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Ein Gespräch über Bauchgefühl, Prestige und Qualität

Ralf Böckle

Der Designer kam über den Beruf des Einrichters zur Innenarchitektur. Ralf Böckle hört seinen Kunden genau zu und versteht ihre Wünsche, wohl wissend, dass es nicht immer gelingt, diese zu erfüllen.

Autorin Katharina Feuer

Nicht jeder weiß bereits in jungen Jahren, was er beruflich machen will. Das muss aber kein Problem sein, wie man am Beispiel von Ralf Böckle gut sehen kann.

„Ich wusste noch nicht, wohin die Reise gehen soll, als ich Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studierte. Als ich sah, wie gut meine Mitstudenten mit dem Stift umgehen können, war mir klar – das ist nicht mein Weg“, erinnert sich der Unternehmer.

Nachdem er das Studium kurzerhand abgebrochen hatte, bot sich in den 90er-Jahren eher zufällig die Gelegenheit, mit einem Freund und späteren Geschäftspartner in die Einrichtungsbranche einzusteigen. Gute Kontakte und die, für damalige Verhältnisse, außergewöhnliche Affinität für italienische Designermöbel bescherten dem Team goldene Jahre.

Der Start – ein kleines Büro

Irgendwann war das dem Querdenker nicht mehr genug. „Ich realisierte, dass ich mich herstellerunabhängig bewegen und frei planen wollte. Das war der Moment, an dem wir entschieden, getrennte Wege zu gehen.“ Böckle nahm sich ein zentral in Frankfurt gelegenes, 40 m2 kleines Ladengeschäft als Büro und baute dieses als seine Visitenkarte repräsentativ aus.

Als erstes Projekt plante und realisierte er mit seinem 2006 gegründeten Büro ‚schöne räume‘ eine Zahnarztpraxis. Bald konnte er die Gries Deco Company als ersten Großkunden akquirieren. Damit erhielt der Designer eine gewisse Planungssicherheit für sein Büro und der Grundstein für sein erfolgreiches Berufsleben als Einrichter und Gestalter war gelegt.

„Natürlich habe ich oft darüber nachgedacht, nochmal an die Uni zu gehen und Innenarchitektur zu studieren. Inzwischen habe ich meine „Profilneurose“ überwunden. Ich arbeite faktisch als Innenarchitekt und realisiere mit meinem Team tolle Projekte. Irgendwann war das Thema vom Tisch“, gesteht er.

Bevor Ralf Böckle einen neuen Auftrag annimmt, trifft er sich für ein erstes Gespräch. „Ich möchte mir ein Bild von dem Menschen, seinen Wünschen und Vorstellungen machen. Entscheidend ist dann mein Baugefühl“, erklärt der 48-jährige.

Ralf Böckle
Die mit Stoff bespannten Wände im Esszimmer sorgen nicht nur wegen des Musters für einen besonderen Look.
Foto: Patricia Parinejad

Tatsächlich ist die Zusammenarbeit mit privaten Bauherren eine sehr intensive. „Die Chemie muss stimmen, sonst funktioniert das nicht“, weiß Böckle und plaudert aus dem Nähkästchen: „Ich hatte ein tolles Projekt, bei dem ich zwei Mal wirklich fast das Handtuch geworfen hatte, weil die Auftraggeberin lange kein Vertrauen in ihre eigenen Entscheidungen hatte. Aber am Ende ging alles gut aus. Heute bin ich mit den Bauherren befreundet.“ Böckle gibt zu bedenken, dass die Arbeit mit privaten Kunden deutlich intensiver als mit gewerblichen Kunden sei. Wenn Privatleute ihr versteuertes Geld ausgeben, hinterfragen sie lange jede Entscheidung.

Im Raum Frankfurt gibt es Bauherren mit viel Geld, die gerne die Unterstützung eines Innenarchitekten in Anspruch nehmen. Vorteil: Diese Bauherren lassen einem freie Hand. Dennoch bevorzugt er den informierten Kunden mit einem Auge für schöne Räume. Allein schon aufgrund der Wertschätzung seiner Arbeit.

Klare Haltung ist Ralf Böckle wichtig

Ist der Innenarchitekt ein Luxus für Gutverdiener? Diese Frage beantwortet er vorsichtig mit „Ja“. „Nur solvente Kunden kaufen sich dieses Know-how ein, so wie man sich einen Business-Coach leistet, wenn man im Job an seine Grenzen stößt. Man sucht sich einen Innenarchitekten, um ein vorzeigbares Zuhause zu bekommen. Es geht auch um Darstellung und Prestige.“

Seine Entwürfe realisiert Ralf Böckle mit einem Stamm von Handwerksbetrieben, mit denen sich die Zusammenarbeit bewährt hat. Das hat einen Grund: „Bei einer individuell maßgefertigten Küche vom Tischler gibt es in Hinblick auf die Kosten nach oben fast keine Grenzen, sofern die Qualität stimmt. Es gibt eine hohe Wertschätzung gegenüber dem Handwerk. Im starken Kontrast dazu steht der Umgang mit einzelnen Möbeln auf der Angebotsliste. Der Kunde vergleicht Preise, sucht nach dem niedrigsten Angebot und bestellt im Internet. Mit allen bekannten Folgen.“

Wenn die Vorstellungen konträr verlaufen, geht Böckle auch Kompromisse ein. „Man sollte als Interior Designer eine klare Haltung haben, seine eigenen Vorlieben aber hintenanstellen und sich selbst zurücknehmen können. Wichtig ist, dass der Kunde am Ende glücklich ist. Oft entstehen gerade aus Widerständen neue Ideen. Ich betrachte es aber auch als Teil meiner Aufgabe, vor Fehlentscheidungen zu bewahren.“

Seine Ideen präsentiert der fünffache Vater immer persönlich mit Grundrissen, Ansichten und Skizzen, um ein unmittelbares Feedback zu bekommen und in den Dialog zu treten. Material- oder Farbkollagen verwendet er ungern.

Ralf Böckle
Die Küche in einem freistehenden Stadthaus in Frankfurt. Die Materialien: Beton, brünierter Stahl, poliertes Messing und Eichenholz auf einem Estrichboden der sich bis in den Essbereich erstreckt. Foto: Patricia Parinejad

„Das halte ich lieber offen und lege mich nicht so früh fest. Das mögen Bauherren. Wir machen uns natürlich schon in der Entwurfsphase konkret Gedanken darüber. Renderings erstellen wir nur auf ausdrücklichen Wunsch des Bauherren. Auch mit Worten lässt sich viel erklären.“

Er beobachtet, dass viele Kunden Entscheidungen aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus treffen. Das äußert sich in der Wahl von Klassikern und großen Namen. „Man möchte in die Schublade ‚established and designaffin‘ gesteckt werden.“

Der Autodidakt liebt die Vielseitigkeit seines Berufs – oder kann man bei Böckle doch von Berufung sprechen? – und stellt zufrieden fest: „Heute kann ich mich auf Projekte fokussieren, die ich wirklich spannend finde. Das schätze ich sehr.“

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Portrait: privat

Ralf Böckle (Jg. 1969) arbeitete nach Abbruch seines Produktdesignstudiums an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach mit seinem Partner in den 1990er Jahren als Einrichter. 2006 gründete Böckle das Planungsbüro schöne räume. Zu seinen Kunden zählt der Interior Designer private und gewerbliche Auftraggeber. Mit seinem sechsköpfigen Team aus Architekten und Innenarchitekten bildet er die Leistungsphasen 1–8 nach HOAI ab.

www.schoene-raeume.de

Jutta Blocher


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