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Die Suche nach dem goldenen Weg

digitalBAU 2020 - eine Einordnung
Die Suche nach dem goldenen Weg

Schwungvoller Auftakt der digitalBAU in Köln – Neues Messeformat zeigt und diskutiert Vielzahl von Ansätzen zur Digitalisierung der Baubranche.

Autor: Jörg Zimmermann

Das Thema Digitalisierung bewegt die Baubranche. Das legen zumindest die Zahlen der ersten Ausgabe der Messe digitalBAU nahe. Gut 270 Aussteller konnten die Messe München und der Bundesverband Bausoftware e. V. als Veranstalter für das neue Format gewinnen, rund 10 000 Besucher nahmen während der dreitägigen Veranstaltung das Angebot in Köln wahr.

Bewusst hatten sich die Messemacher aus Bayern für den Standort am Rhein als ein ergänzendes Angebot zur traditionellen BAU entschieden.

Inhaltlicher Anspruch der digitalBAU ist, aktuelle Fragestellungen zur Digitalisierung im Bauprozess aufzugreifen und zu diskutieren. Denn Information und Austausch dazu scheinen bei den Akteuren – Architekten, Innenarchitekten, Immobilienentwickler und Handwerk – dringend notwendig und erwünscht.

Veränderungen nur langsam

„Die Branche tut sich schwer mit Veränderungsprozessen“, bestätigt Michael Fritz, Geschäftsführer des Bundesverband Bausoftware. „Dabei kann Digitalisierung nur erfolgreich sein, wenn alle Player an einem Strang ziehen.“

In der Praxis läuft dies auf eine Verstärkung des Austausches der unterschiedlichen Arbeitsfelder, aber auch auf die Fragestellung nach den digitalen Optionen im ureigenen Arbeitsfeld hinaus.

Zum Beispiel in der ausführenden Gewerken: Digitale Lösungen wie eine Erfassung der Arbeitszeiten auf der Baustelle, eine damit verbundene Ressourcen-Planung und eine anschließende betriebliche Auswertung sind zwar vorhanden, doch in einer Großzahl von Betrieben noch nicht angekommen.

Digitalisierung der Prozesse

Bei den Architekten, Innenarchitekten und Planern sieht die Situation anders aus. Entworfen und geplant wird seit Zeiten per CAD, in vielen Büros ist das Arbeiten mit 3D-Modellen gängige Praxis.

Hier lauern Schwierigkeiten, aber auch die Chancen in den Bereichen Visualisierung und Kommunikation ebenso wie beim Austausch von Daten mit dem Ziel, den Planungsprozess zu vereinfachen, zu beschleunigen und damit effizienter zu machen.

Die etablierten Software-Hersteller wie Autodesk (AutoCAD) oder Nemetscheck (Allplan) präsentierten auf der digitalBAU ihre unumgänglichen Entwurfs- und Konstruktionsprogramme mit diversen Schnittstellen, aber über einfache Datenstandards hinaus sind die Prozess-Standards bisher wenig definiert.

So waren denn im umfangreichen Rahmenprogramm der Messe gerade die Vorträge und Präsentationen mit praxisorientierten Lösungsansätzen überaus gut besucht.

BIM von der Idee zur Praxis führen

Beim Thema Datenaustausch und Prozessoptimierung kommt unumgänglich der Begriff BIM (Building Information Modeling) ins Spiel. BIM geistert als Idee und digitaler Ansatz bereits seit Jahren durch die Branche. Eine selbstverständliche praktische Nutzung über die gesamte Prozesskette eines Bauprojektes lässt aber weiterhin auf sich warten.

Es geht um die Definition von Standards, um Arbeitshilfen und um Strategien für die Praxis, damit BIM endlich in der Breite Anwendung findet.

Ende Januar ist in Berlin BIM Deutschland an den Start gegangen. Als „nationales Zentrum für die Digitalisierung des Bauwesens“ arbeitet die Einrichtung, die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) gemeinsam betrieben wird, an der Entwicklung einer digitalen Plattform zu BIM, die Inbetriebnahme ist für den Herbst 2020 geplant.

Die dort definierten Standards und Schnittstellen gelten erst mal nur für Bauprojekte auf Bundesebene. Ähnliche Bestrebungen auf anderen Ebenen wären dringend geboten, um ein Wildwuchs von proprietären Schnittstellen zu vermeiden.

Prozess-Standards lassen auf sich warten

Wer hierbei das Heft in die Hand nimmt, ist unklar. Von der technischen Seite drängen einige Software-Startups auf dem Markt. Beispielsweise visoplan aus Berlin, die eine Kommunikationsplattform anbieten, auf der alle Projektbeteiligten ihre vorhandenen 3D-Modelle hochladen, gemeinsam diskutieren und den Entwicklungsprozess mit allen Veränderungen verläßlich dokumentieren können.

Im Bereich Visualisierung rücken VR und AR noch stärker in den Blick. In größeren und fortschrittlicheren Architekturbüros gehören Datenbrillen zur Entwurfsvisualisierung schon zum täglichen Werkzeug, kleinere Unternehmen schieben die notwendigen Investitionen aufgrund unklarer Standards und sich rasch ändernder Technologie hinaus.

VR und AR überzeugen in der Praxis

AR-Anwendungen ermöglichen es, Bestand und Planung zu kombinieren – per Smartphone oder Tablet oder auch über eine Datenbrille, in die das 3D-Modell eingeblendet wird.

Solche Datenbrillen bieten auch einiges Potential in der Bauphase bzw. beim späteren Betrieb des Gebäudes. Statt dem mühsamen Studium von Plänen werden alle relevanten Informationen – bezogen aus den möglichst vollständigen BIM-Daten – bedarfsgerecht eingeblendet.

Für Neubauprojekte stehen alle Möglichkeiten offen, vom Beginn des Prozesses mittels BIM an einen „digitalen Zwilling“ des Bauwerks zu schaffen, der von Architekten genauso genutzt wird wie von den Innenarchitekten, von den technischen Planern ebenso wie von den Handwerkern.

Auch für Arbeiten im Bestand sind mittlerweile Lösungen marktreif, um bestehende Bauten zu erfassen und automatisiert in ein digitales Modell zu überführen. So reichen der Firma LocLab bereits Fotos, Videosequenzen und wenige Referenzmaße von Gebäuden aus, um daraus valide 3D-Modelle zu generieren.

Fazit zur digitalBAU

Das Interesse an der Digitalisierung in der Baubranche ist groß. Die Umsetzung in der Praxis lässt aber in der Breite noch auf sich warten. Etablierte Prozesse müssen vor dem Hintergrund digitaler Möglichkeiten neu gedacht werden. BIM ist dabei nicht die Lösung, sondern nur ein Baustein.

Webseite der Messe

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