Interview

Anton Falkeis & Cornelia Falkeis-Senn

Das futuristische Wohnhaus ‚active energy building‘, geplant von den Architekten Anton Falkeis und Cornelia Falkeis-Senne, produziert mehr Energie, als es selbst verbraucht. Es ist in vielerlei Hinsicht der Prototyp eines nachhaltigen Gebäudes.

Interview Rolf Mauer

Büro: falkeis²architects, Anton Falkeis & Cornelia Falkeis-Senn

Standort: Wien, Vaduz

Inhaber: Anton Falkeis & Cornelia Falkeis-Senn

Gründungsjahr: 1988

Arbeitsgebiete: Architektur, Design, Urban Design

Webseite der Architekten

Wie finden Sie Inspiration?

Anton Falkeis & Cornelia Falkeis-Senn: Insbesondere in der Natur, jedoch nicht im Sinne von Imitation, sondern in der Analyse von Entwicklungsprozessen und strategischen Vorgängen. Aus diesen Analysen haben wir einige Tools entwickelt, die im Entwurfsprozess eingesetzt werden. Learning from Nature:

“Solar Erosion“ als Entwicklungstool zur Optimierung der Baumassenverteilung analog zur Maximierung der Solarstrahlung, iterativer Prozesse für die Tragwerksentwicklung und Stützenoptimierung (growth analogy / genetische Algorithmen), Aggregation von Zellen für die Entwicklung der Voronoi Struktur.

Welches Projekt war für die Entwicklung des Büros das wichtigste – und warum?

Anton Falkeis & Cornelia Falkeis-Senn: Insbesondere unsere forschungsbasierten Projekte wie das “active energy building“ (gebäudeintegrierte Energietechnik, Tragwerk, Textilfassade), “Connecting Link“ (biologische Wachstumsprozesse zur Entwicklung von optimierten Tragstrukturen), “Giant Instrument“ (bewegliche Architektur) und “Mauthausen Memorial“ (3D-Beschallungssystem zur Raumsimulation).

Einen weiteren Schwerpunkt bilden Gebäude im historischen Kontext wie “Curhaus am Stephansplatz“, “Universität für Angewandte Kunst Wien“ oder “Museum Dokumentationsarchiv Österreichischer Widerstand“.

Ein Statement zum Projekt ‚active energy building‘.

Anton Falkeis & Cornelia Falkeis-Senn: Das forschungsbasierte Projekt geht von einem umfassenden Nachhaltigkeitsbegriff aus, der die gesamte Gebäudestruktur betrachtet und in seiner Eigenlogik formgenerierend wirkt. Dies gilt sowohl für die Ausformulierung des Baukörpers als auch für die Konstruktion des Tragwerks; von der Entwicklung der Energietechnik bis hin zur Gestaltung der Innenräume.

Im Bereich der Bautechnik und Gebäudekonstruktion wird Nachhaltigkeit über die Adaptabilität des Gebäudes definiert. Über die gesamte Nutzungsdauer des Gebäudes sollte eine höchstmögliche Grundriss-Flexibilität gewährleistet sein. Für Umbauten sollten alle Optionen offengehalten werden, um neue Raumprogramme realisieren zu können, ohne die tragenden Strukturen zu beeinträchtigen.

Im Bereich der Energie- und Gebäudetechnik wird Nachhaltigkeit über die ausschließliche Verwendung von erneuerbaren Energieformen und der Umsetzung eines energieautonomen Gebäudes definiert, das aber auch einen aktiven Versorgungsknoten eines Gebäudeverbundes in einem Energy Cluster darstellt.

Factsheet

Projekt: active energy Building

Standort: Gerberweg 1, 9490 Vaduz

Bauherr: Dr. Peter & Renate Marxer

Bauaufgabe: Appartement Wohnhaus

Fertigstellung: Ende 2017

Geschosse: E+4

Nutzfläche: ca. 3.200 m²

Materialien (Decke, Wand, Boden): Hoteltüren / Beschläge: Häfele; Stühle: Brunner; Lichtschalter: Jung; WC Keramik: VitrA; Teppich: Forbo; Dachabdeckung: Alwitra; Brandschutztüren: Hörmann;

Beleuchtung: Zumtobel

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