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Steigt mit der Digitalisierung die Leistungsfähigkeit im Büro?

Kognitive Systeme

Kognitive Systeme
Im Einsatz von Künstlicher Intelligenz stecken viele Möglichkeiten für die Arbeitswelt Büro. Unternehmen erkennen enorme Herausforderungen, aber auch Chancen. Experten erwarten eine Entwicklung in mehreren Stufen.

Autoren Gabriele Benitz/Jörg Zimmermann

Schöne neue Welt im Büro: In Zukunft sind wir nicht mehr auf uns allein gestellt. Unser Arbeitsplatz denkt mit. Automatisch passen sich der Schreibtisch und sein Umfeld der aktuellen Aufgabe an. Das Licht wohldosiert, die Temperatur auf angenehmem Niveau, die Arbeitsfläche auf der ergonomisch korrekten Höhe und eingehende Telefonate und E-Mails automatisch blockiert. So lässt sich konzentriert arbeiten und die Leistung am Schreibtisch erreicht Höchstniveau.

„Kognitive Arbeitsplätze“ nennen Experten solche Umgebungen, die auf jeweils individuelle Anforderungen intelligent reagieren. Mit heutigen Standardarbeitsplätzen haben sie nur noch wenig gemein, denn die Zukunft wird auch im Büro durch und durch digital. Diskutiert werden für den digitalen Wandel drei Entwicklungsphasen: Automation beziehungsweise Algorithmen, Augmentation und Autonomy.

Wandel in drei Entwicklungsphasen

Für Professor Oliver Riedel, Institutsleiter im Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, vollzieht sich der Einsatz kognitiver Systeme stufenweise. „Algorithmen“ automatisieren einfache Aufgaben und Prozesse und analysieren unstrukturierte Daten. Als Beispiel führt er das Übersetzen von Texten an und die Erkennung von Betrugsversuchen bei Versicherungsfällen.

Mit „Augmentation“ bezeichnet Prof. Riedel die zweite Entwicklungsphase, im Sinne von dynamischer Interaktion mit der Technologie. Sie zielt auf Entscheidungsfindung und Automatisierung in flexiblen und komplexen Umgebungen. Beispiele sind parametrische Design- und Planungstools wie KI-CAD und die oben beschriebenen kognitiven Arbeitsplätze.

Unter dem Stichwort „Autonomie“ läuft die dritte Stufe. Ihre Kennzeichen sind Automatisierung von physischer Arbeit und menschlichen Fähigkeiten sowie Aktionen in kom- plexen Umgebungen mit vollständiger Reaktion auf die Umwelt. Ein Zukunftsszenario wäre das Lagermanagement und Warenlieferungen mit autonomen Drohnen.

Eins ist klar: Routineaufgaben lassen sich recht leicht auf digitale Systeme übertragen, zum Beispiel auf kreative Felder wie die Architektur. Anhand definierter Parameter können systematisch regelbasiert Grundrissvarianten für Gewerbebauten ent- stehen. Für die Architekten bleibt dadurch mehr Zeit für die Arbeit an kreativen Lösungen mit innovativen Gestaltungstools.

Kognitive Systeme entlasten von Routine

Denn durch die digitale Transformation werden nicht nur Geschäftsmodelle innoviert, auch bei den Arbeitsmethoden stehen Veränderungen ins Haus. Mit Arbeitsumgebungen, die Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) nutzen, wird in den Entwurfsabteilungen der Konzerne und vieler Unternehmen intensiv experimentiert und immer häufiger produktiv entwickelt. Neben den neuen Freiheiten im eigenen Prozess wachsen mit VR/AR die Möglichkeiten, die Aufgaben im Team neu zu gestalten.

Dabei kann die Praxis auf Erkenntnisse in der Wissenschaft zurückgreifen. „In der Forschung spielt eine zentrale Rolle, wie die Arbeit für den Menschen erleichtert und gleichzeitig seine Leistung verbessert werden kann“, sagt Dr. Stefan Rief, Leiter des IAO-Forschungsbereichs Organisationsentwicklung und Arbeitsgestaltung.

Wie weit kognitive Systeme in der Arbeitswelt angekommen sind, verdeutlicht etwa Hans-Joachim Köppen, Technical Sales Leader Digitalization bei IBM Deutschland. Bilderkennung liefere inzwischen schon zu 95 bis 97 Prozent exakte Ergebnisse. Auch Geräuscherkennung finde zunehmend Anwendung. Auf diese Weise prüfe zum Beispiel die französische Eisenbahngesellschaft SNCF den Rundlauf der Zugachsen. Fährt ein Rad über einen defekten Schienenstrang, so lasse sich dieses Geräusch identifizieren. Dadurch könne ein Schaden deutlich schneller erkannt und behoben werden.

Herausforderung Komplexität

Digitalisierung, digitale Transformation, Künstliche Intelligenz und das „Internet of Things“ (IoT) – jeder Begriff für sich genommen ist bereits komplex und weitreichend. Im Zusammenspiel vervielfachen sich die Möglichkeiten.

Genau in dieser Komplexität und Vielfalt liegt das verlockende Potenzial. Digitalisierte Prozesse wie das elektronische Bestell- und Rechnungswesen sowie datenbankgestütztes Dokumentenmanagement sind erste Schritte und in einer Vielzahl von Unternehmen schon Alltag.

Weitergedacht führt eine Vernetzung einzelner Bereiche wie Warenwirtschaft, Produktion, Lagerverwaltung und Buchhaltung zu einer vollständigen Automatisierung des Betriebsablaufs. Doch mit Blick auf die heterogene Datenlage wird die Angelegenheit kompliziert. „Bei der Verarbeitung und Auswertung großer Datenmengen können digitale Systeme den Menschen deutlich entlasten“, weist Rief in Richtung von Expertensystemen und Systemen mit Künstlicher Intelligenz. Doch die finale Bewertung von Daten und Fakten bleibe wohl auch in Zukunft noch länger dem Menschen vorbehalten.

Vernetzte Welt – KI-gesteuert

Bereits heute lässt sich dank einer ständig wachsenden digitalen Infrastruktur standortunabhängig agieren. Man ist vernetzt mit den Kollegen am Firmensitz oder im Home-Office, auch über Zeitzonen hinweg. Videokonferenzen und Online-Meetings unterstützen diese Arbeitsformen, erfordern aber veränderte räumliche Situationen und Einrichtungen.

Konkret auf den eigentlichen Arbeitsplatz bezogen sieht das Ergebnis des „Internet of Things“ dann so aus: Schreibtische, Leuchten, Klimaanlage, Drucker, Beamer und verschiedene Sensoren sind universell vernetzt. Nach den gängigen Utopien bestenfalls autonom gesteuert von einer Künstlichen Intelligenz.

Spätestens hier wird es für viele ambivalent. Auf der einen Seite stehen Fragen nach der Sicherheit, Vertrauenswürdigkeit und Sinnhaftigkeit einer KI, auf der anderen Seite rufen die intelligenten Systeme Faszination hervor.

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