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Aleksandra Gaca

Die Designerin entwickelt akustisch wirksame Textilien
Aleksandra Gaca

Man möchte die Oberflächen sofort anfassen, wenn man ihre Stoffe sieht. Die Textildesignerin Aleksandra Gaca hat 3D-Textilien in ihren taktilen, akustischen und optischen Eigenschaften perfektioniert.

Interview Katharina Feuer

Aleksandra Gaca, Sie haben mal konstatiert: „Textilien sind im digitalen Zeitalter wichtiger denn je.“ Warum?

Eigentlich ist es – zumindest in Städten – immer laut. Und der Lärm nimmt zu. Es ist schwierig, einen Platz im öffentlichen Raum zu finden, an dem man in Ruhe sprechen kann. Die meist schallharten Oberflächen, die uns umgeben, bewirken einen unangenehmen Geräuschpegel.

Textilien schaffen ein gutes Gefühl. Sie helfen, eine bessere Akustik zu erzielen, aber auch ihre haptischen und optischen Eigenschaften vermitteln eine angenehme Umgebung. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten: Textilien helfen, die Batterien wieder aufzuladen.

Ihre Stoffe finden auch Einsatz in Hotels. Welche Aufgabe und Wirkung haben Textilien im Hospitality-Umfeld?

Sie sollen dem Gast ein Gefühl des Wohlbefindens und von Sicherheit vermitteln. Textilien, egal ob als Bettdecke, Gardine, Wandbehang, Möbelbezug oder Bodenbelag, umgarnen den Gast und seine Sinne. Sie sind gut für die Ohren, die Seele und den Tastsinn. Natürliche Materialien in wertiger Qualität spielen eine wichtige Rolle. Ich rede also nicht von Polyester-Bettwäsche.

Komfort, Sicherheit, Geborgenheit – kann man ihre Wirkung so zusammenfassen?

Ja, das trifft es gut. Menschen sind mobiler denn je. Aber nicht jeder fühlt sich in einem fremden Umfeld wohl. Textilien füllen einen Raum im positiven Sinne.

In den vergangenen 20 Jahren haben Sie sich auf 3D-Textilien spezialisiert. Wie kam es dazu?

Aus einer grenzenlosen Begeisterung für das Weben und die Möglichkeiten, die damit verbunden sind. Das zeichnete sich bereits im Studium ab. Danach habe ich angefangen, meine ersten Ansätze der 3D-Textilien zu verbessern. Das führe ich bis heute mit Leidenschaft fort.

Wie entstehen diese 3D-Strukturen?

Das werde ich oft gefragt und das kann ich nicht mit einem Satz beantworten. Was Sie heute sehen, basiert auf der Recherche, der Weiterentwicklung und auf unzähligen Tests und Versuchen mit unterschiedlichen Materialien, Techniken sowie auf Kooperationen mit Partnern in den vergangenen Jahren.

Das heißt, aus einer Textilentwicklung ergab sich fast zwangsläufig das nächste Projekt?

In gewisser Weise, ja. Während ich an einem Projekt gearbeitet habe, bin ich meist auf neue Fragen gestoßen. Was ist technisch möglich? Wie kann ich das lösen? Neue Herausforderungen haben sich auch oft über spezielle Projekte oder Anforderungen der Kunden ergeben.

Was ist die größte Herausforderung bei ihren Entwürfen?

Es ist das eine, mit der Hand etwas zu produzieren. Das andere, es in der industriellen Fertigung herzustellen. Ich gehe hier gern an die Grenzen des Machbaren und versuche, mit der Industrie zusammen immer wieder neue Wege zu gehen.

Mit Ihren ‚Architextiles‘ waren Sie 2007 Ihrer Zeit voraus. Wie ist der Stand heute?

Die Reaktionen damals auf meine akustisch wirksamen 3D-Textilien war sehr positiv. Die Kollektion sollte taktile, weiche Oberflächen mit einer dekorativen Note in die Architektur transportieren. Aber die Notwendigkeit war noch eine andere. Akustik ist in der Innenarchitektur mittlerweile ein riesiges Thema und entsprechend groß ist das Interesse. Ich entwickle für die Serie, die das belgische Unternehmen Casalis produziert, regelmäßig neue Muster, Farben und Kompositionen.

Sie sind in Łódź, Polen aufgewachsen. Gibt es Vorteile, als Kind in einem kommunistischen Land groß zu werden?

Ich hatte eine glückliche Kindheit, wenn Sie das meinen. Viel hatten wir nicht, aber die Dinge, die wir besaßen, schätzten wir. Mein Leitsatz, der sich sicherlich in meinen Entwürfen herauslesen lässt, lautet: Less is more!


Foto: Jola Wilczek

Aleksandra Gaca (Jg. 1969) beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit 3D-Textilien und perfektioniert deren Herstellung immer weiter. Die gebürtige Polin studierte an der Royal Academy of Art in Den Haag Textildesign. Seither reizt sie die Grenzen der Eigenschaften von Textilien (taktil, dekorativ, akustisch) weiter aus.

www.aleksandragaca.eu

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