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Future Apartment auf der Interzum 2019

Wie werden wir wohnen in Zukunft?

Wie werden wir in Zukunft wohnen? Mit dieser Frage setzte sich Tilla Goldberg von der Ippolito Fleitz Group auseinander. Das Future Apartment zeigt mit seinen einprägsamen (technischen) Einblicken auch, wie man dann im Hotel wohnen wird.

Autor Thomas Geuder

Was die Digitalisierung im Bauwesen seit einigen Jahren vorantreibt, schlägt sich nun spürbar im Interiordesign nieder. Möbel können nicht nur stumme Diener, sondern auch quasi aktiver Teil der Lebensweltgestaltung sein.

Frei nach dem individuellen Gestaltungswillen wird die Technik ins Möbel integriert – als augenscheinliches Entwurfselement oder, kaum sichtbar, als praktisches und sinnvolles Gadget. Man kann in dieser Richtung mittlerweile weit denken, auch weil die dafür nötige Technik derart miniaturisiert ist, dass sie sich nahezu unsichtbar integrieren lässt.

Drei Raumobjekte

Ähnliches haben die Macher beim Hersteller Rehau im Sinne gehabt, als sie Ippolito Fleitz aus Stuttgart beauftragten, für ihre Sonderschau auf ihrem interzum-Messestand ein „Apartment der Zukunft“ zu gestalten.

Ausgestattet mit den allerneuesten Oberflächentechnologien (aus dem eigenen Hause natürlich), sollen sie unter dem Motto „electronics into polymers“ intelligente und emotionale Mehrwerte schaffen.

Im Zentrum der Aufgabe stand vor allem die Frage, was das Wohnen heute und das Wohnen in der Zukunft ausmacht bzw. welche räumlichen wie technischen Ansätze dabei notwendig sind.

Tilla Goldberg, Director Product Design bei Ippolito Fleitz, und ihr Team verfolgen mit ihrer Antwort einen bewusst radikalen Ansatz: „Uns ging es vor allem darum, möglichst viele interaktive Situationen zu schaffen. Das Zusammenspiel Mensch-Oberfläche stand dabei immer im Mittelpunkt.“

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Das Wohnen haben Tilla Goldberg und ihr Team auf die drei Funktionen „Küche, Living und Bad“ reduziert. Die Küche ist aus zwei in einem Winkel von 90 Grad zueinander stehenden Blöcken geformt. Die motorisierten Rollladenschränke lassen sich mittels Sensortechnik leicht bedienen. Foto: Käthy Braun/Rehau

Konkret bedeutet das für das Projektteam, die drei wichtigsten Funktionen „Küche, Living und Bad“ auf drei skulpturale Objekte zu reduzieren und diese abstrakt zu gestalten. Auf diese Weise sollen die technischen Möglichkeiten, die der Hersteller Rehau mit seinen Produkten bietet, plakativ und unterhaltsam herausgestellt werden. Mittels sogenannter Touch-Points wurden Kommunikationspunkte für die Besucher geschaffen, um einerseits Bilder im Kopf und andererseits auf spielerische Art Anlass für vertiefende Gespräche zu erzeugen.

Die Projektbeteiligten haben jedes der drei Themen in solitäre Objekte übersetzt. Darin sieht Tilla Goldberg durchaus eine Befreiung von üblichen Klischees. „Gerade weil sie so deutlich stilisiert sind“. Es gehe ihr um das Erzeugen einer Atmosphäre, die eine „Balance aus kontemporärer Leichtigkeit und taktilem Materialversprechen“ schafft, als Blick in die Zukunft smarter Möbel oder, wie sie es zusammenfasst, „beyond the surface of furniture“.

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Die Oberflächen der Objekte sind mit einigen praktischen Touch-Points belegt, um möglichst viele interaktive Situationen zu schaffen. Foto: Käthy Braun/Rehau

Vom Apartment zum Hotel

So ist die Kücheninsel, die während der Messezeit auch als Welcome Desk diente, reduziert auf zwei in einem Winkel von 90 Grad zueinander stehende Blöcke, die die Arbeitsfläche und den Stauraum definieren. Sie verfügen über motorisierte Türen, zentral gesteuerte, intelligente Displays und „Out of stock“-Indikatoren, die darauf aufmerksam machen, wenn die Vorräte zur Neige gehen. Die Leuchte zeigt außerdem, wie es aussieht, wenn ein Mobiltelefon über frei positionierbare Ladeschalen drahtlos aufgeladen werden kann.

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„Living“ ist eine Art Kokon, ein Nest, in das man sich zurückziehen kann. Glasfaser-Beleuchtung im Polsterkeder sorgen für gleichmäßiges Licht um den zentralen Sitzplatz herum.

Das Wohnzimmer ist für viele ein Rückzugsort, ein „Safe Place“, ein Nest, an dem sich die eigene Persönlichkeit manifestiert. So hat Tilla Goldberg diesen Ort als eine Art Kokon gestaltet, eine raumhohe Lamellenstruktur, deren Lamellen sich an der Decke fortsetzen. Zugleich umschließen sie ihr Inneres, eine weiche Polster-Lounge – und lassen dennoch einen Bezug zum Außenraum.

Über unsichtbar in die Oberfläche der Lamellen eingebettete Schalter lassen sich individuell programmierbare Lichtatmosphären erzeugen. Die Polsterkeder liefern mittels integrierter Glasfaser-Beleuchtung einen gleichmäßigen Lichtrahmen um den zentralen Sitzplatz, der somit auch zum Selfie-Point wird.

Apartment der Zukunft dient als Blaupause

Das dritte Raumobjekt schließlich, das Bad, soll eher (wenn auch augenzwinkernd) einen Hollywood-Glamour-Effekt ausstrahlen: Badewanne, Spiegel und Waschbecken bilden einen großen, konfigurierbaren Leuchtkörper, durch den das Bad in eine Lichtmagie getaucht wird.

Dieses „Wasserzimmer“ bietet eine sinnliche, körperzentrierte Umgebung in einem dennoch geschützten und privaten Raum.

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Einen Hollywood-Glamour-Effekt mit Augenzwinkern erhält man im Bad. Foto: Käthy Braun/Rehau

Tilla Goldberg und ihr Team von Ippolito Fleitz haben mit dem „Apartment der Zukunft“ eine Blaupause geschaffen, die sich nicht nur auf das Wohnen an sich, sondern auf viele Arten des Aufenthalts im Innenraum anwenden lässt, etwa auf das zeitlich beschränkte Wohnen im Hotel.

Die Reduktion auf die wesentlichen Elemente und die aufrichtige wie sinnliche Ausformulierung der jeweiligen Situation führen dazu, dass der Nutzer auf das Grundsätzliche heruntergeholt wird. Das kann durchaus als Befreiung wahrgenommen werden.

Die vielen kleinen zusätzlichen Funktionalitäten, die in den Möbeln bzw. Objekten integriert sind, unterstützen dabei und machen das Dasein zu einer Selbstverständlichkeit – was
vor allem im Hotel, dem temporären Zuhause, enorm wichtig sein kann.


Factsheet

Projekt: ‚Future Apartment‘, Studie für den Rehau-Messestand auf der interzum 2019 in Köln

Bauherr/Auftraggeber: Rehau AG + Co

Design: Ippolito Fleitz Group – Identity Architects, Stuttgart

Team: Tilla Goldberg, Jonathan Ihm, Fynn Freyschmidt, Georg Kast

Fläche: 55 m²

Materialien: Rauvisio mineral, Rauvisio crysal, Hanex Solid Surfaces, Raukantex lite von Rehau

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