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Marlieke Van Rossum im Portrait

Verlegerin hochwertiger Möbel
Marlieke Van Rossum

Dass Marlieke eines Tages die Nachfolge des Familienunternehmens Van Rossum antreten würde, zeichnete sich schon sehr früh ab. Als Kind und Teenagerin verbrachte sie viel Zeit in der Werkstatt. Massive Eiche ist bis heute Kern der Marke.

Autor Oliver Herwig

Wie sie ihre Stücke beschreiben soll? Als „Antiquität der Zukunft“, findet Marlieke Van Rossum. Massive Eiche. Hinzu kommen Bronze, Eisen und Marmor: Materialien wie für die Ewigkeit.

Marlieke Van Rossum
Foto: Winter Vandenbrink

Die niederländische Verlegerin hochwertiger Möbel ist keine ausgebildete Designerin. Auch nicht Schreinermeisterin. Die Eltern wollten, dass ihre Tochter etwas „Vernünftiges“ lernt, bevor sie den Familienbetrieb in Bergharen übernimmt.

Also schloss Marlieke Van Rossum ein Studium in Marketing und Management ab. Alles andere brachte sie ja ohnehin mit: Die Liebe zum Holz, das Wissen um seine Verarbeitung und das Verständnis, wie richtig mit dem Material umzugehen ist.

Bereits als Kind verbrachte Marlieke viel Zeit in der Werkstatt des Vaters, der traditionelle Möbel fertigte. Schränke, Tische und Vitrinen aus massiver Eiche, Reproduktionen im französischen und englischen Stil, Traditionsstücke, für die es einen Markt in ganz Europa gab.

Französische Eiche. was sonst!

Die Jugendliche begleitete den Vater zu Lieferanten und Händlern und auch zum eigenen Sägewerk im Elsass, dorthin, wo über 50 Jahre alte Stämme zerlegt und aufbereitet wurden.

Französische Eiche, das ist bis heute Kern der Marke Van Rossum, auch wenn sich der Stil seit den Anfängen im Jahr 1975 deutlich verändert hat.

Van Rossum Werkstattg
Foto: Van Rossum

Inzwischen steht die Firma zwar immer noch für massive, maßgefertigte Möbel aus Holz, aber diese sind geradlinig wie ein Sägeblatt.

Alles Historistische ist verschwunden. Stücke wie der ‚Beam Table‘ aus zwei Halbkreisen als Füße samt einer abgeschrägten Tischplatte oder das ‚Greep Cabinet‘ – schlank, hochaufragend und auf einem filigranen Metallgestell – prägen das Erscheinungsbild.

‚Pukalu Table‘
 Foto: Van Rossum

Dazu kommen Stücke mit De-Stijl-Anklängen wie die ‚Kitale Console‘ von Xavier Dohr und Solitäre, die ins Skulpturale gehen wie der ‚Pukalu Table‘: eine schwebende, weiß geschlämmte Tischplatte auf einem zentralen Aluminiumfuß, der wie ein Elefantenbein geformt ist.

Liebe zum Material

Die Kollektion lebt von der Liebe zum Material und von wechselnd filigranen und kraftvollen Elementen. Manche Stücke sind regelrechte Skulpturen wie der ‚Adjacencies rectangular coffee table‘ von Case Design.

Er spielt mit der Wucht massiver Eiche. Die Stämme wurden einseitig abgerundet beziehungsweise abgekantet und dann um 90 Grad gedreht, sodass Kanten und runde Flächen aufeinandertreffen. Beste Minimal Art.

‚Kops Dining Table‘
Foto: Van Rossum

Mittendrin: Marliekes Entwürfe. Mit dem ‚Kops Dining Table‘ fing alles an, ein großer Esstisch im Butcher’s Block Style, entstanden 1996. Eine fast prototypische Designgeschichte.

Lange schon hatte Marlieke die makellose Fügung von Hirnholz zu einem Metzgerblock fasziniert, und als sie eine solche Partie von einem insolventen Kunden günstig erwerben konnte, schlug sie zu und überredete ihren Vater, etwas Neuartiges zu wagen: einen großen Esstisch in der Optik eines Metzgerblocks. Ihr erstes Stück ist inzwischen ein Klassiker, der immer noch nachgefragt wird.

Design als Summe langer Beobachtung und der Kunst, die richtigen Schlüsse zu ziehen. „Es geht nicht um das richtige Diplom“, sagt Marlieke. „Vielversprechende Leute haben die richtigen Zertifikate, erfolgreiche Leute die richtige Einstellung.“

Ein Satz wie aus einem Lehrbuch. Aber das zeichnet die Verlegerin aus: klare Meinungen, verpackt in angenehmer Form.

Holz braucht Zeit

Zunächst übernahm Marlieke Van Rossum den Vertrieb. Sie besuchte die Kunden und Händler, die bereits ihr Vater auf der Liste hatte. Mit einem Dreh. Statt eben nur Bestellungen aufzunehmen, sah sie genauer hin, was sich verkaufte.

Sie kombinierte das, was sie gesehen hatte mit Anregungen und Details französischer Interior-Magazine und begann Skizzen anzufertigen: Kabinette und Tische. Design entstand bei ihr in dem Augenblick, als Erfahrungswissen, Gespräche und eigene Anschauung verschmolzen.

Was also fasziniert die geborene Quereinsteigerin so sehr an französischer Eiche, dass sie 2010 den elterlichen Betrieb übernahm?

Holz bedeute Zeit, sagt die Verlegerin, und die Eiche sei eben ein heiliger Baum: Die Griechen sahen darin ihre erste Mutter, die Römer errichteten den Jupiter-Tempel nahe einer heiligen Eiche, für die Germanen war sie der Beginn der Welt. Die Kelten sprachen unter solchen Bäumen Recht.

Es spräche einfach so viel für Eiche, ein Holz, das bei Van Rossum aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt.

Marlieke Van Rossum setzt auf Eiche

In Ordnung, aber warum ausschließlich Eiche? Nun, Marlieke Van Rossum traf eine Entscheidung, gleich nachdem sie in den elterlichen Betrieb eingestiegen war: Fokus, Fokus, Fokus. „Nur dann kann man ein Champion werden“, sagt die Marketing-Spezialistin.

‚Adjacencies rectangular coffee table‘
Foto: Van Rossum

Also schmiedete sie das Statement: „Experts in Oak – Oak Experts“ heißt es seit geraumer Zeit. Marlieke Van Rossum ist überzeugt: „Ich möchte, dass wir die Besten sind, wenn es um Eiche geht.“ Alle Stücke werden in den Niederlanden gefertigt – und zwar ausschließlich auf Bestellung.

Das hat den Vorteil, dass viele Entwürfe nach Kundenwunsch angepasst werden können. Zu diesem Kundenkreis zählen unter anderem das Hotel Ritz in San Francisco. In Nordamerika kooperiert Van Rossum mit Avenue Road und hat so Showrooms in Toronto, Vancouver, Miami und auch in New York.

Vom Wesen des Massivholzes

Massiv, manchmal sogar skulptural. Das ist das Erkennungszeichen von Van Rossum. „Richtig“, meint sie,, „die Entwürfe werden voluminös wegen der Beschränktheit des Massivholzes. Und auch skulptural seit 2015, als ich ‚Pukka‘ schuf.“

Wie aber geht es weiter? Und woher nimmt sie ihre Inspiration? „Von fast allem“, sagt Marlieke Van Rossum. „Man sagt, ich habe ein scharfes Auge.“ Das glaubt man sofort, wenn man die Kollektion sieht. Angenehm klar. Als Gestaltungsleitlinie wie als Geschäftsmaxime. Antiquitäten mit Zukunft eben.

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