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Giulio Iacchetti

Interview über die Armatur der Zukunft
Giulio Iacchetti

Wie kommt das Wasser aus dem Hahn? Man wedelt, rüttelt, toucht und zerrt. Völlig andere Ansätze fanden Giulio Iacchetti und die Jungdesigner Simone Bonanni, Chiara Moreschi und Alessandro Stabile in ihrer Hansa-Studie.

Interview Katharina Feuer

Herr Iacchetti, für die Hansa-Studie haben Sie mit drei italienischen Designern – Simone Bonanni, Chiara Moreschi und Alessandro Stabile – zusammengearbeitet. Warum wählten Sie gerade diese jungen Talente?

Das Alter war weniger der ausschlaggebende Grund, sondern die Qualität ihrer bisherigen Arbeiten. Daneben eint sie ihr junges Alter.

Was war deren Aufgabenstellung?

Ich interessierte mich für ihre Art, wie sie die hypothetische Zukunft der Küchenarmatur sehen: Jeder von ihnen hat effektiv vier verschiedene Designansätze verfolgt, die die mögliche Zukunft dieses Zubehörteils treffend darstellen.

Inwieweit hat Hansa diese Visionen unterstützt?

Es ist wichtig, ein Unternehmen hinter sich zu haben, das die Entwicklung eines Designprojekts kritisch begleitet und der Freiheit Grenzen setzt.

Grenzen sind unabdingbare Voraussetzung in Bezug auf die Machbarkeit, das industrielle Potenzial, die Kosten und andere Parameter eines neuen Produkts. Durch die Interaktion mit den Hansa-Technikern konnten alle Projekte weiterentwickelt werden und sich in einer typischen, realen Situation der Designforschung innerhalb eines Unternehmens behaupten. Ziel war es, den Markt zu erreichen. Eine ehrliche, nützliche und lehrreiche Erfahrung.

Welcher der Entwürfe hat Sie besonders überzeugt?

Alle Projekte weisen sowohl in ästhetischer als auch in funktionaler Hinsicht starke Qualitäten auf.

Vielleicht wäre die ‚Water machine‘ von Alessandro Stabile, eine Mischung aus Forschungsergebnis, Ausdruckskraft und neuen Funktionen, interessant für eine Weiterentwicklung.

In Lingotto, einem Stadtteil Turins, hatte Fiat 1923 ein Automobilwerk mit Rennstrecke auf dem Dach gebaut. Erklären Sie Ihren Entwurf ‚Lingotto‘.

Ich mag die Idee eines geheimnisvollen Objekts, das seine Funktion erst in Aktion überraschend offenbart. ‚Lingotto‘ soll eine zeitgenössische Skulptur sein. Eine Wasserquelle, mit einfacher, reflektierender Form.

Wie kann Design dazu beitragen, dass Menschen auf der ganzen Welt Zugang zu sauberem Wasser haben?

Es ist nicht die Aufgabe des Designers, die wichtigen politischen Fragen zu lösen, die mit der unfairen Verteilung der wichtigsten Ressource der Welt zusammenhängen.

Designer können Wege vorschlagen, Zweifel aufwerfen, sie können mit Ethik und Bewusstsein gestalten, aber es ist schwer, Ungerechtigkeiten mit einem Bleistift zu bekämpfen!

Im Jahr 2000 haben Sie mit Matteo Ragni das biologisch abbaubare Besteck ‚Moscardino‘ entwickelt. Wie wichtig ist es für Ihre Arbeit, im Einklang mit der Umwelt zu sein?

Jedes Projekt und Produkt sollte im Einklang mit der Umwelt stehen. Die Idee ist, Dinge mit einer langen Lebensdauer zu entwerfen. Denn echte Nachhaltigkeit bedeutet, den Wegwerfeffekt vollständig zu vermeiden.

Sie gestalten Produkte, Leuchten, Ausstellungen, Möbel und Grafiken. Was möchten Sie noch ausprobieren?

Ich verliebe mich immer in das, was ich gerade entworfen habe … es klingt befremdlich, aber genau das passiert.

Warum haben Sie sich entschieden, Designer zu werden?

Mein Vater arbeitete bei Olivetti: Diejenigen, die sich mit der Geschichte des Designs auskennen, wissen, dass Olivetti für Italien und die Welt dank der Projekte von Bellini, Sottsass und Nizzoli in den 1950ern und 1960ern eine der prestigeträchtigsten Firmen war. Vielleicht erreichte mich etwas von diesem Designverständnis, mit dem mein Vater in Kontakt kam.

Sie sind Autodidakt. Haben Sie eine Botschaft für junge Designer?

Ich bin einen langen Weg der Selbstlehre gegangen, den ich niemandem empfehlen kann. Ich denke jedoch, dass es wichtig ist, die schulische Ausbildung niemals von der authentischen inneren Reife zu trennen.

Ihr Fokus liegt klar auf italienischem Design – was wird Ihrer Meinung nach die Zukunft bringen?

Italienisches Design wird auf der internationalen Bühne immer eine zentrale Rolle spielen, dank seiner Durchlässigkeit, Flexibilität und Fähigkeit, ausländische Talente willkommen zu heißen. Und das ohne nutzlos und anachronistisch mit der Fahne zu wedeln.


Foto: Fabrizia Parisi

Der Italiener Giulio Iacchetti (Jg. 1966) arbeitet seit 1992 als Produktdesigner. Viele Entwürfe des Mailänders entstanden in Zusammenarbeit mit Matteo Ragni. Zu seinen Kunden zählen italienische Unternehmen wie Alessi, Artemide, Ceramiche Refin, Danese, Fontana Arte, Foscarini, Magis, Moleskine und Pandora Design.

www.giulioiacchetti.com

www.chiaramoreschi.com

Home Page

www.alessandrostabile.com

Weitere Interviews finden Sie hier

Christoph Böninger


Designer Chat

GIULIO IACCHETTI

The subject was nothing less than the future of kitchen fittings when Giulio Iacchetti co-operated with three young designers. The self-educated designer also developed a surprising approach of his own.

Interview: Katharina Feuer

Mr Iacchetti, you worked with three young Italian designers for the Hansa project – Simone Bonanni, Chiara Moreschi and Alessandro Stabile. Why did you choose these three in particular?

The decisive factor wasn’t so much their age but the quality of their work they had done up to that point. Apart from that, what they share is their young age.

What were they tasked with?

I was interested in their way of seeing the hypothetical future of the kitchen fitting. Each of them has pursued four different design approaches that accurately demonstrate the possible future of this accessory.

To what extent did Hansa support these visions?

It is important to be backed by a company that accompanies the development of a design project critically and sets limits to freedom. Limits are an indispensable prerequisite when it comes to the feasibility, the industrial potential, costs and other parameters playing a role for a new product to come into being. By interacting with Hansa technicians, we were able to continue the development of all projects and demonstrate that they hold their ground in a typical, real situation of design research within a company. The goal was to reach the market. It was an honest, useful and instructive experience.

Which design did you find particularly convincing?

All projects have strong qualities both in an esthetic and a functional respect.

‘Water machine’ by Alessandro Stabile is perhaps interesting for further development seeing that it is a mixture of research result, expressiveness and new functions.

Please explain your ‘Lingotto‘ design.

I like the idea of a mysterious object which reveals its function surprisingly only in action. ‘Lingotto’ is supposed to be a contemporary sculpture. A water source with a simple, reflective shape.

How can design contribute to providing people all over the world with access to clean water?

It is not the task of the designer to solve the important political questions that are interlinked with the unfair distribution of the most important resource worldwide.

Designers can propose ways and means, raise doubts or design products characterized by ethics and awareness. But it is difficult to fight unfairness with a pencil.

In 2000, you developed the biodegradable ‘Moscardino’ cutlery together with Matteo Ragni. How important is it for your work to be in harmony with the environment?

Each project and each product should be in harmony with the environment. The idea is to design products with a long lifetime. True sustainability means to completely avoid throwing away things.

You design products, exhibitions, lamps, furniture and graphics. Is there something you would like to try out?

I always fall in love with the product I just design. This may sound strange, but it is exactly what happens.

Why did you decide to become a designer?

My father worked for Olivetti. If you know something about the history of design you will be aware that Olivetti was one of the most prestigious companies in Italy and the world thanks to projects by Bellini, Sottsass and Nizzoli in the 1950s and 1960s. Perhaps some of the understanding of design was handed down to me because my father came into contact with it.

You are an autodidact. Do you have a message for young designers?

My way of self-education was a long one, and I can’t recommend it. But I think that it is important to never separate school education from authentic, inner maturity.

You are clearly focused on Italian design. What will the future bring, in your opinion?

On the international stage, Italian design will always play a central role thanks to its permeability, its flexibility and its capacity of welcoming foreign talents. Without waving the flag pointlessly and anachronistically.

Giulio Iacchetti

Since 1992, Italian Giulio Iacchetti (born 1966 in Milan) has worked as a product designer. Many of his designs were created in co-operation with Matteo Ragni. Among his clients are Italian companies like Alessi, Artemide, Ceramiche Refin, Danese, Fontana Arte, Foscarini, Magis, Moleskine and Pandora Design.

www.giulioiacchetti.com

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