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Preisträger des Design Preis Schweiz 2019

Soziale Innovationen

Der 15. Design Preis Schweiz zeigt, wo der gestalterische Hammer hängt. Der Schwerpunkt liegt auf sozialen Innovationen.

Autor: Oliver Herwig

Es geht auch anders. Statt Tausender Einzelpreise für Produkte, die sich womöglich nur durch die Farbgebung unterscheiden, zeichnet der 15. Design Preis Schweiz nur Spitzenleistungen aus. 44 Projekte waren nominiert. Eine renommierte Jury (Mirko Borsche, Kim Colin, Demna Gvasalia, Alfredo Häberli, Doreen Lorenzo, Wolfgang K. Meyer-Hayoz und Nils Holger Moormann) wählten gerade mal 13 Gewinner aus. Und diese waren hochklassig.

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Es geht um die Wurst: ‚Sausage of the Future‘ als Forschungsprojekt – nicht ganz fleischlos.
Foto: Design Preis Schweiz © Sausage of the Future

Was sich bereits in den letzten Jahren angedeutet hat, verstärkt sich zusehends: reines Produktdesign hat es immer schwerer. Die „gute Form“ braucht in Zukunft zumindest einen Anker im Sozialen. Solche gesellschaftliche Relevanz ist nicht nur ein nettes add-on, ein Zusatznutzen, der irgendwie um die Formgebung herumgewunden wird, sondern oft Kern der Innovationen selbst. Neben der Wurst der Zukunft (natürlich fleischreduziert bis fleischlos) und ausgezeichneten inklusiven Bauten ging es um die Kernthemen der künftigen Gesellschaft: Wie wollen wir zusammenleben?

Innovation zeichnet den diesjährigen Nachwuchspreis „Rado Star Prize Switzerland for Young Talents“ im Bereich Kommunikationsdesign aus: eine dynamische Schrift, die auf Tageslicht reagiert. Sobald die Sonne aufs Display knallt, wird die Typo breiter und massiger. Abends speckt die Schrift wieder ab. Ein handelsüblicher Sensor, wie er längst in den meisten Mobilgeräten verbaut ist, reicht. Eine geniale Idee von Robin Eberwein, zusammen mit Leoardo Angelucci.

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Typograhie, die sich an die Umgebungshelligkeit anpasst. Mal schmaler, mal fetter: ‚Genoma Grotesk‘.
Foto: Design Preis Schweiz © Genoma Grotesk

Entstanden ist ‚Genoma Grotesk‘ als Bachelor-Arbeit an der SUPSI im Tessiner Canobbio. Die Idee ist so naheliegend, dass man sich tatsächlich wundert, warum die Designer von Adobe oder anderen Firmen nicht längst Ähnliches auf dem Markt brachten – eine „Bildschirmschrift, die sich in Echtzeit ihrer Umgebung anpasst“. Die Gestalter fügten 81 Schriftschnitte aneinander, um einen fließenden Übergang von mager zu fett ermöglichen. Das dürfte besonders für die vielen Nutzer von mobilen Endgeräte einen gewaltigen Fortschritt darstellen.

Der CARU Smart Sensor wirkt wie eine Art unbedenkliche Alexa für Senioren. Die Grundfrage zeigt eine gewisse Problematik, die sich nicht wegdesignen lässt. Wie lässt sich „smarte Kontrolle“ etablieren, die Sicherheit verspricht und nicht wieder in Total-Überwachung endet?

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Der freundliche Wachmann fürs Alter: „Caru Smart Sensor“. Foto: Design Preis Schweiz © Caru

Oder ist das bereits ein Widerspruch in sich? Das Design Team Studio Porto also René Odermatt, Mario Rütimann und Kristian Marjanovic jedenfalls schuf „eine Kreuzung von Babyphone, sprachgesteuertem Telefon und Notrufknopf“ und packte sie in ein neutrales Gehäuse, die an eine Pillendose erinnert. Der zurückhaltende Sensor ist sprachgesteuert. Daten werden lokal gespeichert und nicht etwa irgendwo in der cloud geparkt.

Design Preis Schweiz
Elektromobilität, auf das Wesentliche reduziert: Der Piëch ‚Mark Zero‘. Foto: Design Preis Schweiz © Piech Mark Zero

Auch das Dauerthema Elektromobilität spielte in Langenthal eine Rolle. Der Piëch Mark Zero entworfen von Toni Piëch, Rea Stark Rajcic und Laszlo Varga (Engineering: Klaus Schmidt, Nicolas Allain) verzichtet auf ein stromlinienförmiges Chassis und verspricht stattdessen Grundlagenforschung. Wie lassen sich die Batterien schneller laden – und zwar in fünf Minuten zu 80 Prozent? Und wie sieht eine wirklich modulare Fahrzeugarchitektur aus, die möglichst flexibel für ganz unterschiedliche Anwendungen genutzt werden kann?

Ähnlich grundlegend fühlten sich Projekte an, die Bananenfasern in den Blick nahmen, um daraus nachhaltige Mode zu gewinnen oder soziologische Untersuchungen, wie der Übergang zwischen selbstbestimmtem Wohnen und Pflegeeinrichtungen aussehen kann.

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Alles Banane? Die Schale als Material für Mode: ‚Banatex von QWSTION‘. Foto: Design Preis Schweiz © Banatex von QWSTION

Small is beautiful. Je kleiner die Länder, desto überbordender scheint die Gestaltungskraft der dort ansässigen Designer. Neben den Niederlanden und den baltischen Staaten, Österreich und Slowenien fällt die Schweiz seit jeher in diese Kategorie. Gerade der Jahrgang 2019 erweist sich als besonders stark.

Der Design Preis Schweiz am 1. November in Langenthal verliehen, hatte die Wahl aus fast vier Dutzend Nominationen, die mit 13 Preisen veredelt wurden.

Der Design Preis Schweiz reißt ein gewaltiges Spektrum auf zwischen visueller Kommunikation (schon immer ein Heimspiel der Eidgenossen), Produkt- und Servicegestaltung, Mode und sogar Architektur. Die acht explizit genannten Auswahlkriterien zeigen ziemlich genau den heutigen Diskussionsstand in Richtung Social Design : „Gestalterische Qualität, Innovationsgehalt, ästhetische Konsequenz, gesellschaftliche Relevanz, innovative Vision, ökonomischer Stellenwert, Marktkonformität und Nachhaltigkeit.“

Fazit

Die Schweiz ist ein Gigant. Zumindest gestalterisch. Also ran an die Bewerbung! Der „Design Preis Schweiz zeichnet Höchstleistungen in allen wirtschaftsrelevanten Design-Disziplinen aus“, heißt es etwa. „Der Bezug zur Schweiz ist nachzuweisen. CH-Nationalität oder CH-Arbeitsort von mindestens einer an der eingereichten Arbeit maßgebend beteiligten Person“. Klingt wie eine Aufforderung, Kooperationen mit SchweizerInnen einzugehen! Denn der nächste Design Preis kommt bestimmt: 2021!

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