi

LucidiPevere (kein Schreibfehler!), das sind Paolo Lucidi (Jg. 1974) und Luca Pevere (Jg. 1977). Beide studierten Design in Mailand und gründeten das LucidiPevere Design Studio, mit dem sie in ihre Heimat nach Palmanova in Norditalien gezogen sind. Zu ihren Kunden gehören De Padova, Arflex, Hem, Emu, Zanotta, Agape, Ligne Roset, Foscarini, Kristalia und Normann Copenhagen.

www.lucidipevere.com

Elisa Ossino


Designer Chat

LucidiPevere

You don’t have to travel half way around the globe if you want to work for an international enterprise. Every year Paolo Lucidi and Luca Pevere scour Milan to build up their network and apart from that work on their surprising designs in their studio in the East of Northern Italy.

Interview: Katharina Feuer

This interview will be published in md’s Milan issue. Will you travel to the Salone in Milan in April, too?

We booked this morning and found out that we are a bit late. It wasn’t so easy to get a room. Of course we are glad to meet old friends and companions. But first and foremost the fair is important for our work and our planning.

In what way?

To us, the fair is both an inspiration and an update. We establish and maintain contacts, meet clients from all over the world to discuss projects. Even interview requests have increased. We have to see and do a lot of things in a very short time. We have to decide in advance.

That is why we are doing this interview in a relaxed atmosphere on the phone. You are located in Palmanova in Northern Italy. Why did you move away from Milan?

After having established our studio we worked there for several years. Milan is a vibrant, creative city, but our origins are here and we wanted to come back and be closer to our families and nature.

Apropos nature: your outdoor collection for Kristalia will be enhanced over the course of this year. What was your idea behind ‘Brioni’?

Shapes or structures that can be arranged to make up a sort of landscape. Like small islands in the sea. That is where the name comes from: ‘Brioni’ is a small archipelago in the Croatian Adriatic Sea.

What is special about ‘Brioni’?

The pieces are handmade and based on the technical know-how of the manufacturer. A zipper connects the sturdy, easy-care base with the upholstery. It looks simple, but implementation was quite complex. Kristalia had developed a new outdoor fabric that was used in this collection for the first time.

And last but not least: ‘Brioni’ looks like a sofa for indoor use, comfortable, for the whole family, but it is meant for outdoors.

How did the co-operation come about?

We have known Kristalia for several years and developed as a team. Back then as well as today we contact manufactures by phone when we think that they would fit our portfolio and then present our ideas. That was also the case with Kristalia. But by now companies will also contact us.

Your portfolio is very versatile. Why don’t you want to specialize?

Because we like to surprise people with our designs and we take much pleasure in immersing ourselves in ever new subjects time and again.

Do you plan to grow?

No, we are too happy working directly on the product. We’d like to delegate as little as possible and do renderings, 3D models and mockups ourselves.

So you like to work with your hands!

That’s true. Luca has always liked to draw and do sketches, and I am a trained joiner. Industrial design bridges the gap between art and science perfectly. And, by the way, we have been close friends since our first semester at Politecnico.

Do you divide your tasks in a specific way?

We work on a quite equal and on-par basis, apart from Paolo writing an invoice now and then (Luca laughs). We both contribute ideas of our own and we follow up on the better ones. All this runs hand in hand.

One last question: what does design mean to you in the current sustainability debate?

We want to design products that, on the one hand, are surprising and have a certain knack. However, on the other hand, we definitely don’t blindly follow trends; rather, we would prefer to create a close emotional bond to the product so that owners want to hold on to it for as long as possible.

LucidiPevere

is made up of Paolo Lucidi (born in 1974, on the left) and Luca Pevere (born in 1977). Both of them studied design in Milan, founded LucidiPevere Design Studio together before moving back to their home town of Palmanova in Northern Italy. Their clients include De Padova, Arflex, Hem, Emu, Zanotta, Agape, Ligne Roset, Foscarini, Kristalia, and Normann Copenhagen.

www.lucidipevere.com


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