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Um- und Neubau von LRO Architekten in München/DE

Um- und Neubau von LRO Architekten in München/DE
Schauspiel der Farben

Während sich die Gebäudehülle des Münchner Volkstheaters in Ziegel hüllt, überraschen die abwechslungsreichen Innenräume. Die Balance zwischen monochrom und bunt, angepasst und außergewöhnlich fußt auf der Planung von Arno Lederer.

Autorin Elena Schauwecker

Gemeinsam mit dem Bauunternehmen Georg Reisch aus Bad Saulgau realisierte das Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten, kurz LRO, den Neubau des Münchner Volkstheaters. Ein besonderes Projekt, das sich harmonisch in die Umgebung im Viehhofareal einbettet und dessen Weg bis Baubeginn bereits eine lange Geschichte hatte. Denn ein europaweiter Wettbewerb musste erst für sich entschieden werden, für den ein tausendseitiges Pflichtenheft als Grundlage diente.

Volkstheater München
Foto: Roland Halbe

Von aussen nach innen

Nähert man sich dem Münchner Volkstheater aus etwas größerer Entfernung an, so nimmt man als Erstes den semitransparenten Bühnenturm wahr, der durch seine Höhe auch noch viele Straßen entfernt sichtbar ist. Ein Torbogen verbindet das Bestandsgebäude mit dem Neubau. Da für den Altbau Ziegel verwendet wurden, lag es nahe, das Material auch für die neue Gebäudehülle auszuwählen.

Will man einen Blick ins Innere erhaschen, so empfiehlt sich der Zugang über die Tumblingerstraße, einmal quer über den Innenhof in Richtung Haupteingang. Erst dann entdeckt man das länglich geformte Foyer. Schon beim Betreten fällt einem die starke Farbgebung ins Auge.

Das Konzept war ein längerer Prozess, so Arno Lederer, LRO: „Wir haben mit dem Intendanten Christian Stückl und der Firma Reisch einen Besuch im Goethehaus in Weimar unternommen, um dort die Wirkung von Farben aufzusaugen. Dann haben wir am Modell und in Visualisierungen Farbstudien gemacht, um dann an Ort und Stelle nochmals mit Mustern die endgültigen Anstriche festzulegen.“

Volkstheater München
Foto: Roland Halbe

Terrakottarot, Taubenblau, Dunkelblau, Lindgrün und ein sonniges Gelb kennzeichnen das Foyer, die Garderobe sowie den Treppenaufgang. Die Spielstätten und alle dazugehörigen Arbeitsräume sowie die Verwaltung wurden dagegen bewusst neutral gehalten. „Das Spannende an der Architektur ist dann gegeben, wenn man die Türe aufmacht und in einen anderen Raum tritt, so wie bei einem Adventskalender,“ erläutert Lederer, LRO. Deshalb ist einer unserer Leitsprüche „Innen ist anders als draußen“.

„Das Farbkonzept wurde im Büro diskutiert und ohne Gremium oder Berater entschieden, weil wir das als wesentlichen Teil des Entwurfskonzeptes sehen und ursächlich als Architektenleistung betrachten. Für eine Festlegung von Farben sind demokratisch besetzte Gremien in der Regel ungeeignet,“ argumentiert der Arno Lederer, LRO die konsequente Auswahl der eingesetzten Töne.

LRO: Gegensätze vereinen

Ein Theater muss per se bereits vielen unterschiedlichen Ansprüchen genügen. Da gibt es den Teil, der für die Zuschauer zugänglich ist, wie das Foyer oder die Zuschauerräume. Sie haben die größte Wahrnehmung nach außen hin. Aber den größten Bestandteil nehmen die Bereiche ein, die der Zuschauer in der Regel gar nicht sieht. Es sei denn, er macht einen Rundgang hinter den Kulissen.

Die Perspektive von der Bühne auf die Zuschauerränge bietet den entgegengesetzten Eindruck und offenbart, wie unglaublich viel Platz für Bühnen- und Lichttechnik notwendig ist und welch wichtige Rolle die abgestimmten Abläufe für den Aufführungsbetrieb haben. Am Beispiel von München vermittelt der große Bühnenturm zumindest von außen einen sichtbaren Eindruck von diesem Volumen.

Gleich drei Bühnen und Platz für 900 Gäste bietet das Haus dem Publikum. Über 300 Räume beherbergen beispielsweise das Lager, die vielen unterschiedlichen Werkstätten von der Schreinerei bis zur Kostümbildnerei sowie die Verwaltung. Eröffnet wurde das neue Volkstheater im Oktober vergangenen Jahres mit einer Interpretation von Edward dem Zweiten.

Die Räumlichkeiten bieten nun ausreichend Platz. Hat das Münchner Volkstheater seit Jahren einen guten Ruf als Talentschmiede, war es als Spielstätte in der Vergangenheit alles andere als geeignet. Für jede Aufführung mussten die Kulissen aus dem entfernten Lager neu angeliefert werden. Als zudem die Mietverträge nicht verlängert wurden, fiel schließlich die Entscheidung für den Neubau.

Das Wunder von München

Für viele Kritiker nahezu unglaublich ist die Tatsache, dass sich sowohl die Bauzeit von knapp drei Jahren als auch die Kosten von rund 131 Mio. Euro im Rahmen gehalten haben. Keine Verzögerungen oder Kostenexplosionen und das, obwohl ein Großteil der Bauphase in die Coronapandemie fiel. Aber denken wir auch zurück an die umfangreiche Leistungsbeschreibung, die Teil des Wettbewerbs war.

Volkstheater München
Foto: Roland Halbe

Der Neubau war komplett durchgetaktet und durchgeplant und beinhaltete viele bauliche Vorgaben, wie etwa die Integrierung eines denkmalgeschützten Bestands auf dem Gelände des ehemaligen Schlacht- und Viehhofs. Keine Möglichkeit für Spielraum, sollte man annehmen.

„So einen engen Zeitplan kann man nur dann einhalten, wenn das Team hinter einem funktioniert,“ beschreibt Wolfgang Müller, Geschäftsführer bei Georg Reisch, die knappe Bauzeit von zweieinhalb Jahren. „Unser Vorteil war, dass wir mit einer Mannschaft angetreten sind, die sich seit vielen Jahren kennt und bereits viele Projekte gemeinsam realisiert hat. Denn so weiß jeder um die Stärken und Schwächen des Einzelnen.“

Auch die Zusammenarbeit zwischen der Georg Reisch GmbH und den Architekten von LRO hat sich in der Vergangenheit bereits bewährt. Bei der Umsetzung zeigte sich außerdem, dass Zuverlässigkeit und das Einhalten von Richtlinien nicht im Gegensatz zur Kreativität stehen müssen.

Klares Statement

Das Konzept hat es geschafft, trotz so vieler Vorgaben einen eigenen Fußabdruck zu hinterlassen. Und das ist in den Innenräumen vor allem durch Form und Farbe gelungen. Die Auswahl an sanften und dennoch wirkungsvollen Tönen schafft im Foyer eine einladende Atmosphäre, in der sich alle Zuschauer sofort abgeholt fühlen. Sie tut dasselbe wie die Schauspieler auf der Bühne: Sie zieht das Publikum in ihren Bann.

 

Weitere Öffentliche Bauten


Die Architekten Marc Oei, Arno Lederer und Jórunn Ragnarsdóttir (v.l.)

gründeten ihr Büro 1979 in Stuttgart. Mit 50 Mitarbeitern realisieren sie vielfältige Projekte. LRO erfinden Architektur jedoch nicht zwanghaft neu. Vielmehr versuchen sie aus der langen Geschichte des Bauens zu lernen – ohne dabei einem Historismus zu verfallen.


FAKTEN

Projekt: Münchner Volkstheater

Standort: Tumblingerstraße 27, 80337 München

 

Bauaufgabe: Erweiterungsgebäude/Sanierung

Bauherr: Landeshauptstadt München, Kommunalreferat vertreten durch das Baureferat

Architektur: LRO Architekten

Fertigstellung: 2021

Nutzfläche: 24 432 m²

Aluminiumtüren: Schüco

Holztüren: Schörghuber

Tür- und Fenstergriffe: FSB

Wandfarben Foyer: Keim, Les Couleurs

Klinker: über Backsteinkontor

Schalter: Jung

Membranfassade Bühnenturm: Koch Membranen

Streckmetall: Rau Streckgitter

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