Designer Chat

Michael Lammel

Heute Konzepte anbieten, die in drei Jahren den Lifestyle treffen. Designer Michael Lammel denkt in Themenwelten, die das Know-how von globalen Unternehmen in die Zukunft transferieren. Für Europa als Innovationstreiber sieht er schwarz.

Zu Beginn seines Schaffens lebte Designer Michael Lammel über fünf Jahre in Mailand und arbeitete unter anderen für Matteo Thun und Alessandro Mendini. Dem Starkult um einzelne Designer, den er dort erlebt hat, setzt er im eigenen Büro einen anderen Ansatz entgegen: Bei NOA ist die Marke des jeweiligen Kunden der Star.
Lammel umschreibt sein Tun als “Arbeiten in die Zukunft”. Gesellschaftliche Prozesse und technologische Entwicklungen nehmen direkten Einfluss auf seine Produktentwürfe für Wohn- und Arbeitswelten. “Die Trends von morgen sind nicht nur Lösungen, sondern auch Funktionen.” Es ist also nicht allein dem Entwicklungsprozess eines Produkts geschuldet, dass es über Jahre währende partnerschaftliche Zusammenarbeit mit meist großen Herstellern wie Rewe, Franke, Roca, KWC und Hansa gibt. Lammels Ansatz: das Know-how einer Marke in die Zukunft zu transportieren.
So war es auch bei Martin Stoll, einem Tochterunternehmen des schwedischen Büromöbelherstellers Kinnarps. Es ist genau genommen die dritte Begegnung nach einem ersten Treffen mit dem mittlerweile verstorbenen Martin Stoll in den 1990er-Jahren und der ‘Collection Z’ aus dem Jahr 2002. Da er das Unternehmen und dessen Arbeitsweise bereits gut kannte, bat man Michael Lammel, mit Markus Heller die zeitgemäße Interpretation einer Stuhlfamilie für das höhere Management zu entwerfen – die ‘Collection S’. Die qualitativ hochwertige Verarbeitung der Materialien verbunden mit aufwendiger Handarbeit und der in Deutschland ansässigen Produktion machen ‘Collection S’ zu einem exklusiven Produkt, das auf der Orgatec 2016 gelauncht wird.
Informationen über Innovationen und technische Neuerungen erhält Lammel vom Fraunhofer Institut, durch Vorträge, Kongresse und Besuche auf Messen. Reisen dienen ihm besonders als Quelle der Inspiration. Beim Wechsel zwischen den Kontinenten bemängelt er, dass “Europa im Vergleich zu anderen Kontinenten rückwärtsgewandt und selbstgefällig erscheint”. Seine Sorge ist, dass zukünftig Innovationen aus Asien und nicht mehr aus Europa kommen.
“In Asien geht die Post ab”, gibt er zu bedenken. Man könne sich längst nicht mehr auf dem guten Ruf des Labels ‘Made in Germany’ ausruhen. Die Aktivitätslinien für Innovation sehe er in Asien und den USA. Auch deswegen versucht, er global zu denken, und arbeitet mehr an Themenwelten denn an einzelnen Produkten.