Interview über CHUM

CannonDesign + NEUF architect(e)s

Wer den größten Gesundheitsneubau in der Geschichte Nordamerikas baut, darf ob der schieren Dimension nicht die Patienten, Pflegekräfte und Besucher aus dem Auge verlieren. CannonDesign + NEUF architect(e)s ist das beim CHUM gelungen. Ein Interview.

Projekt: Centre hospitalier de l’Université de Montréal (CHUM)

Ort: 1000 rue Saint-Denis, Montréal / CDN

Fertigstellung: 2017

Bauzeit: 2000–2017 (Bauphase I), 2021 (Bauphase II)

Stockwerke: 22 + 5

Geschossfläche: rund 279 000 m²

Architekten: CannonDesign Toronto, New York, etc. mit NEUF architect(e)s Montréal / Ottawa

Leitende Direktoren: Jose Silva, AIA und Azad Chichmanian, OAQ

Bauherr: Construction Santé Montréal

Ingenieure: Pasquin St-Jean, HH Angus, Groupe SM

Landschaftsarchitekten: NIP Paysage

Beschreiben Sie Ihre Designphilosophie:

Für das Projekt waren ursprünglich zwei Bauphasen geplant. Das Team hat das vorläufige Design des Campusgeländes und der Architektur neu konfiguriert, um die Entwicklung erheblich schneller voranzutreiben. Das Ergebnis: Die Phase I ist jetzt abgeschlossen. Sie beinhaltet die Kernkompetenzen mit allen Krankenzimmern, allen Operationssälen, Diagnose- und Therapieeinrichtungen sowie das Onkologieprogramm, so dass für Phase II nur die Büroräume, ein Konferenzzentrum und einige ambulante Einrichtungen übrig bleiben. Damit können die Einwohner von Quebec die dringend benötigte hochmoderne Gesundheitsinfrastruktur wesentlich früher als vorgesehen in Anspruch nehmen.

Wo finden Sie Inspirationen?

Bei diesem Projekt waren die Faktoren soziale Infrastruktur und Stadterneuerung als integrale Bestandteile gegeben. Der Komplex umfasst in zwei Blöcken 22 Stockwerke auf einer Fläche von knapp 280.000 m² und wird bei der Sanierung des vernachlässigten East Ends in der Innenstadt von Montreal eine wichtige Rolle spielen, weil er das Stadtgefüge wieder verbindet und das Quartier de la Santé im neuen Gesundheitsdistrikt verankert. Als das Designteam die Aufgabe in ihrer Gesamtheit in Angriff nahm, beleuchtete es das Projekt auf allen Ebenen – als großmaßstäbliches urbanes Bauvorhaben, im lokalen nachbarschaftlichen Kontext und im feinen Gefüge der menschlichen Komponente, die seiner Bestimmung als einer Stätte der Heilung zentral zugrunde liegt.

Zu den staatlichen Vorgaben in der Provinz Quebec gehört, dass mindestens 1 % des Etats eines öffentlich geförderten Projekts für Kunst ausgegeben werden soll. Der neue CHUM Campus übertrifft diese Bestimmung: Hier haben 13 großformatige Kunstwerke Platz gefunden. Damit beherbergt das Projekt die höchste Konzentration öffentlicher Kunst in Montreal seit der Expo 67.

Welches Projekt war für die Entwicklung des Büros das wichtigste und warum?

Aus der Perspektive der Gesundheitsfürsorge betrachtet haben wir alle 772 Patientenzimmer mit viel Platz für die besuchenden Familienmitglieder ausgestattet. Dazu kommen große Fensterflächen, die beste Ausblicke auf die Stadt bieten, und Gartenanlagen auf dem Dach, die für jedermann zugänglich sind. Wichtig ist, dass das gesamte Gebäude nach universellen Designprinzipien gestaltet wurde. Der größte Teil der über 12.000 Räumlichkeiten wurde beeindruckenderweise auf Basis einer kleinen Zahl von standardisierten Raumvorlagen konzipiert. Der Entwurf einer derartig umfangreichen Gesundheitseinrichtung stellte unser Designteam vor die Aufgabe, das Projekt aus zahlreichen Perspektiven zu betrachten und bisherige Erfahrungen wirksam einzusetzen, damit ein Komplex entstand, der den Herausforderungen der Zukunft gewachsen war.

Eine Aussage über das Projekt: …

Worin bestand die Herausforderung?

Das CHUM Forschungszentrum ist das größte Bauvorhaben für das Gesundheitswesen in Nordamerika und das größte öffentlich-private Partnerschaftsprojekt der kanadischen Geschichte. Mit seiner rund 280.000 m² großen Fläche bietet es ein dichtes medizinisches Programm auf einer begrenzten Fläche im Stadtzentrum von Montreal in unmittelbarer Nachbarschaft eines bereits vorhandenen Krankenhauses. Deshalb musste der Entwurf wichtige Gesichtspunkte des Denkmalschutzes berücksichtigen und Fragen der urbanen und sozialen Erneuerung einbeziehen, wobei gleichzeitig die klinische Flexibilität in der Zukunft gewährleistet sein sollte.

Gab es während der Realisierung des Projekts irgendwelche positiven oder negativen Überraschungen?

Wenn wir heute die fertigen Räume begehen, stellen wir eine räumliche Qualität fest, die die Erwartungen des Designteams übertrifft. Zahlreiche Ausblicke und viel natürliches Licht prägen die Atmosphäre des Gebäudes. In dem Maße, wie die Öffentlichkeit die erzielten architektonischen Merkmale allmählich entdeckt – von den fast wie ein Museum wirkenden öffentlichen Räumen bis zu den klinischen Einrichtungen, die dem allerneuesten Stand entsprechen, gewinnt das Team die Überzeugung, dass das Bauwerk die Vorstellung der Montrealer komplett umkrempeln wird, wie ein Hospital aussehen sollte.

Ziele/Wünsche des Bauherrn. Was sollte das Projekt können?

Das Designteam reagierte auf die Ambitionen und die vielen Zwänge der ursprünglichen Aufgabenstellung und konnte die optimale Lösung entwickeln, mit der diese Zwänge in Chancen umgemünzt werden konnten. So entstand eine reichhaltigere Architektur, die Lehre und medizinische Wissenschaften in der weltweit zweitgrößten französischsprachigen Stadt wieder lebensfähig machte.

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Project: Centre hospitalier de l’Université de Montréal (CHUM)

Location: 1000 rue Saint-Denis, Montreal, QC., Canada

Builder/Owner: Construction Santé Montréal

Building task: Teaching hospital

Start of building: 2009

Completion: 2017

Size of site (m²): 279 000 m²

Number of floors: 22 (27 total including 5 underground)

Floor area (m²): 3’000’000 square feet

Describe your design philosophy:

Initially structured as a two-phased project, the team reconfigured the indicative design of the campus arrangement and architecture in order to accelerate development significantly. As a result, Phase I, now complete, delivers the hospital’s core healthcare capabilities, including all patient rooms, all operating theatres, diagnostic and therapeutics, as well as the Oncology program, leaving only offices, a conference center and a few ambulatory spaces for Phase 2. This allows the Quebec population to benefit from the much-needed state-of-the-art healthcare infrastructure years sooner than originally anticipated.

How do you find your inspirations?

With social infrastructure and urban renewal as integral components to its design, the 22-storey complex, spanning over 3 million square feet and encompassing two full city blocks, will play an important role in regenerating the neglected East-end of Montreal’s downtown core, reconnecting the city’s urban fabric and anchoring the Quartier de la Santé, Montreal’s new healthcare district. In addressing the totality of that task, the design team approached the project from all scales, including the large-scale urban element, the local neighbourhood context and the fine grain of a human component, central to its vocation as a place of healing.

Going well beyond the Quebec government’s requirement of dedicating a minimum of 1% of a public development’s budget to the integration of art, the new CHUM campus will have 13 large-scale works of art incorporated into the design and ultimately house the highest concentration of public art in Montreal since Expo 67.

What project was the most important one for the evolution of the office – and why?

From a healthcare delivery perspective, each of the 772 rooms include ample space for family involvement, and expansive windows offering some of the best views of the city and of publicly accessible rooftop gardens. Importantly, the entire building was designed following universal design principles, and impressively, the vast majority of the 12,000+ rooms in the building were designed following a small number of standardized room templates. The creation of such an incredible healthcare facility required our design team to look at the project from numerous perspectives, leveraging previous experience to create a facility able to tackle the challenges of the future.

A statement on the project: …

What did the challenge consist of?

The CHUM teaching institution is the largest healthcare construction project in North America and the largest public–private partnership project in Canadian history. Integrating 3 million square feet of dense medical program in a highly constrained site in downtown Montreal adjacent to an existing hospital, the design had to resolve important heritage considerations, a vocation of urban and social renewal while considering clinical flexibility for the future.

Were there any positive or negative surprises while realising the design?

Walking through the completed spaces today, there is a spatial quality that has exceeded the design team’s expectations. Views and natural light permeate the facility. As the public finally begins to discover the architectural moments that have been created, from the near museum-like public spaces to the state-of-the-art clinical facilities, the team believes the building will succeed in completely redefining Montrealers’ image of what a hospital feels like.

Builder-owner‘s wish/goal. What should the project be capable of doing?

Responding to the ambition and many constraints set in the original design brief, the design team was able to find the optimal solution that turned these constraints into opportunities yielding a richer architecture, making viable again the teaching and delivery of medical sciences in the second largest francophone city in the world.


Architekten

Azad Chichmanian Partner bei NEUF architect(e)s (links) und Gustavo A. Lima von CannonDesign bei der Inside-Preisverleihung 2017 in Montréal.

Portrait: World Architecture Festival

FactSheet

Projekt: Centre hospitalier de l’Université de Montréal (CHUM)

Ort: 1000 rue Saint-Denis, Montréal / CDN

Fertigstellung: 2017

Bauzeit: 2000–2017 (Bauphase I), 2021 (Bauphase II)

Stockwerke: 22 + 5

Geschossfläche: rund 279 000 m²

Architekten: CannonDesign Toronto, New York, etc. mit NEUF architect(e)s Montréal / Ottawa

Leitende Direktoren: Jose Silva, AIA und Azad Chichmanian, OAQ

Bauherr: Construction Santé Montréal

Ingenieure: Pasquin St-Jean, HH Angus, Groupe SM

Landschaftsarchitekten: NIP Paysage

Materialien:

Vorhangfassade: GAMMA; Kirchturmspitze: Uginox; Architekturglas: Chronoglas; Aufzüge: Kone; Innenraumglas: Vitrerie Sur Mesure Inc.; Vinylboden: Gerflor Group; Terrazzoboden: Franklin Terrazzo Company Inc.; Deckensystem: Armstrong Ceilings; Akustikpaneele: Decoustics; Wandverkleidung Metall innen: Carritec Inc.

Möblierung: Groupe Lacasse, Global Furniture Group