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Praxistool auf der Heimtextil 2020 – die ‚Library‘

Textile Library

Eine Bibliothek für Objektstoffe? Die Textile Library wird es erstmals auf der Heimtextil 2020 geben. Kategorisiert nach Funktionalitäten sowie Hersteller- und Standangaben. Ein Tool für Architekten, Innenarchitekten und Designer, das schon lange überfällig ist.

Autorin Fredericke Winkler

Mit dem Themenfeld „Interior Architecture Hospitality“ wendet sich die Heimtextil in Frankfurt speziell an Architekten, Innenarchitekten und Designer. Neben einem umfangreichen Vortragsprogramm wird es in Halle 4.2 zum ersten Mal eine Stoffbibliothek geben, in der das Angebot an Objektstoffen der verschiedenen Aussteller an einem Ort versammelt und nach unterschiedlichen Funktions- und Anwendungsprofilen kategorisiert wird.

Service Library

Objektplaner können sich in der Textile Library einen Überblick verschaffen, ihre Auswahl treffen und dann gezielt Anbieter ansteuern. Dieser Service ist schon lange überfällig, denn der Textilmarkt und seine Möglichkeiten sind für viele Architekten und Designer aus folgenden Gründen unübersichtlich.

Auf der einen Seite sind die Einsatzmöglichkeiten von Textilien nicht ohne Weiteres vergleichbar mit denen anderer Werkstoffe, die man in der Innenarchitektur verarbeitet. Und obwohl sich das Angebot an Stein, Holz und Metall in letzter Zeit rasant erweitert, kann es noch lange nicht mit der Fülle an Materialkompositionen, Texturen, Dekoren, Farben und Funktionen mithalten, die im Stoff abgebildet werden können.

Auf der anderen Seite legen Textilien auch bezüglich ihrer technischen Eigenschaften zu und haben heute viele ihrer tradierten Schwächen überwunden, etwa Schmutzanfälligkeit oder Feuergefährlichkeit.

Damit wächst nicht nur das Angebot an Vorhangstoffen und Bezügen für den Objektbereich, sondern es wachsen auch deren Einsatzmöglichkeiten.

Textilien empfehlen sich vielerorts als die bessere Alternative. So unterstützen Vorhänge in Krankenhäusern die Luftreinigung oder großflächige Gewebe dienen als Dachbespannung.

Licht im textilen Dschungel

Diese Vielfalt ist Fluch und Segen zugleich. Den Architekten, Innenarchitekten und Designern eröffnet sich ein reiches Gestaltungsspielfeld, gleichzeitig kommt ihnen jedoch das textile Angebot wie ein undurchdringlicher Dschungel vor. Immer mehr Stoffe drängen auf den Markt. Kollektionen wachsen und neue Anbieter, etwa aus dem erstarkenden asiatischen Raum, drängen nach Europa.

Zudem sieht man der neuen Stoffgeneration ihre Funktionalität nicht mehr an. Outdoor sieht wie Indoor aus, Akustikstoffe sind transparent und Blackouts kommen wie natürliche Leinenqualitäten daher.

Textilverlage legen nach wie vor ihren kommerziellen Fokus auf den Einzelhandel, der sich vornehmlich für Dekor und Griff interessiert, sodass intelligente Funktionalitäten oft nur zaghaft kommuniziert werden. Wichtige Informationen erreichen die anwendungsorientierten Architekten also gar nicht. Das ist bedauerlich. Denn die Textilhersteller beziehungsweise -verlage bringen durchaus technisch hoch spannende Textilien auf den Markt.

Anwendungen bilden nicht die Innovationen ab

Dazu kommt: Die meisten Designer sind im Kerngeschäft wenig mit Stoff befasst und verlieren sich auf der Suche nach dem Spezifischen gerne im Allgemeinen.

Auch der Architekt wird schnell der Muster überdrüssig und verharrt in seiner konservativen Haltung. Das heißt, er nutzt projektübergreifend die immer gleichen Stoffe oder er bevorzugt Anbieter mit einem schmalen, auf sein Büro individuell zugeschnittenen Produktportfolio. Im ungünstigsten Fall verzichtet er sogar ganz auf innovative textile Lösungen.

Dementsprechend bilden die zur Anwendung gekommenen Textilien nur sehr selten die Bandbreite ab, zu der ihre Hersteller heute technisch wie auch gestalterisch in der Lage sind. Das ist bedauerlich. Im Objektbau sowie jenen Privathäusern, die von professioneller Hand eingerichtet werden, liegt die Zukunft der Einrichtungstextilien. Der Einzelhandel verliert mehr und mehr an Umsatzkraft.

Kategorien der Funktionalität

Auf diese Marktverschiebung reagiert die Messe Frankfurt. Bislang sind die wenigsten der rund 67 000 Besucher der Heimtextil Architekten oder Interiordesigner.

Um die Fachmesse für diese Zielgruppe attraktiver zu gestalten, lassen sich die Organisatoren schon seit einigen Jahren von renommierten Innenarchitekten und Designern beraten. So bringt die Schweizer Innenarchitektin Ushi Tamborriello ihre Erfahrung als Trendscout ein, bietet während der Messe Führungen und hält Fachvorträge an. Auch wurde sie mit der gestalterischen Umsetzung der Textile Library in Halle 4.2 beauftragt.

Tamborriello ist bekannt für ihre Affinität zu Stoffen. In ihren Projekten setzt sie unter anderem auf smarte Textilien, die speziell für den Einsatz in feuchten Räumen geeignet sind und denen auch Öle, Cremes und andere Pflegeprodukte nicht schaden. „Je mehr Funktionen das Textil über seine dekorative Erscheinung hinaus abbildet, desto ernster wird es auch in der eher technisch dominierten Bauwelt angenommen“, so ihre Wahrnehmung.

Um die Seriosität im Diskurs ging es auch bei der Idee der Textile Library, laut Tamborriello ein Konzept mit dem Ziel, „inhaltlicher“ zu werden. „Gestalterisch ist mit den neuen und alten Technologien der Textilbranche nahezu alles machbar. Die Herausforderung für den Planer liegt darin, den Einsatz dieser Textilien mit Normen und Richtlinien in Einklang zu bringen und die Möglichkeiten des Materials gekonnt auszuschöpfen.“

Stoffbibliothek mit Kategorien

In einem Think Tank vor zwei Jahren, gemeinsam mit Tamara Pallasch, Martin Lesjak, Peter Ippolito und Tamborriello selbst, habe man darüber diskutiert, wie man das Profil der Heimtextil schärfen könne. „Wie öffnet man das Konzept für unsere Kollegen? Schnell war klar: Wir müssen die Funktion in den Vordergrund stellen.“

In der Weiterentwicklung durch die Messe Frankfurt ist daraus die Idee der Textile Library entstanden, einer Stoffbibliothek, in der Textilien nach funktionalen Eigenschaften wie schwer entflammbar, schalldämmend, scheuerbeständig oder wasserabweisend kategorisiert werden.

Im Vorfeld der kommenden Messe haben zunächst die Aussteller ihre Produkte mit definierten Funktionalitäten eingereicht. Diese wurden von einem Textilingenieur auf ihre Zertifikate und Qualität geprüft und nur die Besten von ihnen werden laut Veranstalter nun 2020 in der Textile Library in Halle 4.2 ausgestellt.

Bildungsauftrag für alle

Die Textile Library ist eine Möglichkeit für beide Seiten, Hersteller wie Planer, einander besser kennen- und verstehen zu lernen und eine konstruktive Form der Zusammenarbeit zu finden. „Die Phase, in der man ein Textil ausschließlich nach dem Dekor ausgewählt hat, ist vorbei. Im Objektgeschäft muss das Angebot der Hersteller vor allem die unterschiedlichen Funktionen abbilden. Die gestalterische Individualisierung auf das jeweilige Projekt liegt in den Händen des Architekten und Innenarchitekten“, erklärt Ushi Tamborriello.

Dabei geht es nicht darum, die Entwicklungsarbeit des Textilverlags zu bagatellisieren, lediglich die Perspektive auf die eigene Kompetenz müsse sich hin zu einem holistischen Ansatz verschieben. Die Funktion müsse gleichwertig werden wie das Dekor.

Laut Tamborriello ermöglichen heutige Produktionstechnologien, sich viel früher in den gestalterischen Prozess einzubringen und dadurch mehr Raum für Personalisierung zu gewinnten. „Das geht nur in einem kongenialen Designprozess“, folgert die Gestalterin.

Hilfreiches Instrument für die Arbeit

„Ich brauche die Kompetenz eines Textildesigners, sowohl als fachlichen Beistand als auch für Anregungen, was gestalterisch die beste Lösung ist.“ Die Textile Library hat also durchaus einen Bildungsauftrag für alle Beteiligten.

Denn womöglich liegt die Zukunft der Textilbranche weniger in der aktuell praktizierten Ausdehnung des Angebotes als vielmehr auf der Konzentration auf das Eigentliche, die Funktion. Was für den Objektbereich gilt, mag – mit anderen Kategorien – für den Privatbereich und somit für die Zukunft des Einzelhandels nicht falsch sein.

Ein dahingehendes Umdenken erfordert allerdings eine Besinnung auf die eigenen Kompetenzen und den Willen, diese in einen Co-Kreationsprozess, sprich in ein Netzwerk einzubringen.

Sollte sich das Konzept der Textile Library etablieren, könnte dies nicht nur ein hilfreiches Instrument für die Arbeit der Profis sein, sondern insgesamt zu einem tieferen Verständnis von Angebot und Nachfrage führen. Und zwar auf allen Seiten.

Sie wollen mehr über die Heimtextil erfahren? Wir haben die Trends für 2020

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