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Brunner Innovation Factory in Rheinau von Henn Architekten und Ippolito Fleitz

Alle unter einem Dach

Die Philosophie von Brunner, „Innovation, Kollaboration, Flexibilität“, spiegelt sich in der „Innovation Factory“ wider. In diesem Hybrid-Neubau vereinen sich Büroräume, Endproduktion und Cafeteria. Ippolito Fleitz konzipierte letztere als Marktplatz.

Autor: Thomas Geuder

Wer als Hersteller einen Neubau auf dem eigenen Werksgelände mit dem Namen „Innovation Factory“ versieht, legt die Messlatte der Nutzung und Gestaltung recht hoch. Beim gleichnamigen Neubau des Objektmöbelherstellers Brunner in Rheinau bei Freiburg bedeutete dies für die Architekten von Henn aus München zunächst, diesen Innovationsanspruch architektonisch elegant in ein Bauwerk zu übersetzen.

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Das Gebäude in der Abenddämmerung. Foto: HG Esch

Es entstand zwar eine Produktionsstätte, aber nicht nur eine reine Montagehalle: Mit „Produktion“ ist hier der gesamte Entstehungsprozess gemeint. Der Neubau integriert zudem Versuchs- und Forschungswerkstätten, Büros, eine Cafeteria sowie Event-Bereiche in einer kompakten, hellen und freundlichen Architektur.

Mit seiner Innovationsfabrik wollte Brunner dem steten Wachstum der vergangenen Jahre gerecht werden und deshalb ein multifunktionales und eigenständiges Gebäude errichten. Es sollte die wichtigsten, selbstdefinierten Werte bei der Möbelentwicklung widerspiegeln: Innovation, Kollaboration und Flexibilität.

Hallenkonstruktion

Die Architekten von Henn haben ein Bauwerk entwickelt, das all diese Bereiche organisatorisch und baulich unter einem gemeinsamen Dach vereint. Es besteht aus einer großen Hallenkonstruktion, in der sich vor allem die Endproduktion samt Versand befindet.

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Raumhohe Glasfassade. Foto: HG Esch

Ungefähr ein Viertel der Halle an der nordwestlichen Längsseite ist zweigeschossig ausgeführt. In diesem Bereich des Gebäudes sind die Büros und Mehrzweckflächen sowie die Cafeteria, inklusive der dazugehörigen sanitären Anlagen, angesiedelt.

Die nahezu gebäudehohen Glasfassaden sowie die quadratischen Lichtkuppeln an beiden Längsseiten lassen viel Tageslicht in den Innenraum und erzeugen für die Mitarbeiter eine hohe Arbeitsplatzqualität.

Dem gesamten Obergeschoss vorgelagert ist eine durchlaufende Galerie. Sie endet in einer großzügigen Treppe und verbindet damit die Produktions- und Büroflächen funktional und ästhetisch miteinander.

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Eingangsbereich. Foto: HG Esch

Bei der architektonischen Ausgestaltung des Bauwerks haben die Planer das zugrunde gelegt, was ein gutes Möbelstück ausmacht: Fügung und Materialität. Besonderes Augenmerk legten sie auf das Dachtragwerk aus einer sichtbaren, modularen Holzkonstruktion. Darin offenbart sich der Manufakturgedanke des Unternehmens. Unterstützung erhielten die Architekten vom renommierten Ingenieurbüro Schlaich Bergermann Partner aus Stuttgart.

Fachwerkträger

Die leichte und feine Konstruktion besteht aus Holzfachwerkträgern mit Spannweiten bis zu 15,75 m, die aus formstabilen Furnierschichtholzlamellen zusammengesetzt sind. Die Gliederung des Tragwerks in Haupt-, Neben- und Tertiärträger ist an der Anzahl der Lamellen ablesbar: Die Gurte der Hauptträger haben drei, die der Querträger zwei und die Tertiärträger eine Lamelle. Die Scheibenwirkung des Dachtrapezblechs übernimmt die Aussteifung, wodurch das Dach frei von Auskreuzungen gehalten werden konnte. Die Hallenbeleuchtung ist in die Fachwerkträger elegant eingefügt.

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Blick von der Montagehalle in die Büroräume. Foto: HG Esch

Die Cafeteria befindet sich ebenfalls an der Nordwestseite auf der gegenüberliegenden Seite des Haupteingangs. Sie erstreckt sich über zwei Geschosse, wobei das Erdgeschoss vor allem als Kantine fürs Mittagessen dient. Im Obergeschoss herrscht eine informelle Café-Atmosphäre vor. Ippolito Fleitz aus Stuttgart gestaltete diese Bereiche. Sie beruhen auf dem Konzept eines „Marktplatzes“, der als kommunikatives Zentrum für Mitarbeiter und Besucher gedacht ist.

Schaufenster

In diesem „Herz des Unternehmens“ sollen sowohl Entspannung mit einem vielfältigen gastronomischen Angebot als auch der kreative Austausch und inspirierende Begegnungen sowie kleinere Events möglich sein. Dabei wollten die Planungsverantwortlichen von Ippolito Fleitz hier eine gewisse Dichte erzeugen, die im Gegensatz zum restlichen filigranen, lichtdurchfluteten Gebäude steht.

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Die Montagehalle der Brunner Innovation Factory. Foto: HG Esch

Die „Brunner Innovation Factory“ ist ein Hybrid-Gebäude, das die Prozesse von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt abbilden soll. Die Endproduktion, also der finale Schritt, befindet sich unter einem Dach mit den Open-Space-Büroflächen für Marc und Philip Brunner, also mit einem Teil der Geschäftsführung sowie des Vertriebs.

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Glasabtrennungen bieten Durchblicke. Foto: HG Esch

Als Schnittstelle am Übergang zu den bestehenden Produktionshallen dient die Cafeteria, von deren Obergeschoss aus sich die Montageabläufe beobachten lassen. Hier kann und soll man sich unkompliziert begegnen und Ideen austauschen. Für Brunner dient der Neubau als Schritt in Richtung einer Öffnung, eine Art Schaufenster, mit dem nun auch Gäste den Einblick in die Produktion erhalten.


Factsheet

Projekt: Brunner Innovation Factory, Rheinau, www.brunner-group.com
Standort: Im Salmenkopf 10, 77866 Rheinau-Freistett
Bauherr: Brunner GmbH, Rheinau
Architektur: Henn GmbH, München
Interior Design von Cafeteria, Beratung, Office Space: Ippolito Fleitz Group GmbH, Stuttgart
Tragwerksplanung: Schlaich Bergermann Partner, Stuttgart
Bruttogeschossfläche: 7 477 m²
Fertigstellung: Ende 2018
Materialien: Decke: Holztragwerkskonstruktion; Deckensegel zum Heizen und Kühlen von HKE; im Betriebsrestaurant: Deckenkuben für Akustik und Beleuchtung; Wand: Sichtbeton; Boden: terrazzo-ähnlicher Betonwerkstein; Teppichfliesen von Interface in der Bürozone
Möblierung/Beleuchtung (Auswahl): Tische: ‚4more‘, ‚Cellular‘, ‚Fina Club‘, ‚Hoc‘, ‚Lift‘, ‚Ray Table‘, ‚Valet‘; Sessel: ‚Cellular‘, ‚Crona Light‘, ‚Halm‘, ‚Ray‘, ‚Ray Soft‘; Barhocker: ‚Crona Light Bar‘, ‚Fina Bar‘, ‚Hoc‘; Drehstuhl ‚Too 2.0‘ von Brunner; Deckenbeleuchtung ‚SDT-LED‘ von Regiolux; weitere Leuchten von XAL

Lesen Sie das md-Interview mit Ippolito Fleitz



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