Designer Chat

Wolfgang Hartauer

Worte wie Glück und Erfüllung fallen, wenn der Tischler und studierte Architekt Wolfgang Hartauer von seiner Arbeit als Industriedesigner spricht. Kunst ist ihm Inspiration und eine ständige Wegbegleiterin.

Interview Katharina Feuer

Sie haben Architektur studiert. Warum arbeiten Sie nicht als Architekt?

Sagen wir mal so, ich habe den Maßstab nach unten korrigiert. Es ist erfüllend, am Ende des Tages zu sehen, was man gemacht hat. Eins zu eins. Das gestaltet sich in der Architektur schwierig. Ich empfand es sogar als frustrierend.

Was haben Sie denn gemacht?

Ich war direkt nach dem Studium als Bauleiter tätig. Ich kam mir vor wie das Kindermädchen für Erwachsene. Das war null kreativ.

Haben Sie die Notbremse gezogen?

Ich glaube, es war der falsche Einstieg in einem eher spröden Bereich der Architektur. Mein Wunsch nach dieser abstrakten Phase war es, konkreter zu werden. Mit einem befreundeten Schreiner habe ich Projekte geplant und umgesetzt. Erst in München …

… und dann in Freiburg.

Genau. Aber Freiburg war meiner Frau und mir schnell zu klein, also sind wir nach Holzminden gezogen. (lacht)

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit ihren Kunden Tecta und Alape?

Meine Idee, eine Tischablage aus Aluminium, habe ich zuerst direkt vermarktet, dann aber schnell gemerkt, dass die Zeit fehlt, um Produktion, Vertrieb, Marketing und was sonst noch dran hängt, allein zu bewältigen. Bei Tecta hat der Zufall nachgeholfen. Auf Alape bin ich zugegangen. Und natürlich hatte ich auch Glück, dass die Zusammenarbeit zustande kam.

Glück?

Ja, Glück. Ich kenne viele talentierte Designer, die keinen passenden Hersteller und Vertriebspartner finden.

Also ist es ihrer Meinung nach nicht nur Können, sondern auch Glück, wenn es zum Auftrag kommt?

Tatsächlich, ja. Wahrgenommen zu werden und einen Fuß in die Tür zu bekommen, um seine Entwürfe zu präsentieren, bedarf eines Quäntchens Glück. Es wäre fatal, sofort an der Qualität seines Entwurfs zu zweifeln, bloß weil man an einer vorgeschalteten Instanz scheitert. Es ist nicht nur Glück, … man braucht auch einen Fürsprecher.

Alape liegt nur eine Fahrstunde von Ihnen entfernt. War das der Grund, das Unternehmen anzusprechen?

Für bestimmte Produkte kommen nur bestimmte Firmen infrage. Sicherlich ist die Nähe ein riesiger Vorteil. Trotz Skype und Facetime. Ich bin oft ins Werk gefahren, um die Entwicklung des Prototypen von ‚Assist‘ zur Serienreife zu begleiten und seine Funktionstauglichkeit zu überprüfen.

Ihre ‚Meterware‘ für Tecta hat mich an das Ablagesystem ‚Assist‘ für Alape erinnert.

Es ist insofern ähnlich, als ein Profil aus Alumiunium jeweils die Grundlage für die Systeme darstellt. Eine abgewandelte Geometrie, Details und Materialien wie Holz, Marmor oder Filz machen den Unterschied aus.

Am Anfang eines Entwurfsprozesses steht für Sie was?

Ein Alltagsproblem, eine archetypische Problemstellung, auf die man eine möglichst einfache Antwort sucht. Wie kann ich viele kleinteilige Dinge, die man im Bad benötigt, formschön und einfach unterbringen?

Und ihre Antwort ist?

Das Ablagesystem ‚Assist‘: verspielt und zugleich streng in seiner Geometrie, veränderbar, verschiebbar.

Es ist auffallend reduziert.

Reduktion ist mein Thema. Reduktion ist wie ein Korsett – im positiven Sinne – für einen innerlich ungeordneten Menschen wie mich. Dieser vermeintlichen Einfachheit will ich in meinen Entwürfen folgen.

Seit vier Jahren arbeiten Sie als selbstständiger Designer in der, wie Sie selbst sagen, niedersächsischen Pampa. Hat das Vorteile?

Auf jeden Fall. Ich bin nicht ein Designer von vielen wie beispielsweise in Berlin. Immobilien sind günstiger. Mein Büro befindet sich in einer alten Metzgerei.

Und die Nachteile des Landlebens?

Das Netzwerken ist schwieriger. Interessante Ausstellungen in Berlin, München oder Hamburg liegen nicht um die Ecke, dabei ist mir Kunst sehr wichtig. Und: Ich muss meinen Kaffee selbst kochen!

Haben Sie Vorbilder?

Vorbilder können sich verändern. Im Moment ist es Pierre Charpin. Andere bleiben ein Leben lang wie Donald Judd, Max Bill und Alf Lechner.

Donald Judd ist mehr Künstler, weniger Designer.

Das stimmt, dennoch ist der Grat schmal. Das Thema Kunst begleitet mich seit Studientagen. Es ist für mich erfüllend, wenn ein Funktionsgegenstand auch zeichenhaft ist. Mein Ziel ist es, diesen Teil meiner Arbeit zu vergrößern. Kunst gibt mir Kraft!

Wolfgang Hartauer, vielen Dank für das Gespräch!

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