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Objektreportage mit Video: Besuch im 'Smart Office' von Sedus Stoll AG

Büro der Zukunft

In Dogern am Hochrhein hat die Firma Sedus Stoll AG ihr „Smart Office“ bezogen. Die Bürobereiche zeigen als „Living Showroom“, wie das Büro der Zukunft aussehen könnte. Die wichtigste Perspektive: Die Büromöbel verbinden sich mit dem Internet of Things.

Autor Hubertus Adam

Ein Auftraggeber mit Geschichte

Der aus Bad Cannstatt stammende Albert Stoll gründete 1871 eine Möbelfabrik in Waldshut, wo er Bugholzstühle nach dem Thonet-Verfahren herstellen ließ. Der Firmenstandort am Hochrhein war bewusst gewählt: Der Schwarzwald bot die nötigen Holzreserven, Arbeitskräfte gab es in ausreichender Zahl und überdies war Waldshut gut an das Eisenbahnnetz angeschlossen – auch an das der Schweiz, wo bald ein Zweigwerk entstand.

Firmenhistorie

Die Firma expandierte schnell, doch der eigentliche Durchbruch gelang erst 1926 mit dem ersten gefederten Drehstuhl, der das Sitzen am Arbeitsplatz revolutionieren sollte. Ergonomie wurde seither zum Schlüsselbegriff des Unternehmens Sedus Stoll, das 1995 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde.

2002 schloss sie sich mit der auf Bürosystemmöbel spezialisierten Firma Gesika (seit 2008 Sedus Systems GmbH) im ostwestfälischen Geseke zusammen, sodass die Produktion von Bürostühlen und Schreibtischen zusammenkamen und Sedus zu einem Komplettanbieter für Büromöbel avancierte.

Büro der Zukunft
Links das aufgedoppelte zweigeschossige „Smart Office,“ rechts das 2003 fertiggestellte Hochregallager von Sauerbruch Hutton, dessen Farbmosaik die aktuelle Firmen-CI bestimmt. Foto: Sedus Stoll AG

Verschiebung des Einrichtungsbudgets

Doch für Bürostühle, Schreibtische und etwas Aktenschränke zu sorgen, reicht längst nicht mehr aus, wenn es um die Neukonzeption eines Büros geht. Seien um das Jahr 2000 herum noch 4000 Mark für die Einrichtung eines individuellen Arbeitsplatzes ausgegeben worden, so stünden dafür heute durchschnittlich gerade einmal 800 bis 900 Euro zur Verfügung, erklärt Ernst Holzapfel, Head of Marketing.

Mindestens genauso viel aber werde für die immer wichtiger werdenden Gemeinschaftsbereiche, für Konferenzräume und für digitale Tools investiert. Wie das Büro der Zukunft aussehen kann, zeigt das im April 2019 bezogene „Sedus Smart Office“ am Standort Dogern, vier Kilometer von Waldshut entfernt.

Neue Büroräume für die Verwaltung

1969, als sich Platznot im Stammwerk abzeichnete, erwarb der damalige Firmeninhaber ein großes Gelände in der Nachbargemeinde Dogern. Sukzessive wurde die Produktion an den neuen Standort verlagert, der insbesondere durch das 2003 fertiggestellte Hochregallager von Sauerbruch Hutton mit seinem bunten Farbmosaik bekannt wurde.

Büro der Zukunft
Die Büroplanung entwickelt sich stark hin zu offenen, flexibel nutzbaren Zonen. Hier entsteht Kreativität. Im Zentrum: die Café-Bar. Foto: Sedus Stoll AG

Mit dem „Sedus Smart Office“ ist nun auch die Verwaltung nach Dogern übergesiedelt – ungefähr 100 Mitarbeitende zehn verschiedener Organisationseinheiten, darunter Entwicklung, Marketing und Vertrieb, bezogen das Büro der Zukunft.

Inszeniert wurden die Büroräume bewusst nicht als spektakuläre architektonische Ikone; Platz gefunden hat das zweigeschossige Bürovolumen vielmehr im Rahmen eines schon bestehenden Gebäudes, und zwar als Aufstockung über einer Produktionshalle.

Das Büro ist über der auf der zum Firmengelände hin rechteckigen, gegenüber zur Landschaft hin geschwungen begrenzten Fläche auf zwei Geschossen organisiert, wobei die obere Ebene als Galerie die Mitte freilässt.

Büro der Zukunft
Bewusst hat man sich beim Büro der Zukunft gegen totales Flex-Working entschieden: Es gibt also feste Arbeitsplätze auf beiden Geschossen entlang der Fenster. Foto: Sedus Stoll AG

Offene Arbeitszonen bringen Mitarbeiter zusammen

Alle fixen Arbeitsplätze sind entlang der Fenster angeordnet und weitestgehend als offene Zonen ausgebildet. In die räumliche Disposition flossen dabei die Wünsche der Mitarbeitenden entscheidend ein, die durch Befragungen akribisch erhoben und in Workshops analysiert wurden. Dabei ging es nicht nur um die Verteilung der bislang in räumlich getrennt untergebrachten Abteilungen, sondern auch um die individuellen Wünsche hinsichtlich räumlicher Nähe, Konzentration oder Kommunikation.

Farbcodierung der Büroräume

Auch die Farbe ließ sich wählen; Sedus hat hierzu ein System aus vier Farbwelten (Smart Balance, Urban Living, Soft Being, Multi Creation) entwickelt, die sich jeweils nach vier Funktionsparametern differenzieren lassen (Contemplation, Concentration, Communication, Collaboration).

Büro der Zukunft
Es gibt eine durchgängige offene Bürolandschaft, aber auch verglaste Einheiten. Foto: Sedus Stoll AG

Gläserne Besprechungsräume für fokussiertes Arbeiten und Telefonate

Sedus sieht die Zukunft des Büros nicht im entweder – oder, sondern im sowohl – als auch. Es gibt eine durchgängige offene Bürolandschaft, aber auch verglaste Büroräume (etwa für die Geschäfsleitung) und die hausintern entwickelten und in drei Größen vorhandenen „Cubes“, gläserne Raumzellen, in die sich die Mitarbeitenden für längere Telefonate oder für Besprechungen zurückziehen können. Die „Cubes“ sind hydraulisch gelagert und können bei Bedarf mit geringem Aufwand verschoben werden.

Feste Arbeitsplätze versus Begegnungsflächen

Das sowohl – als auch betrifft aber auch das allgemeine Arbeitsplatzkonzept. Bewusst hat man sich beim Büro der Zukunft gegen totales Flex-Working entschieden: Es gibt also feste Arbeitsplätze auf beiden Geschossen entlang der Fenster – aber auch die mit ganz unterschiedlichen Sitzgelegenheiten und Loungemöbeln samt Café-Bar sowie einem ruhigen Bibliotheksraum an der Seite ausgestattete offene Zone im Zentrum.

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Der entscheidende Schritt, den Sedus mit dem Smart Office-Konzept vollzieht, ist die Verbindung von Hardware und Software. Foto: Sedus Stoll AG

Bluetooth-verknüpfte Bürostühle

Diese kann von Mitarbeitenden, denen nach zeitweiligem Ortswechsel zumute ist, ebenso genutzt werden wie von Außendienstmitarbeitern oder Gästen. In dieser Zone kamen die hauseigenen  Bürostühle ‚se:connects‘ zum Einsatz. Sie sind hier mit Bluetooth-Sensoren ausgestattet, die über die Auslastung und Attraktivität der Arbeitsumgebung Auskunft geben: wertvolle Informationen für das Facility Management.

Natürlich geht es bei Systemen wie diesen um räumliche Effizienz, aber eben auch um Arbeitsplatzzufriedenheit und Motivation.

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Lockerer Caféhaus-Look, aber ergonomisch perfekt. Foto: Sedus Stoll AG

Büro der Zukunft: Physisch und digital

Der entscheidende Schritt, den der Büromöbelhersteller mit dem Smart Office-Konzept vollzieht, ist die Verbindung von Hardware und Software, also zwischen Büromöbeln und dem Internet of Things. Gerade hier sieht man Wachstumspotenziale, und das neue Büro ist nicht nur ein Experimentalraum, in dem Konzepte 1:1 erprobt werden können, sondern zugleich ein „Living Office“, ein Showroom für die Kunden.

Mithilfe von Apps, die gemeinsam mit dem österreichischen Unternehmen Kapsch entwickelt wurden, lassen sich Besprechungsräume reservieren, Lichtstimmungen verändern, Videokonferenzen beginnen oder smart boards – sozusagen digitale Flipcharts – aktivieren.

Büro der Zukunft
Jeder einzelne Arbeitsplatz hat seine eigene Farbgestaltung. Foto: Sedus Stoll AG

Mülleimer sind übrigens an den Arbeitsplätzen nicht zu finden. Nicht etwa, weil man hier an das papierlose Büro glauben würde, sondern weil der Gang zum Papierkorb oder zu den ebenfalls zentralisierten Druckern die Mitarbeitenden dazu zwingt, monotones Sitzen zu vermeiden.

Nur ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, so erklärt Ernst Holzapfel, führe zum Büro der Zukunft: Natur, Architektur, Licht, Akustik, Farben, Technologie. Dass es natürlich auch ergonomisch perfekter Ausstattung bedarf, ist in Dogern eine Selbstverständlichkeit.

Fakten

Projekt: Büro der Zukunft – Smart Office der Firma Sedus Stoll

Standort:

Architekt: Moser Architekten, Lörrach, www.moser-architekten.de

Planung und Ausführung: Fachplanung durch mehr als 10 verschiedene Ingenieur- und Architekturbüros, Ausführung durch insgesamt 35 Fachfirmen der verschiedenen Gewerke.

Anzahl Arbeitsplätze: 97 feste Arbeitsplätze und 34 frei nutzbare Wechselarbeitsplätze

Soft Facts: Für die Mitarbeiter besteht ein umfangreiches Sport- und Freizeitangebot im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagments. Sie erhalten ein vollwertiges Mittagessen in der Kantine, kostenlose Gemüsebrühe und Äpfel

Produkte Beleuchtung: Showroom ‚Mesh‘ von Luceplan; Sedus Smart Office ‚Ringo Star Ringleuchte‘ von Lightnet Group; Pendelleuchten ‚Silenzio‘ von Luceplan; Deckenanbauleuchten ‚Solo slim‘ von Regent; Strahler ‚PAR‘ von Martin; Deckeneinbauleuchten Kino ‚Slotlight‘ von Zumtobel; Kino ‚Magic‘ von Prolicht; Museumsgallerie zentraler Bereich ‚Panos Infinity‘ von Zumtobel

Bausumme inkl. Zugangsbereich, Kino, Aussenanlage: 13 526 000 €

Besonderheiten: Verbindung von Hardware und Software, also zwischen Möbeln und dem Internet of Things. Ergebnisbeteiligung für alle Sedus Mitarbeiter.

Publikation: Das Farbkochbuch von Sedus erläutert die vier Farbwelten (Smart Balance, Urban Living, Soft Being, Multi Creation)

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