Hochschule Luzern – Lehrer im Portrait

Peter Schwehr

Das Thema, das ihm heute beruflich besonders am Herzen liegt, zieht sich wie ein roter Faden durch das eigene Leben – die Interdisziplinarität. Peter Schwehr hat sich diversen Disziplinen gewidmet, bevor er bei der Architektur angekommen war.

Autorin Nina Shell

Ein erster beruflicher Jugendtraum Peter Schwehrs bewegte sich in Richtung Feldbiologie, die er allerdings mangels Interesse an Mathematik, Physik oder Statistik schnell wieder aufgab. Der Notfallmedizin galt dann die erste Leidenschaft nach dem Abitur – während der Wartezeit auf einen Studienplatz folgte entsprechend die Ausbildung zum Rettungssanitäter während des Zivildienstes. Der Medizinstudienplatz fiel dann einer frischen Liebe im Ausland zum Opfer, es folgte, dem Wunsch mit den Händen zu arbeiten entsprechend, eine Ausbildung zum Polsterer.

Daraus erwuchs schließlich die Idee, Innenarchitektur zu studieren – „dann dachte ich, damals ohne jegliche Vorprägung oder -kenntnisse, kann ich auch gleich Architektur studieren“, so Peter Schwehr. Eine späte Berufung, bis heute dafür mit anhaltender Leidenschaft gelebt.

Mit einem ganz speziellen Augenmerk: „Mich hat nie die skulpturale Komponente der Architektur interessiert, sondern immer mehr die menschliche und politische Komponente. Für mich ist Architektur Lebensraum – und das Mitwirken und Gestalten an Lebensräumen finde ich extrem spannend.“

Schon während der Studienzeit in Stuttgart arbeitete Peter Schwehr parallel in renommierten Architekturbüros, war an Großprojekten wie dem Stuttgarter Flughafen oder dem Daimler-Stadion beteiligt. „So konnte ich Praxis und Theorie gut miteinander verbinden – beim heutigen verschulten Lehrsystem ist sowas für die Studierenden ja leider kaum mehr möglich.“ Seine Doktorarbeit schrieb er in der beruflichen Pause als Hausmann und damals frisch gebackener Vater – ein Umstand, der seinen Weg seinerzeit in die Schweiz führte. Dort bekam er vor zwölf Jahren die Chance, an der Hochschule in Luzern sein eigenes Institut aufzubauen – das Kompetenzzentrum für Typologie und Planung. Und das sehr erfolgreich: Damals zu zweit, zählt das Institut heute 21 Mitarbeiter.

Die Transformation von Gebäuden und Quartieren ist Hauptthema – „die einzige Konstante ist hier der Wandel, wir glauben nicht an die Wahrheit in der Architektur.

Entsprechend glauben wir auch, dass Architektur nicht lebenslang beständig ist, auch wenn das einige Kollegen vielleicht gern hätten …“ Ein Thema, das gerade in Hinsicht auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen alle angeht. „Wie müssen Gebäude und Städte reagieren, damit sie auch zukünftig Lebensräume mit hoher Qualität sind? Ziel ist Resilienz: Gebäude stehen permanent unter Anpassungsdruck – wir beschäftigen uns mit Lösungen dafür, wie sie diesem Druck begegnen, um gestärkt aus der Entwicklung hervorzugehen – oder auch abgerissen und neu gebaut werden müssen.“ Dabei hätten er und seine Mitarbeiter quasi drei Brillen auf: Die eine für Material und Struktur, die zweite für das Gebäude selbst und die dritte für dessen Umfeld, Quartier und Stadt. Im Institut können alle drei Betrachtungsebenen abgebildet werden, um eine ganzheitliche Ansicht zu erhalten.

Und hier kommt wieder die Interdisziplinarität ins Spiel. Wie er selbst, arbeiten im Institut Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen wie Stadtgeografen oder auch Philosophen. „Alle haben zwei Berufe, das ist mir wichtig, weil man sich dann selbst nicht ganz so wichtig nimmt. Wir wissen, was wir nicht wissen – darum vernetzen wir uns stark und können so aus dem vollen Fundus schöpfen.“ Zwei Chapter sind zuletzt zum Institut hinzugekommen – einer in Zürich, das NEST, wo man sich in erster Linie mit der Veränderung der Arbeitswelten beschäftigt und in Berlin mit dem Schwerpunkt Stadtentwicklung. Hier agiert Schwehr als Honorarprofessor für das Fach Architektur in Standort- und Projektentwicklung.

Das CCTP Luzern kooperiert mit der TU Berlin mit dem Weiterbildungsstudiengang Real Estate Management (REM) und in weiteren längerfristigen Forschungskooperationen.Beim Studium in Luzern sind die Ausbildungsrichtungen zwar natürlich disziplinär ausgerichtet: Innenarchitektur, Architektur, Bautechnik und Gebäudetechnik. Ein Drittel aller Module sind aber bereits interdisziplinär angelegt. So lernen die Studierenden früh, interdisziplinär zu agieren, während sie ihre Kompetenz in der eigenen Disziplin entwickeln. Viele der Studierenden, die in erster Linie aus dem deutschsprachigen Raum nach Luzern kommen, bringen bereits eine Berufsausbildung mit. Peter Schwehr: „Das ist mir in der Lehre das wichtigste: Den Studierenden zu ermöglichen, dass sie mündige und fähige Persönlichkeiten werden, mit einer großen disziplinären Kompetenz und Offenheit gegenüber anderen Disziplinen.“ So können diese im Vorfeld von Forschungsprojekten einiges entwickeln, auch eigene Projekte werden realisiert, wie zuletzt zum Thema Aufwertung des öffentlichen Raums, u. a. mittels Pop-Installationen – „dabei entstanden tolle Sachen!“ Mit seiner Einstellung zum Thema Interdisziplinarität ist davon auszugehen, dass sowohl die Luzerner wie die Berliner Absolventen, die bei Peter Schwehr studiert haben, nicht nur in ihrem jeweiligen Fach, sondern auch in puncto Teamfähigkeit, Netzwerken und konstruktivem Austausch top ausgebildet sind!

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Peter Schwehr ist Gründer und Leiter des Kompetenzzentrums Typologie & Planung in Architektur (CCTP) der Hochschule Luzern. Ebenso wirkt er hier als Professor mit Schwerpunkt Strategische Transformation von Gebäuden und Quartieren sowie Interdisziplinarität im Bauwesen. Parallel lehrt er an der TU Berlin im Masterstudiengang Real Estate Management.


Hochschule Luzern Departement Technik & Architektur

Bachelorstudiengang: Architektur

Studienbeginn: September und Februar

Abschluss: Bachelor of ArtsC/FHZ in Architektur

Dauer: 8 Semester (Vollzeit)

Zulassung: Technische oder gestalterische Berufsmatura (Deutschland: Fachhochschulreife) mit anerkannter einschlägiger Berufsausbildung oder mit einer gymnasialen Matura mit Praktikum.

Lehrende: 80

Im Mittelpunkt des Studiums in Architektur steht das Gebäude als System. Darunter versteht die Hochschule Luzern – Technik & Architektur die Konzeption und das Realisieren ressourcenschonender Bauwerke, welche die Ansprüche und Anforderungen von Mensch und Umwelt heute und morgen erfüllen.

Masterstudiengang: Architektur

Studienbeginn: September und Februar

Abschluss: Master of Arts Hochschule Luzern/FHZ in Architecture

Dauer: 4 Semester (Vollzeit)

Im Master geht es um ein erweitertes Verständnis von Architektur im Spannungsfeld zwischen Technologie und Kontext. Der architektonische Entwurf fokussiert dabei auf die vier Themenfelder Struktur, Energie, Material sowie Umsetzung.

www.hslu.ch

Hochschule Luzern Foto: Hochschule Luzern