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Michel Philipps - der Innenarchitekt und Küchenplaner im Gespräch

Küchenplanung: Individuelle Beratung und ehrliche Materialien
Michel Philipps

Naturstein ist ein ehrliches Material, das große Anforderungen an die Verarbeitung stellt. Für einen Natursteinproduzenten hat Michel Philipps das Küchenkonzept Monostone entwickelt. Der Innenarchitekt legt hohen Wert auf eine individuelle Beratung.

Autorin Katharina Feuer

Wie hat sich die Küche in den vergangenen Jahrzehnten verändert, Michel Philipps?

Die Einbauküche war Ende der 1960er- Jahre, Anfang der 1970er-Jahre ein neues Produkt. Die Hersteller begannen mit der Produktion von Küchenschränken, also Korpussen. Eine Blende oder Tür vor ein technisches Gerät zu montieren, war noch schwierig. Diese Anfangszeit war mühsam, ebenso die Montage. Mehr als Stichsäge und Bohrmaschine hatte man nicht. Das hat sich sehr gewandelt.

Was ist jetzt anders?

Heute werden umfassende Raumkonzepte über die Küche hinaus entworfen und die Gestaltung des Bodens, Wandfarben und Beleuchtung gehören zur Beratung.

Gab es auch einen Wandel in Hinblick auf die Planung?

Früher waren Papier und Bleistift wichtig. Mit der Digitalisierung kamen Zeichen- und Renderingprogramme, die die Küche visualisieren. Der Kunde kann nun seine Küche virtuell begehen. Dadurch hat sich in Bezug auf die Kommunikation, Designfindung und Darstellung vieles vereinfacht.

Heißt das, Sie entwerfen heute am Rechner?

Nein, ich zeichne immer noch mit Papier und Bleistift. Das ist mittlerweile ein Alleinstellungsmerkmal. Manche Kunden wollen gar nicht glauben, dass ich die Perspektiven oder Ansichten gezeichnet habe, weil alle nur noch Renderings kennen. Ich sehe das als Vorteil. Auch damit hebe ich mich vom Wettbewerb ab.

Welche Bedeutung hat die Küche?

Es gibt immer noch Küchen, die innerhalb von wenigen Stunden geplant und verkauft werden. Das ist wichtig, aber nicht unsere Philosophie. Unser Anspruch ist es, dem Kunden mindestens zwei bis drei Optionen zu offerieren, um ihm ein neues Raumgefühl zu vermitteln.

In diesem Kontext kann man auch die Verbindung mit Grama Blend nennen.

2017 hat mich der Geschäftsführer des Natursteinproduzenten, Norbert Moller, kontaktiert. Das heißt, er stand bei mir im Showroom. Ich habe einige Ideen für einen monolithischen Ansatz von Naturstein in der Küche entworfen, die der Hersteller mit der Serie ‚P1‘, ‚P2‘, ‚P3‘ und mittlerweile ‚P4‘ umgesetzt hat. Sein Verständnis für die Ehrlichkeit des Materials ist hoch, die Lösungen bei technischen Herausforderungen waren kreativ.

Was ist der Vorteil an Monostone?

Ich wollte den Kunden etwas Individuelles anbieten. Es ist keine Steinarbeitsplatte auf einem Korpus, sondern ein Kubus. Ein Monolith aus Stein, der individuell planbar ist.

Für die breite Masse?

Bewusst nicht. Naturstein ist ein ehrliches und sehr individuelles Produkt, dessen präzise Verarbeitung und Umsetzung von technischen Details per se aufwendig sind und einen Wert haben. Wir bewegen uns im höheren Preissegment und arbeiten mit Studios zusammen, die das Produkt verstehen und über eine hohe Designaffinität verfügen.

So einfach dieser Kubus wirkt, so anspruchsvoll sind also die Details.

Ja, da steckt viel Zeit und Detailarbeit drin. Beim Küchenkonzept ‚P3‘ habe ich mit senkrechten, im Unterschrankbereich korpusbündigen Griffleisten geplant. Durch die Gehrungskanten der aufliegenden Fronten entsteht eine einzigartige Bildtiefe des Steins.

Es ist immer spannend, wenn eine Idee in der Fertigung zum ersten Mal zu sehen ist. Einfach super schön.

Man sagt, dass die Deutschen teure Küchen besitzen und wenig Geld für gute Lebensmittel ausgeben. Herr Michel Philipps, Sie sind Franzose. Können Sie das bestätigen?

Es ist schon so, dass den Franzosen die Qualität des Essens sehr wichtig ist und sie dabei auch viel kritischer sind, als die Deutschen. Die Küche hingegen muss bei den Franzosen in erster Linie praktisch sein.

Ich kann aber nicht bestätigen, dass unsere Kunden ihre Küche nur als Prestigeobjekt erwerben. Alle kochen leidenschaftlich gern.

Warum haben Sie sich als Innenarchitekt auf das Thema Küche spezialisiert?

Als ich in Strasbourg studierte, wurde im Interior Design die Küche recht stiefmütterlich behandelt. Aber ich habe gemerkt, was für ein umfassendes Thema das ist und welches Potenzial darin steckt. So habe ich 1973 mein erstes Geschäft gegründet.

Gut 40 Jahre später haben Sie ihr Küchenstudio abgerissen und 2004 mit einem neuen Showroom ersetzt.

Wir wollten uns von der Masse abheben und von der Konfektionierung und Vergleichbarkeit weg. Man kann sagen, wir haben uns auf dem Markt noch einmal neu positioniert und sind zudem internationaler aufgestellt.

Ihre Betreuung hört mit der Beratung im Studio nicht auf. Es geht weiter.

Das ist korrekt, wir sind auch vor Ort bei der Montage dabei und achten auf eine qualitätsvolle Verarbeitung. Das ist unsere Visitenkarte. Viele Architekten arbeiten deswegen mit uns seit Jahren zusammen. Diese wissen, was sie bei uns erwartet, und empfehlen uns somit den Kunden.

Michel Philipps, ich bedanke mich für das Gespräch.

Weitere Interviews finden Sie hier


Portrait: privat

Michel Philipps, 1950 im französischen Elsass geboren, wurde zuerst Kaufmann und schloss anschließend eine Weiterbildung am Collège d’enseignement commercial für Interieur Design ab. Sein erstes Geschäft eröffnete er 1973 in Ladenburg bei Mannheim. 1983 folgte der Umzug innerhalb des Ortes in einen Neubau, der 2004 abgerissen und durch einen neuen Showroom ersetzt wurde. Perspektivisch soll seine Tochter das Unternehmen übernehmen.

www.kuechenstudio-philipps.de

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