Krematorium in St Gallen

Würdevolle Atmosphäre

Ein Krematorium ist Ort des Abschieds und sollte Würde und Schutz vermitteln. Dem Architekten Andy Senn ist dies mit dem Neubau des Krematoriums in St. Gallen im Friedhof Feldli gelungen.

Es ist meist ein Zustand emotionaler Anspannung, in der Trauernde ein Krematorium betreten, weshalb der Architektur dieser Gebäude eine schwierige Aufgabe zuteil wird. Sie sollte Würde und Schutz vermitteln und dazu beitragen, dass sich die Hinterbliebenen gut aufgehoben fühlen.

In der Schweiz ist es dem St. Galler Architekten Andy Senn mit dem Neubau des Krematoriums im Friedhof Feldli gelungen, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Neben zeitgemäßen Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter wurde eine würdevolle Atmosphäre geschaffen, in der Angehörige von den Verstorbenen Abschied nehmen können. Zu dieser Atmosphäre tragen auch die dunkelbraunen, in ihrer Farbigkeit variierenden Klinker bei, die sowohl das Gebäude als auch das Flachdach und den in die Höhe ragenden Kamin vollständig bekleiden und einen Dialog zwischen Transparenz, Semitransparenz und Geschlossenheit zeigen.

Klinker als prägender Baustein

Der Neubau des Krematoriums ist nordwestlich der bestehenden Anlage in St. Gallen entstanden. Auf einem L-förmigen Grundriss wurde das geforderte Raumprogramm organisiert. Hier im Friedhof Feldli mit seiner weitläufigen Grünanlage tritt das Gebäude nicht nur durch seine monolithische Form, sondern auch durch seine Klinkerstein-Fassade in Erscheinung.

Licht- und Schattenspiele

Das Mauerwerk ist charakterisiert durch den flämischen Verband, bei dem jeweils ein Läuferziegel und ein Binderziegel miteinander abwechseln. Durch die zusätzliche wechselseitige Verarbeitung des Klinkers entsteht ein harmonisches, gleichzeitig aber auch sehr belebtes Fassadenbild.

Im oberen Bereich des Gebäudes wird der flämische Verband durch einen Zierverband aufgelöst, so dass einzelne Klinker stark hervortreten und eine zusätzliche Struktur erzeugen. Mit dem partiell ausgebildeten Lochmauerwerk entsteht schließlich eine Kombination von Perforation, Ornament und Textur, die eine Ziegeloberfläche mit interessanten Licht- und Schattenspielen hervorruft. Der Neubau, der in großen Teilen auf Fenster verzichtet, mutet auf diese Weise keineswegs verschlossen oder monoton an.

Transparenz, Semitransparenz und Geschlossenheit

Eine offene Kolonade leitet die Besucher geschützt zum Eingang des Krematoriums. Zwischen den Säulen öffnet sich der Raum zur Landschaft und bietet die Möglichkeit, den Blick schweifen zu lassen. Schließlich lenkt eine Wandscheibe aus Lochmauerwerk den Blick und die Bewegung vollends Richtung Eingang. Trotz der klaren Begrenzung des hellen Empfangsraumes kann die Natur des begrünten Innenhofes durch die dünne Trennlinie der raumhohen Fenster präsent nachwirken und eine helle Atmosphäre gewährleisten.

Während in den öffentlich zugänglichen Räumen Sichtmauerwerk vorherrscht, geht dieses im Andachts- und Kultraum partiell zu Lochmauerwerk über, um im Innenraum eine ruhige Stimmung entstehen zu lassen. Die Aufbahrungsräume zeigen sich rundum geschlossen. Die umgrenzenden Mauern bilden hier einen monolithischen Raum mit einer fassbaren und ablesbaren Oberfläche. Materialien wie Terrazzo, Holz und Lehm ergänzen das Sichtmauerwerk in seiner unaufdringlichen und zeitlosen Ausgestaltung.

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Fakten

Projekt: Krematorium

Standort: St. Gallen, Schweiz

Bauherr: Stiftung Krematorium St.Gallen

Bauaufgabe: Neubau

Fertigstellung: Oktober 2016

Grundstücksfläche: 4950 m²

Drittes Geschoss: 2410 m²

Architekt: Andy Senn Architekt, St. Gallen

Bauingenieur: Gruner Wepf AG

Materialien: Klinker von Deppe Backstein-Keramik, Uelsen-Lemke, www.deppe-backstein.de