Home » Produkte » Küche »

Kochkiste

Natürliche Dämmmaterialien
Kochkiste: Dämmen statt Brennen

Mithilfe der Kochkiste lässt sich Essen mit minimalem Energieaufwand schonend garen. In der Frankfurter Küche war sie Standard, doch lange war sie vergessen. Die Coronakrise könnte ihr zum Revival verhelfen.

Um die rasche Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, wurde Mitte März 2020 das öffentliche Leben auf ein Minimum heruntergefahren. Deutschland ging in den Lockdown.

Schonend garen mit der Kochkiste
Durch gute Isolation kann man Lebensmittel schonend garen. Foto: Haute Innovation

Comeback der Kochkiste

Nach der ersten Euphorie, die gewonnene Zeit für die Verbesserung der eigenen Kochkünste zu nutzen und sich folglich auch gesünder zu ernähren, scheint die Begeisterung wieder abgeebbt zu sein. In den sozialen Medien zeigen Influencer nicht mehr selbst gebackenes Sauerteigbrot oder aufwendige Kreationen, sondern zunehmend simple Gerichte.

Foodblogs und Kochzeitschriften verstärken mit „Schnellen Rezepten in Coronazeiten“ oder „5-Minuten-Gerichten fürs Homeoffice“ den Eindruck, dass Kochen ein lästiger Zeitfresser sei. Auf der Suche nach einfachen Möglichkeiten, seinen Alltag zu erleichtern, ressourcenarm zu leben und sich gesund zu ernähren, feiert die Kochkiste aus Großmutters Zeiten ein Comeback.

md04221_NH-Drewes.jpg
Entscheidend für die Funktionalität einer Kochkiste ist eine gute Dämmung, etwa aus zu Neptunbällen geformtem Seegras. Foto: Neptu GmbH

Energiesparende Garmethode

Erfunden von Karl Drais Mitte des 19. Jahrhunderts, erlangte sie schließlich Berühmtheit als fest eingebautes Küchenelement in der Frankfurter Küche, die als Vorläufer der Einbauküche gilt. Die Idee, mit Ressourcen sparsam zu wirtschaften und zeitraubende Tätigkeiten zu verkürzen, ist damals wie heute aktuell.

Speisen, die traditionell eine lange Kochzeit haben, wie Gulasch, Curry oder veganes Dal, werden je nach Gargut nur für eine kurze Zeit bei hohen Temperaturen angekocht. Der eigentliche Garprozess erfolgt ohne weitere Wärme- und Energiezufuhr im Topf beziehungsweise in der isolierten Kochkiste.

Neptunbaelle_Strand.jpg
In Form von Neptunbällen wird verfilztes Seegras an Stränden angeschwemmt. Da es gute isolierende Eigenschaften hat, werden seine Anwendungsmöglichkeit ausgelotet. Foto: Neptutherm

Dämmmaterial für die Kochkiste

Da diese Art der Zubereitung für Gerichte mit einem bestimmten Flüssigkeitsanteil angedacht ist, brennen die Speisen nicht an. Das schonende Garziehen wirkt sich positiv auf Farbe, Geschmack und Geruch der Speisen aus. Auch der Nährstoffgehalt der angekochten Zutaten ist höher als bei herkömmlichen Garmethoden.

Noch ist die Kochkiste in der Regel ein DIY-Projekt, doch vom Prinzip her ließe sie sich heute ähnlich gut planen wie zur Hochzeit der Frankfurter Küche. In der Regel wird eine Holzkiste mit Deckel benötigt, die mit alten Stoffresten, Sägespänen und Styropor von innen ausgelegt wird.

Daemmplatte_Stroh_2.jpg
Für nachhaltige Kochkisten eignen sich Dämmplatten aus Stroh. Foto: Haute Innovation

Alternativen zu Styropor

Als Alternative zu dem erdölbasierten Klassiker Styropor lassen sich zahlreiche natürliche Materialien als Dämmmaterial für die Kochkiste finden. Neben Stroh, Papierschnipseln oder Heu bieten sich vor allem neu entdeckte und natürliche Dämmmaterialien an. Seegras wird in Form von verfilzten Wurzel- und Faserresten als handgroße Bälle an vielen Stränden am Mittelmeer angespült. Als natürlichen Dämmstoff für Häuser hat die Firma Neptutherm aus Karlsruhe die sogenannten Neptunbälle im deutschsprachigen Raum etabliert.

Als Dämmwolle weiterverarbeitet überzeugt das Material aufgrund seiner diffusionsoffenen und hervorragenden wärmedämmenden Eigenschaften. Seegras ist feuchtigkeits- und schimmelresistent und frei von Schadstoffen.

Daemmplatte_Pilzmaterial_4.jpg
Auch aus Pilzen lassen sich innovative Dämmmaterialien, die sich für Kochkisten eignen, fertigen. Foto: Haute Innovation

Natürliche Dämmstoffe

Auch kompostierbare Dämmplatten aus Pilzmaterial eignen sich zum Isolieren der Kochkiste. Zunächst als Verpackungsmaterial gedacht, nutzt die Firma Ecovative Design aus New York das ungewöhnliche Material als Dämmschicht für Tiny Houses.

In Europa verfolgen Mogu aus Italien oder der Designer Eric Klarenbeek aus den Niederlanden einen ähnlichen Ansatz. Wer das Funktionsprinzip von Kochkisten ohne großen Aufwand selbst testen möchte, könnte bei der Firma Landpack fündig werden. Die Firma aus Bayern bietet industriell kompostierbare Isolierverpackungen unter dem Namen ‚Landbox Bio‘ an.

Nachhaltiges Konzept

Paneele aus Stroh oder Hanf werden in die Pappkartonboxen geschoben und halten Lebensmittel oder andere Kühl- und Gefrierwaren auf Temperatur. Ob das Konzept der Kochkiste noch ein zweites Mal Schule machen kann, wird sich zeigen. Doch es ist heute nachhaltiger denn je.


Diana Drewes

Die Autorin arbeitet als Biodesignerin bei der Zukunftsagentur Haute Innovation in Berlin. Sie entwickelt kreislauffähige Materialien und ist Co-Autorin des Fachbuchs „Materials in Progress – Innovationen für Architektur und Design“

Weitere Beiträge der Autorin

Anzeige
Top-Thema
Anzeige

Neueste Beiträge
Titelbild md 4
Ausgabe
4.2021 kaufen
EINZELHEFT
ABO

Architektur Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Architektur-Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Medien GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum arcguide Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des arcguide Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de