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Itamar Harari: Architekt und Designer

Wandel zwischen den Disziplinen
Itamar Harari

Freundliche Entwürfe sind die Botschaft des Mailänders Itamar Harari. Der studierte Architekt, der mittlerweile vorrangig als Designer tätig ist, wandelt zwischen den Disziplinen.

Autorin Johanna Neves Pimenta

Itamar Harari, Sie stammen aus Tel Aviv, haben in Florenz studiert und führen mittlerweile ihr eigenes Büro in Mailand. Wie kommt’s?

Tel Aviv ist fundamentaler Teil meiner Kultur und prägt auch heute noch meine Arbeit. Aber für meine Ausbildung habe ich mir die Frage gestellt: Wo kann ich am besten den Ursprung von Architektur und Kunst verstehen? Für mich war früh klar, dass ich international tätig sein will, darum bin ich nach dem Studium nach Mailand gezogen. Und jetzt bin ich immer noch hier.

Hat der Stadt der Salone in diesem Jahr gefehlt?

Mit dem Salone ist es so eine Sache. Ich lebe ja nicht wegen ihm in der Stadt, sondern, weil mir die Lebenshaltung hier gefällt. Wenn die Möbelmesse stattfindet, verhalte ich mich wie jeder andere Messegänger auch, mit dem einzigen Unterschied, dass ich mich besser auskenne. Und es war ja nicht nur die Mailänder Möbelmesse, die ausgefallen ist.

Vermissen Sie Messen?

Sehr! Ich gehe viel auf Messen, auch in Deutschland. Ich besuche beispielsweise die Orgatec, Ambiente oder ISH. Es ist wesentlich, einander in die Augen zu sehen, das können Telefonate und E-Mails nicht ersetzen. Ich fühle mich, als würden wir alle mit Tablets in der Hand in Kühlschränken sitzen und versuchen, wie immer zu kommunizieren. Das geht auf die Dauer nicht.

Trotzdem spart es Zeit. Wie nutzen Sie die?

Da ich weniger reise, kann ich einzelnen Projekten mehr Zeit widmen. Aber Unternehmen stehen vor ganz anderen Herausforderungen, manche haben ernsthafte Schwierigkeiten, unter diesen Bedingungen zu produzieren.

Ändert sich auch die Haltung der Nutzer?

Absolut. Viele entdecken gezwungenermaßen das Onlineshopping für sich. Meiner Meinung nach suchen sie dort aber nach anderen Dingen, als in Geschäften. Sie suchen emotionale Gegenstände, Dinge, durch die man sich besser fühlt, selbst wenn man sie nicht braucht oder sie keinen sonderlich hohen Funktionswert haben. Die Objekte müssen mehr Geschichten erzählen, sie brauchen Charakter und Seele. Sie müssen freundlich sein. Das war schon immer Ziel meiner Arbeit, aber nun kann ich das noch stärker hervorheben.

Als ich Ihre Entwürfe sah, kamen mir die Adjektive spielerisch und extravagant in den Sinn.

Das stimmt. Für mich ist entscheidend, dass man das Produkt in seiner Nähe hat; wie einen Lebensgefährten. Es kann nicht neutral oder anonym sein, es soll wie ein Freund sein.

Gilt das auch für sachliche Gegenstände, wie Ihre zwei neuen Türgriffe für Karcher Design?

Tatsächlich war das Briefing, einen Edelstahl-Griff zu entwerfen, der freundlich ist. Das gelingt durch besondere Sorgfalt in den Details, beispielsweise beim facettierten Kopf von ‚ER55 Paris‘, der dem flüchtigen Betrachter vermutlich kaum auffällt.

Itamar Harari, neben Türgriffen entwerfen Sie Badarmaturen und Tableware. Langweilen Sie sich leicht?

Das nicht, aber ich mag die Herausforderung. Ich vergleiche den Beruf eines Designers gerne mit dem eines Schauspielers: Einer spezialisiert sich aufs Theater, einer auf Fernsehserien, einer aufs Kino. Ich mache gerne alles. Allen Designdisziplinen ist gemein, dass man etwas entwerfen soll, das es so noch nicht gab. Das fällt leichter, wenn man zwischen den Kategorien wechselt.

Genauso vielfältig wie Ihr Design sind die Länder, in denen Ihre Entwürfe zum Einsatz kommen. Gibt es so was wie ein internationales Designverständnis, Herr Harari?

Jeder von uns ist das Ergebnis verschiedener Einflüsse, Traditionen und Gewohnheiten. Doch was überall zählt, ist die Qualität. Gegenstände müssen zu keinem Stil passen, zu keiner Einstellung, zu keiner Religion; Sie müssen dem Nutzer gerecht werden. Jeder Entwurf sollte eine Seele aus verschiedenen Einflüssen haben, denn er soll Menschen mit verschiedenen Erfahrungen ansprechen. Und er sollte fröhlich sein!


Portrait: Lukas zur Nedden

Itamar Harari (Jg. 1960) stammt aus Tel Aviv. Er studierte Architektur an der Universität Florenz und arbeitete für Marco Zanuso, Atelier Alchimia und Atelier Mendini, bevor Itamar Harari sein eigenes Studio gründete. Sein Portfolio umfasst eine breite Range von Geschirr über Bäder bis zu Tableware und Türklinken.

www.harari.it

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