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Strick-Pavillon aus geometrisch komplexer Struktur

Raum und Material
Strick-Pavillon aus geometrisch komplexer Struktur

Im Induktivbiegeverfahren erstellt: eine geometrisch komplexe temporäre Struktur für den öffentlichen Raum, den sogenannten Open Pavillon in Anyang/Südkorea.

Autorin Christiane Sauer

Anyang rief vergangenes Jahr das ‚Anyang Public Art Project APAP 2010‘ ins Leben. Fragestellungen zu zeitgenössischer Urbanität und Kultur im öffentlichem Raum standen im Mittelpunkt des von Kyong Park als künstlerischem Direktor betreuten Programms der etwa zwanzig Kilometer vor Seoul gelegenen Stadt.

Der zentrale Hakwoon Park wurde zum operativen Zentrum der in der ganzen Stadt verteilten Aktionsorte. Hier wurden drei temporäre Strukturen von den internationalen Büros LOT-EK/New York, Raumlabor/Berlin und Mass Studies/Seoul entwickelt und umgesetzt.

Die Idee: Pavillon als introvertierter Ort der Ruhe

Der so genannte ‚Open Pavillon‘ des Architekturbüros Mass Studies fungiert hierbei als Versammlungsort und als überdachte Sitzmöglichkeit im Park. Die Idee des Pavillons ist ein introvertierter Ort der Ruhe, eine Schutzhülle im dichten städtischen Umfeld, das den Park umgibt.

Die Struktur bietet bis zu siebzig Sitzplätze, die allerdings auf unkonventionelle Art eingenommen werden müssen: durch Klettern in großmaschigen Netzen, in denen man dann wie in Hängematten sitzen oder auch liegen kann. Die Grundstruktur des Pavillons sind überdimensionale “Maschen” aus Stahlrohr, aus denen eine stabile und zugleich offene Konstruktion gefertigt wurde.

Stahlrohr-Freischwinger als Dach

Konzeptskizzen der ursprünglichen Gestaltungsidee zeigen kreisförmige Reihen von übereinander gestapelten Stahlrohr-Freischwingern mit einem großen Sonnenschirm als Dach. Diese Idee wurde in fünf ineinander greifende Reihen von Stahlrohrmaschen übersetzt, die den ellipsoiden Raum formen, der 4,5 Meter hoch und an der breitesten Stelle 11,5 Meter misst. Die Radien der gebogenen Stahlrohre variieren zwischen 35 Zentimetern und 3 Metern und ihr Durchmesser verjüngt sich von 140 Millimeter an der Basis bis auf 60 Millimeter im Scheitel. Diese Anpassungen machen nicht nur strukturell Sinn, sie geben dem Pavillon auch eine optische Leichtigkeit und Komplexität.

Komplexe Geometrien mit mehreren Biegungen und unterschiedlichen Radien

Die Stahlelemente wurden mit dem Induktivbiegeverfahren verformt, das sich besonders für das maßgenaue Biegen von Hohlprofilen wie Rohren eignet – auch für komplexe Geometrien mit mehreren Biegungen und unterschiedlichen Radien. Hierbei wird jeweils nur der Teil, der gebogen wird, erhitzt, so dass kaum Verzerrungen am Werkstück auftreten. Die 421 einzelnen Bogensegmente wurden vor Ort Schicht für Schicht zur Gesamtstruktur verschweißt und abschließend mit einem weißen Polyurethanlack überzogen.

Knüpfweise beruht auf traditioneller koreanischer Handwerktechnik

Die Gesamtlänge des ‚verstrickten‘ Rohres beträgt 592 laufende Meter. Aus acht Kilometern wetterbeständigem Polypropylenseil geknüpft sind die Hängematten, die in zehn unterschiedlichen geometrischen Variationen die Öffnungen zwischen den unteren Rohrsegmenten füllen. Architekturstudenten adaptierten eine Knüpfweise, die auf traditioneller koreanischer Handwerkstechnik beruht, und fertigten die Netze über einen Zeitraum von zwei Wochen in Handarbeit an.

Textile, fast poetische Anmutung

An Stahlringen, die alle zwanzig Zentimeter an die Rohre geschweißt sind, werden die Hängematten befestigt und können bei Bedarf leicht ausgetauscht werden. Als Schutzdach ist eine weiße PVC Plane über Stahlkabel an der oberen Konstruktion befestigt. Auch sie ist nach der Geometrie der trapezförmigen Felder gefertigt und schützt nicht nur vor Sonne und Regen, sondern schafft mit ihrer transluzenten Oberfläche eine klare und ruhige Atmosphäre.

Obwohl dieser kleine Pavillon in einem sehr städtischen Umfeld steht und frei zugänglich ist, wird er zu einem kontemplativen Ort der Ruhe. Mit seinen rund vierzig Quadratmetern Grundfläche wirkt er fast wie ein öffentliches Wohnzimmer. Die loungeartigen Nischen laden zum ungezwungenen Benutzen, Spielen, Klettern, Unterhalten oder Dösen ein.

Für die nächsten fünf Jahre soll der Pavillon, der in seiner textilen, fast poetischen Anmutung einen spannungsvollen Kontrapunkt zum Alltag der Anwohner bildet, zunächst stehen bleiben. Man kann sich aber gut vorstellen, dass die aufwändig und stabil gestaltete ‚temporäre‘ Struktur auch noch über einen längeren Zeitraum ihren Platz in dem urbanen Kontext erobern und behalten wird.

Mass Studies Ms. Jinyoung Seo Fuji Bldg. 4F 683–140 Hannam 2-dong Yongsan-gu Seoul 140–892 Korea T. +82 (0)2 790 6528/9 F. +82 (0)2 790 6438 office@massstudies.com
Fotos: Kyungsub Shin

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