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Nachhaltige Ladengestaltung

Tante Emma revisited

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Lehmwände regulieren die Wärme und Luftfeuchtigkeit in Räumen. Zusätzlich bestechen sie durch eine natürliche, authentische Ästhetik. Foto: Claytec/Huppertz
Dem Trend des Online-Shoppings stellt sich eine Gegenbewegung mit dem Revival des Tante-Emma-Ladens. Ist das tiefe Digi-Tal durchschritten? Und was sollte man bei der nachhaltigen Gestaltung eines Ladens im Zeitalter der Digitalisierung beachten?

Darf’s ein bisschen mehr sein? Mehr Naturnähe, mehr Ruhe, mehr Entschleunigung? Landbewohner, die vor nicht allzu langer Zeit ihren Arbeitsplätzen in die Speckgürtel der Großstädte hinterherziehen mussten, können nun – nicht zuletzt dank digitaler Anbindung an den Arbeitgeber – teilweise wieder dort leben und arbeiten, wo die Luft besser und die Mieten erschwinglich sind. Die Krux: Jetzt fehlt die Infrastruktur – es mangelt an Läden, die oft auch eine wichtige soziale Anlaufstelle im Ort darstellten. Nicht selten werden daher eigeninitiativ vor allem Lebensmittelgeschäfte (wieder) eröffnet und damit Dorfzentren aus ihrem Dornröschenschlaf geküsst.

Vorwärts in die Vergangenheit?

Selbst der amerikanische Internetriese Amazon, der die Gesellschaft gurugleich in den Bestellwahn geführt und mit zahllosen Mitstreitern dem stationären Handel den Garaus gemacht hat, drängt mit Pop-up Stores zurück ins echte Leben. Er plant in den USA weitere Buch– und Warenfilialen. Findet ein weltweites Umdenken statt? Ist das tiefe Digi-Tal durchschritten und die Sehnsucht nach einem Warenaustausch in der realen Welt bricht sich Bahn?

Größere Innenstädte verlieren immer noch an Attraktivität und sind durch die immer gleichen, regelmäßig wechselnden Ketten austauschbar geworden. Einkaufsstraßen dienen jedoch nach wie vor als Treffpunkt und Stadtbummler scheinen offen für ein Einkaufserlebnis abseits des digitalen Warenkorbs zu sein. Dennoch: Händler klagen über mangelnde Kundenfrequenz in ihren Geschäften.

Wie sollten Räume also idealerweise ausgestattet sein, damit der Flaneur sie gerne betritt und verweilen möchte?

Nicht sofort wahrnehmbare Faktoren spielen eine übergeordnete Rolle: Das Raumklima, die Akustik und die Beleuchtung entscheiden maßgeblich, ob wir einen Ort als angenehm empfinden und uns wohlfühlen.

Der Einsatz von natürlichen Materialien und die Verwendung umweltschonender Bausubstanzen bei der nachhaltigen Ladengestaltung wirken sich positiv auf das Klima des Innenraumes aus. Zum Beispiel erweisen lehmverputzte Wände einen großen Dienst. Lehm nimmt Feuchtigkeit auf, wo zu viel vorhanden ist, und gibt sie ab, wo sie fehlt. Lehmwände können Wärme speichern und spenden und sind dank ihrer Tiefe und Echtheit von großer Ästhetik.

Angenehmes Raumklima lockt

Mechanische Lüftungsanlagen schaffen es hingegen meist nicht, die 40 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit, die der Mensch zum Gesundsein benötigt, zu erreichen und zu halten. Abhilfe schaffen die natürliche Belüftung der Räume und eine Temperatur von höchstens 22 °C.

Eine Wand aus Pflanzen kann frei stehend große Flächen gliedern und für frische Luft und eine ausgleichende Harmonie im Raum sorgen. Gleichzeitig dämpft sie den Lärm, der die Konzentrationsfähigkeit schrumpfen und das Stressempfinden wachsen lässt. Hier sind auch natürliche Wandpaneele oder schallschluckende Vorhänge hilfreich.

Teppiche spenden Wärme, absorbieren Lärm und strukturieren einen Raum. Als Inseln bieten sie in einem großen Verkaufsraum Orientierung. Sie sollten ökologisch produziert und emissionsarm sein, damit keine Wohngifte ausströmen.

Nicht zuletzt sorgt die Beleuchtung für Atmosphäre. Sie setzt Produkte in Szene und rückt Räume ins rechte Licht. Durch die Zusammenarbeit mit lokal produzierenden Firmen und den Einsatz recycelter Materialien lässt sich nachhaltig agieren.

Neue Läden braucht das Land? Die Mischung macht’s. Ganz lässt sich das Rad nicht zurückdrehen, aber etwas mehr Wohlfühlinsel und weniger Konsumtempel, mehr Bewusstsein für nachhaltige Innenarchitektur und ein ebensolches Shoppingverhalten – dann wird ein Schuh draus. Sie benötigen doch hoffentlich keine Tüte?


Tina Kammer

leitet gemeinsam mit Andrea Herold die Plattform interiorpark.com, auf der sie ausgewählte Produkte für gesundes und nachhaltiges Bauen präsentiert. Zudem realisiert sie eigene Architekturprojekte mit ihrem Studio.


Innovation and sustainability

Convenience stores revisited

As a counter movement to the online shopping trend, convenience stores are celebrating a revival. Have we left the deep digital slump behind us? What should be taken into account when it comes to the sustainable design of shops in our age of digitalization?

Author: Tina Kammer

How about a little bit more? More proximity to nature, more peace and quiet, more deceleration? Rural dwellers who not long ago had to commute to their workplaces from the affluent suburbs of the big cities may now, in part, live and work again where the air is better and rent is more affordable – not least thanks to the digital connection to their employer. But the problem is that infrastructure is limited. There are not enough shops and these used to often also act a local, important social point of contact. So, based on individual initiatives, grocery stores are being re-opened in many places and village centers are brought back to life.

Moving forward to the past?

Even American Internet giant Amazon, having enticed society into a mania of purchasing orders like a spiritual leader and, together with innumerable other companies, leaving stationary trade behind. However, pop-up stores are vigorously giving empty retail space a new lease of life. Additional book and goods branches are planned in the USA. Is there a global shift in thinking? Have we left the deep digital slump behind us, and is a longing for exchanging products in the real world breaking through?

Larger city centers have still not taken the crucial step as everyday retail space is still dominated by well-known chains. But shopping streets are still meeting points and city center visitors seem to be open for shopping experiences away from the digital shopping basket. Nevertheless, retailers are complaining about insufficient passing trade in their shops.

How then should spaces be ideally designed so that shoppers will enter them with pleasure and remain for a while?

There are some factors which are not so obvious at first glance, yet they play a dominant role: interior atmosphere, acoustics and lighting will be crucial in whether we find a place agreeable and feel comfortable.

Natural materials and environmentally friendly building materials used for interior decoration have a positive effect on the atmosphere inside. Plastered walls, for instance, serve a good purpose. Plaster absorbs a considerable amount of moisture and releases it back into the atmosphere is levels drop. Plastered walls can store and radiate heat and they are of great esthetic value thanks to their depth and authenticity.

A pleasant indoor atmosphere has an enticing effect

In most cases, mechanical ventilation systems do not succeed in achieving and maintaining levels of 40 to 60 per cent air humidity which we need as humans need to stay healthy. A solution is ventilating spaces naturally and keeping the temperate below 22° C.

Freestanding plant walls may be used to subdivide large areas and at the same time provide fresh air and a balancing harmony in the room. They will also absorb disruptive noise that increases people’s perception of stress. Natural wall panels and sound-absorbing curtains can also be useful in this context.

Carpets convey warmth, absorb noise and structure a space. Laid out as islands, they offer orientation in large salesrooms. They should be manufactured ecologically and be low in emissions to prevent indoor toxins from being released.

Last but not least lighting improves the ambience. It provides the right setting for products and delves spaces in the right light. By co-operating with locally producing companies and using recycled materials sustainability can also be achieved.

Do we really need new shops? It’s the mixture that makes the difference. We cannot turn the clock back completely, but we would like shops to rather be
a feel-good shrine to consumerism. There should be more awareness of sustainable interior design and sustainable shopping behavior. That’s the goal of the game. You don’t need
a bag, do you?

Tina Kammer

Together with Andrea Herold, she runs the InteriorPark.com Internet platform where she presents selected products for healthy and sustainable building. She also implements architectural projects of her own in her studio.


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