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Argumente für nachhaltige Architektur: So überzeugen Sie Ihren Bauherren

So siegt Umweltbewusstsein über die Preisdiskussion
Argumente für nachhaltige Architektur

nachhaltige Architektur in einem Wohnraum mit Schrankwänden
Nachhaltige Architektur rechnet sich, sobald man Allgemeinkosten und die positive Wirkung gesunder Materialien einpreist. Foto: Interiorpark, bildhübsche Fotografie Andreas Körner
In der Diskussion um nachhaltige Architektur steht die Frage nach den Zusatzkosten häufig vor der Frage nach dem Zusatznutzen. Unsere Kolumnistin Tina Kammer reflektiert eine gefährliche Gewohnheit – und gibt Ihnen Argumente für das Gespräch mit Ihrem Bauherren an die Hand.

„Dinge, die billiger als möglich sind“

Wann ist das eigentlich passiert? Wann fingen wir an hauptsächlich vom Preis und selten von der Qualität zu reden? Können oder sollten wir uns billig überhaupt leisten? Werbesprüche wie „Geiz ist geil“ oder „Ich bin doch nicht blöd“ klingen seit Jahren in unseren Ohren. Und damit klingeln auch die Kassen: mit Dingen, die billiger als möglich sind.

Was sagt das über uns als Gesellschaft aus, wenn es immer nur um Geld geht und immer seltener um die Güte. Sind wir es uns nicht mehr wert, uns gute Dinge zu leisten und dafür auch angemessen zu bezahlen?

„Wir werden für billig kaufen teuer bezahlen“

Der schnelle Konsum fällt uns auf die Füße. Er beeinflusst die Haltbarkeit von Gegenständen, den Umgang mit der Natur oder die Lebensbedingungen für uns und andere Menschen. Denn klar ist, dass irgendwer irgendwo irgendwie dafür bezahlen muss. Schon jetzt und in Zukunft noch mehr werden wir für billig kaufen teuer bezahlen.

„Gewohnheiten können geändert werden“

Klimakrise, Verlust an Biodiversität, Vermüllung unseres Lebensraums können wir uns schlichtweg nicht leisten. Was kostet die Welt?

Vielleicht ist uns die Jagd nach dem vermeintlich Billigen auch einfach so in Fleisch und Blut übergegangen, dass es zur Gewohnheit wurde. Aber Gewohnheiten können geändert werden. Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem wir das schnellstmöglich tun müssen.

„Die EU setzt neue Maßstäbe für nachhaltige Architektur“

Die Auseinandersetzung mit dem Wesentlichen hat begonnen und ist nicht mehr zu stoppen. Mit dem „Green Deal“ setzt die Europäische Kommission erste Maßstäbe für die Zukunft der Bauwirtschaft, die wesentlich für CO2-Ausstoß und die Verursachung von Abfall verantwortlich ist. Für diese Branche ist es längst an der Zeit umzudenken, Gewohnheiten in Frage zu stellen. Es schlägt die Stunde für nachhaltige Architektur.

Recycelte Nylongarne aus Geisternetzen

„Betrachtet man die gesamte Lebensdauer eines Objektes, ändert sich die Rechnung“

Der Status Quo unseres Planungsalltags verdient es, hinterfragt zu werden. Dafür bedarf es der Neugierde und der Lust auf Neues – zum Glück Grundlage kreativen Schaffens. Planer stehen im Zwiespalt. Auf der einen Seite ist der Ruf nach Innovationen hierzulande schnell und laut. Auf der anderen Seite sind dann doch die Bedenken groß, Neues auszutesten und Gewohntes über Bord zu werfen. Selbst, wenn man damit den Weg in ein enkeltaugliches Morgen ebnet.

Die Frage, ob nachhaltige Lösungen teurer sind als herkömmliche ist eine viel gestellte. Und ja, oft ist umweltschonendes, kreislauffähiges Planen und Bauen auf dem Papier kostspieliger. Doch betrachtet man die gesamte Lebensdauer eines Objektes sieht die Rechnung schon ganz anders aus.

„Die Verlagerung von Abfallkosten auf die Gesellschaft hat enorme Auswirkungen“

Der Glaube an harte Fakten und Zahlen ist groß, so groß, dass vergessen wird, was in die Bilanz rein- und rausgerechnet wird. Die Verlagerung von Abfallkosten auf die Gesellschaft hat enorme Auswirkungen. Wertvolle Rohstoffe werden verbaut, nach kurzer Lebensdauer abgerissen und entsorgt. So haben wir es Jahrzehnte gemacht, so machen wir es noch – aber so können wir es jetzt und in Zukunft nicht mehr machen.

Close the Loop

„Kreislauffähige Produkte beeinflussen die Gesundheit positiv“

Kreislauffähiges Denken heißt, dass Produkte und Bauausführungen so gestaltet sind, dass ihre Bestandteile nach der Nutzung als gleichwertige Rohstoffe wiederverwertet werden können. Entsprechend sind sie in der Regel materialgesund und enthalten keine gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe. Für die Planung liegen die Vorteile auf der Hand: Wir entscheiden uns für Produkte, die unser Wohlbefinden und damit unsere Gesundheit positiv beeinflussen. Man sollte meinen, dass Geld dabei nicht oberste Priorität hat, trotzdem wird die Entscheidung ökonomischen Regeln folgen. Doch bei genauer Betrachtung zahlt sich Mehrinvestition aus.

„Unsere Argumentation für nachhaltige Architektur spiegelt unsere eigene Haltung“

Es sind elementar wichtige weiche Faktoren, die letztendlich den Unterschied machen. Nachhaltigkeit und damit verbundene Qualität sind kaum mit harten Zahlen belegbar, solange die Kosten für die Gemeinschaft nicht eingepreist werden. Doch unser Instinkt betrügt uns nicht. Darum ist der ganzheitliche Blick im Gespräch mit Bauherren äußerst relevant. Unsere Argumentation spiegelt unsere eigene Haltung und Überzeugung wider. Offenheit und Umdenken werden mit einem Mehr an Lebensqualität belohnt. Weil wir es uns wert sind!

3 Tipps für das Gespräch mit dem Bauherren

  • Heben Sie den unmittelbaren Nutzen nachhaltiger Architektur für Gesundheit und Ansehen des Bauherren hervor.
  • Sensibilisieren Sie für die Kosten, die von der Gemeinschaft getragen werden.
  • Seien Sie stolz auf jede kleine Änderung, die Sie durchsetzen: In der Summe machen sie einen Unterschied.

Tina Kammer

leitet gemeinsam mit Andrea Herold die Plattform interiorpark.com, auf der sie ausgewählte Produkte für gesundes und nachhaltiges Bauen präsentiert. Zudem realisiert sie eigene Architekturprojekte mit ihrem Studio.


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