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Heller Designstudio: Zwei Brüder, zwei Professionen, zwei Standorte

Über das Homeoffice in Corona-Zeiten
Heller Designstudio

Zwei Brüder, zwei Professionen, zwei Standorte – eine Schnittstelle: Marcel, der Architekt, und Christopher Heller, der Mediendesigner, arbeiten zur Zeit viel im Homeoffice. Sie gestalten Büroräume und vergleichen ihre Arbeit mit der eines Schneiders.

Autorin Katharina Feuer

Wie kann man als Gestalter seine Ideen präsentieren und dabei sicherstellen, dass der Funken überspringt? „Schwierig, wenn man einander nicht sieht“, findet Marcel Heller. „Schwierig in Corona-Zeiten, wenn die Kommunikation nicht direkt, sondern über digitale Kanäle abläuft.“

Marcel und Christopher Heller gestalten mit ihrem Heller Designstudio Projekte an der Schnittstelle von Architektur und digitaler Kommunikation. Der Senior (Marcel) und der Junior (Christopher) ergänzen sich perfekt.

Heller Designstudio – perfekte Kombination

Ihr Fazit der vergangenen Monate: „Ein Ping-Pong-Dialog, bei dem Entwurfsideen mit Stift auf Papier gescribbelt, verworfen, ergänzt und geteilt werden, funktioniert trotz digitaler Tools nicht so gut.“

Als Gestalter arbeiten die Beiden mit visuellen Reizen. Das Auge als erfassender Sinn ist besonders gefragt. Die ehrliche unmittelbare Reaktion auf ihre Ideen und der kreative Austausch seien schwer darstellbar. Dabei sei der Dialog wichtig. Hinzu käme die Ablenkung im Homeoffice rechts und links vom Bildschirm – „da schweift der Blick schon mal ab.“

Digitalisierung der Arbeitswelt

Sieht so die Zukunft der Arbeit aus? Scharenweise zogen die Arbeitnehmer in den vergangenen Monaten ins Homeoffice. Das bedeutet einen Schub für die Digitalisierung der Arbeitswelt, „gewollt oder nicht gewollt.“

„Die richtige Mischung ist entscheidend“, findet Marcel Heller. „So manchen Weg kann man sich sparen, haben wir festgestellt. Mein Auto steht gerade nur noch rum.“

Aber ein neues Interiordesign vor Entscheidern zu präsentieren, ohne dass man nur einen von ihnen sehen kann, „das ist unangenehm und verunsichert, weil man eben kein direktes Feedback hat“. Es ist ein gutes Beispiel für die Notwendigkeit, sich weiterhin persönlich zu treffen.

Projekt ‚Vector vGrow‘

Jüngst stellten die Stuttgarter das Projekt ‚Vector vGrow‘ fertig. Die Schulungs- und Weiterbildungsflächen für die Vector Informatik GmbH in Weil im Dorf machen neugierig. Die Innenräume sind instagramtauglich. Gelbe Tentakel empfangen die Mitarbeiter im Eingangsbereich.

„In diesen Räumen sollen neue Ideen entstehen. Festgefahrene Denkweisen und Muster sollen abgelegt werden. Im Dialog sind wir dann auf die Idee mit den Tentakeln gekommen – mit ihrer Hilfe streift man physisch alte Gewohnheiten ab. Auch bei Farben (Gelb, Grün), Formen (organisch) und Materialien (Holz, Pflanzen) trafen wir eine für Vector eher untypische Wahl.“

Freie Hand für Ausgefallenes

Unkonventionelle Ideen funktionieren allerdings nur, wenn der Bauherr dem Duo freie Hand lässt. „Verspielte Arbeitswelten à la Google, um Bestehendem einfach etwas überzustülpen funktioniert nicht. Auch die ewigen Bedenkenträger müssen am besten von vornherein in die Planung mit einbezogen werden.“

Hatte man sich mit der Gründung eines weiteren Büros in Shanghai mehr Narrenfreiheit erhofft? Marcel Heller verneint das. Der Architekt realisierte bereits Anfang der 2000er-Jahre Projekte in China. Durch persönliche Kontakte ergab sich ein erster Auftrag, dem weitere folgten.

Lebensmittelpunkt Stuttgart

„Viel ist in China möglich – in einer unglaublich schlechten Qualität. Wenn man als Büroinhaber nicht jeden Tag auf der Baustelle steht und alles persönlich kontrolliert, gestaltet sich die Umsetzung des Entwurfs unbefriedigend. Ganz viel läuft über persönliche Kontakte. Also bin ich permanent hin und hergeflogen. Das ist anstrengend und kostet Zeit, und da klar war, dass unser Lebensmittelpunkt in Stuttgart liegt, bleibt Shanghai unser zweites Standbein.“

Schneider aus Stuttgart

Umso mehr wissen die Brüder es zu schätzen, dass sie bei kurzen Wegen den Baufortschritt persönlich vor Ort begleiten und Qualität, Materialität sowie Realisierung kontrollieren können. Sie merkten bald, dass weiteres Wachstum nicht infrage kommt.

„Wir wollen nicht größer sein, da wir keine Geschäftsführer im klassischen Sinne sind, sondern weiterhin selbst Hand anlegen wollen.“

Anspruch, Experte zu sein

Es ist die Freude am Entwurfsprozess, verbunden mit großer Experimentierlust und dem Anspruch, Experte zu sein. Marcel Heller vergleicht ihre Arbeit mit der eines Schneiders „der Maß nimmt, das Material auswählt, näht, eine erste Anprobe durchführt, nachbessert und zuletzt das fertige Kleid übergibt.

„Ich will bei allen Entwicklungsabschnitten dabei sein. Das macht einfach zu viel Spaß!“


Portrait: Pia Schweisser Photography

Wo Heller drauf steht, steckt Heller drin. Marcel Heller (Jg. 1975) und sein Bruder Christopher Heller (Jg. 1985, re.) agieren seit 2016 als gleichberechtigte Partner. Der Ältere gründete bereits 2007 nach seinem Architekturstudium in Stuttgart und Chicago das Heller Designstudio. Der „Junior“ stieß 2011 nach Abschluss des Mediendesignstudiums an der Merz Akademie dazu.

www.heller.tv

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