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Bessere Raumluft

Bessere Raumluft
Feinstaubbindung durch textile Böden

Ästhetik plus Funktionalität – diese Kombination ist bei Bodenbelägen besonders ausgeprägt. Die Anforderungen sind umfangreich, es geht um Langlebigkeit, Schadstofffreiheit, akustische Wirkung und Feinstaubbindung. Moment, Feinstaub?

Autor Armin Scharf

Feinstaub ist überall. Offiziell hat sich die Feinstaubbelastung in den vergangenen Jahren zwar reduziert, aber der anstehende Winter dürfte einen dicken Strich durch die bisherigen Messreihen machen. Denn Feinstaub entsteht in erster Linie bei unvollständig verlaufenden Verbrennungsprozessen, etwa beim Verfeuern von Holz in Kachelöfen, Komfortkaminen oder Pelletheizungen. Die derzeitige und künftige enorme Nachfrage nach Holzbrennstoffen als Ersatz für teures Öl oder Gas lässt viel Staub erwarten.

Allein in Deutschland, so das Magazin Spektrum der Wissenschaft, gibt es elf Millionen Holzöfen und 900 000 Pelletheizungen, die in aller Regel ohne jeglichen Partikelfilter arbeiten. Zu den Emissionen gehört auch Feinstaub, also Partikel mit weniger als 2,5 µm Durchmesser (PM 2,5), die tief in die Lunge vordringen, dort verbleiben und lebensbedrohliche Entzündungen im Körper hervorrufen können. Ein Schwellenwert, ab dem die physiologische Schädigung beginnt, existiert nicht.

Neue Untersuchungen fehlen

Während in der EU im Außenraum ein Jahresmittel-Grenzwert von 25 µg/m³ Feinstaub gilt, gibt es für Innenräume keine Grenzwerte. Das bedeutet natürlich nicht, dass hier kein Feinstaub aufritt – im Gegenteil. Denn die problematischen Partikel gelangen nicht nur von außen in die Räume, sondern entstehen auch dort selbst. Zum Beispiel durch Rauchen, durch Kerzen, handwerkliche Arbeiten oder ozonproduzierende Laserdrucker. Lüften hilft nur bedingt, vor allem nicht an verkehrsreichen Straßen.

Hier könnten aufwendige Luftreiniger Abhilfe bringen – oder textile Bodenbeläge. Fast jeder Anbieter entsprechender Produkte weist auf die Eigenschaft der Feinstaubbindung im Leistungsspektrum hin. Textile Beläge, so die Aussagen, können Feinstaub binden und so für eine bessere Raumluft sorgen. Diese Einschätzung geht wohl zurück auf eine Studie aus dem Jahr 2005, die der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) zusammen mit der Gesellschaft für Umwelt- und Innenraumanalytik (GUI) erstellt hat.

Die besagt, dass in Räumen mit Glattböden deutlich mehr Feinstaub zu finden ist als in solchen mit textilen Böden. Nur ist es bei dieser Erkenntnis geblieben, neue Studien gibt es weder qualitativ noch quantitativ.

Schwerkraft  lässt den Staub absinken

Die Theorie ist klar: Die Schwerkraft sorgt dafür, dass Staub absinkt, sich im Garn des Bodens fängt und dann durch einen Bürstsauger mit Hepa-Filter wieder entfernt wird.

Über 80% des Staubs lassen sich so laut Tarkett aus dem ‚Desso Airmaster‘ entfernen. Der Belag nutzt Garnfilamente unterschiedlicher Dicken, um die Feinstaubbindung von Partikeln zu verbessen.

Die feinen Garne halten Feinstaub unter 10 µm Größe fest, dickere Garne gröberen Staub.

Zudem soll die Struktur verhindern, dass Luftbewegungen den Staub wieder aufwirbeln. Die GUI bescheinigt dem Belag in Labortests eine um den Faktor 8 bessere Feinstaubbindung gegenüber Glattböden.

Undefinierte Luftströmungen

Trotzdem bleibt die Frage, inwieweit sich dieser Laborbefund auf die Realität übertragen lässt, denn hier herrschen undefinierte Luftströmungen, die dem raschen Absinken von Feinstaub entgegenwirken dürften. Hierzu gibt es leider keine Aussagen oder Untersuchungen. Auch fehlen – nicht nur bei Tarkett – konkrete Angaben, wie viele Partikel eine textile Struktur überhaupt aufzunehmen vermag.

Insgesamt scheint Feinstaub ein untergeordnetes Planerthema zu sein: Die Düsseldorfer IVC Group erreichen nach eigenen Angaben wenige bis gar keine Fragen zur Feinstaubbindung. Vor zwei bis drei Jahren habe das Thema noch stärker im Fokus gestanden, insbesondere im Arbeitskontext.

Inzwischen stünden Recycling, Nachhaltigkeit und entsprechende Zertifizierungen im Vordergrund.

Belastung durch VOCs

Bei Interface wiederum sieht man Feinstaub als einen von vielen Aspekten der Luftqualität im Innenraum. Dazu zählt ebenso die Belastung durch VOCs, also flüchtige organische Verbindungen aus verbauten Werkstoffen. Entsprechende Zertifikate würden sehr häufig abgerufen – bestätigt neben Interface auch die IVC Group.

Das gilt auch für die akustischen Eigenschaften der Beläge, wobei es nicht nur um den positiven Einfluss auf die Raumakustik geht, sondern auch um die Trittschalldämmung. Hier sind die Hersteller allesamt bemüht, die Werte zu ermitteln, zu optimieren und zu kommunizieren – weil Planer und Bauherren daran besonders interessiert sind und es deren Produktentscheidung stark beeinflusst.

Raumakustik und Trittschalldämmung

Wobei Interface darauf hinweist, dass man Raumakustik und Trittschalldämmung getrennt betrachten muss. So werden die Trittschalleigenschaften stark von der Ausbildung des Teppichbodenrückens und dessen Material bestimmt. Besondere Beschichtungen des Rückens können die Werte positiv beeinflussen. Früher nutzte man dafür asphaltbasierte Beschichtungen, die jedoch dem Recycling des Belags entgegenstanden.

Tarkett hat hier schon vor Jahren einen neuen Weg eingeschlagen. Der Hersteller rüstet die Fliesen optional mit recycelbaren Rücken aus und erhielt dafür das Cradle-to-Cradle-Label in Silber. Interface wiederum ist mit einer Kollektion aus rezykliertem und biobasiertem Material präsent, das so gut wie keine VOCs emittiert.

Komplexe technische Produkte

Auch wenn man Bodenbeläge mit Füßen tritt, handelt es sich um komplexe technische Produkte mit einem breiten Anforderungsspektrum. Es tritt zunächst hinter der optischen Erscheinung zurück – bestimmt aber die eigentlichen Qualitäten. Neben der Akustik gehört das Binden von Fein- und Grobstaub auf jeden Fall dazu. Allerdings wären nachvollziehbare quantitative Untersuchungen zur Feinstaubbindung mehr als wünschenswert, die Vergleiche zulassen und zudem auf realitätsnahen Rahmenbedingungen basieren. Womöglich tut sich in dieser Richtung künftig etwas.

Hier geht’s zu Bodenbelagsprodukten

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