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Peter Ippolito

Interview mit Peter Ippolito über das Bad als Wohlfühlraum
„Da bin ich nackt“

Peter Ippolito, Innenarchitekt und Geschäftsführer des Büros Ippolito Fleitz design, erklärt im Interview die Bedeutung des Bades. Für den Hersteller rebado entwarf er kürzlich das Design der New Nature-Kollektion.

Was sollte ein perfektes Bad Ihrer Meinung nach ausstrahlen?

Peter Ippolito: Ich stolpere schon über das Wort perfekt. Menschen, die das Perfekte suchen, sind per se unglücklich, weil sie ihr Ziel nie erreichen werden. Es gibt nur MEINS, in dem ich mich wohlfühle.

Denn es gibt nichts Persönlicheres als Wohnen. Deshalb dominiert hier weniger Perfektion, sondern mehr Reflektion. Wir finden, dass Badezimmer nicht ausschließlich nur Funktionsbereiche sein sollten.

Das Bad ist ein wichtiger Raum einer Wohnung, eines Hauses, der gleichberechtigt mit anderen Räumen ist. Deshalb benötigt er genauso viel Aufmerksamkeit bei der Gestaltung – nicht nur funktional, sondern auch inhaltlich und ästhetisch. Im Bad beginnt mein Tag und er endet dort.

Das ist ein intimer Raum. Dieser Raum wird von vielen Menschen mehr genutzt als das eigene Wohnzimmer. Das ist grundsätzlich erst mal eine spannende Gestaltungsaufgabe.

Wurde das Bad als Wohlfühlraum mit ansprechendem Design in unserer Gesellschaft lange unterschätzt?

Peter Ippolito: Sicherlich. Das hat auch eine historische Komponente. Das private Badezimmer war lange Zeit rein funktional ausgestattet. Wohlfühlen war an der Stelle Luxus. Mit zunehmendem Wohlstand einer Gesellschaft werden solche Räume dann ästhetische Räume, an die ich eine andere Anspruchshaltung habe.

Auch die Wahrnehmungsparameter unserer Gesellschaft haben sich verändert. Sie sind geprägt von mehr Interaktion mit unserer Umwelt und der Digitalisierung. Wir nehmen wahnsinnig viel Informationen, Nachrichten, Bilder auf. Das ist eine totale Überflutung, die uns ein Stück weit auch überfordert. Je mehr das passiert, desto mehr wünschen wir uns wieder das Analoge.

Wir haben Sehnsucht nach Naturbildern. Vielleicht auch, weil wir weit weg davon leben. Das eine ist aber ohne das andere nicht denkbar. Einerseits sind wir digital, andererseits sehnen wir uns nach Haptik, nach Erfahrung und nach der eigenen körperlichen Präsenz.

Deshalb produzieren wir auch ganz viele Handy-Selfies mit schönen Hintergründen, um zu sagen: „Hallo, ich bin da. So definiere ich mich. So sollst du mich sehen.“ Auf der anderen Seite haben wir eine Sehnsucht uns zu spüren.

Da spielt das Bad eine wichtige Rolle. Da bin ich nackt. Und hier folgen wir Ritualen. Rituale sind Momente der Versicherung. Das spielt heute eine größere Rolle. Das ist ein Stück weit ein Gegenpol zu den virtuellen Welten, in den wir uns heute bewegen.

Was diente Ihnen hauptsächlich als Inspiration für die New Nature-Linie von rebado?

Peter Ippolito: Hier wird genau diese Verbindung aufgemacht. Wir haben erst mal ein Material, das funktionale Vorteile bringt. Wir schaffen jetzt mit der Kollektion eine Dekorebene, in der wir genau diese Sehnsucht nach viel Natürlichkeit stillen.

Diese Natürlichkeit fängt bei der Nachhaltigkeit an, diese beginnt bei der Verbindung zur Natur und den Strukturen, die mich nicht außen vor lassen, sondern einladen, haptisch oder auch visuell einzutauchen. In Arbeitswelten ist es nachgewiesen, dass Menschen in so einem Umfeld gesünder, konzentrierter und effizienter sind.

Wie muss man sich Ihre Herangehensweise an ein solches Projekt vorstellen?

Wir haben uns Bilder aus der Natur genommen: Perspektiven, Spuren, dynamische Schwärme. Wir haben diese künstlerisch weiterentwickelt und neu interpretiert, so dass sie Momente zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit darstellen.

Hier spielt man mit Erinnerungen, in der wir Strukturen denken, in die jeder, der sie anschaut, seine eigene Geschichte reinlegen kann. Jeder sieht darin etwas anderes. Das ist für uns als Büro ein ganz wichtiges Gestaltungsmerkmal.

Je mehr Geschichten wir konsumieren, desto weniger Geschichten leben wir selbst. Wir glauben daran, dass wir mit guter Gestaltung Geschichtenanfänge legen, die der Nutzer selbst mit seiner eigenen Erinnerung und mit seiner eigenen Geschichte auffüllt. Die Bilder, die wir bei diesem Projekt aus der Natur genommen haben, sind nie konkret. Jeder kann hier noch selbst interpretieren.

Damit schafft man eine Vertrautheit, die einerseits meiner eigenen Geschichte Raum gibt und andererseits ein schönes Spiel ist zwischen Kleinteiligkeit, Struktur, Nähe und der Großzügigkeit des Materials.

Farbe, Form und Material – wie schwer ist es für Sie, die Balance zwischen diesen drei Komponenten zu finden?

Peter Ippolito: Natürlich müssen die drei Komponenten zusammenpassen. Aber das viel Wichtigere ist die Idee oder das Konzept dahinter. Sachen, die keine Idee enthalten, sind in der Regel nicht wahnsinnig gut. Wenn ich keine Idee habe, kann ich nicht überprüfen, ob es stimmig ist. Es kommt also immer auf die Intention an.

Bei der Zusammensetzung der drei Komponenten Farbe, Form und Material gibt es kein richtig oder falsch. Es muss gewollt sein. Und es muss mit Bedacht gemacht sein.

Gibt es ein Material, das Sie besonders gerne einsetzen?

Peter Ippolito: Nein, wir haben bewusst keine Lieblingsmaterialien, die wir immer wieder verwenden. Wir haben ein riesiges Materialarchiv bei uns. Das ist die reine Freude.

Unsere Kunden sind sehr unterschiedlich, haben sehr unterschiedliche Hintergründe. Dieser Diversität wollen wir gerecht werden und für jeden sein Material finden. Jedes unserer Projekte ist eine eigene Antwort darauf.

Was aus der Natur taugt besonders als Vorbild für Ihr Design?

Peter Ippolito: Klassische Strukturen und Oberflächen aus der Natur faszinieren natürlich immer, aber hier haben wir besonders mit Bewegungen gespielt und versucht, diese Energie im Moment einzufangen. Wir haben dynamische Strukturen zwischen Vogelschwarm- und Magnetfeld-Ordnungen verwendet.

Hier hatten wir eine schöne Verbindung zwischen Großzügigkeit und Weite, Horizont, Felder. Gleichzeitig was da aber auch die Kleinteiligkeit des einzelnen Objektes, das einer Ordnung folgt, die aber auf den ersten Blick nicht ordentlich sein möchte. Wir sind in unserer Gesellschaft ja viel in einer A- oder B-Situation. Ich glaube, dass die Zukunft eher dazwischen liegt.

Grundsätzlich verfügen unsere Oberflächen – obwohl das ja gedruckte Oberflächen sind – immer über eine Tiefe. Visuelle Tiefe bedeutet immer Wertigkeit und erlaubt stets Nähe.

Welches Projekt hat Sie an schöpferische Grenzen gebracht?

Peter Ippolito lacht: Es gibt immer spannende Konstellationen. Die suchen wir ganz bewusst. Wir sagen im Büro immer: Das liebste Projekt ist das, was wir vorher noch nie gemacht haben. Wir sind hungrig auf neue Erfahrungen und neue Begegnungen.

Je mehr wir Gesellschaften, Lebenswelten, Arbeitsmodelle verstehen und im breiten kulturellen Kontext in Beziehung setzen können, desto interessanter wird unsere Antwort sein. Wenn wir mehr wissen, können wir auch mehr vergleichen.

Wir suchen eher Komplexität, als sie zu verdrängen. Es gibt sicher Konstellationen in Projekten, die sehr fordernd sind, weil man sich in der Kürze der Zeit auf einen neuen Kontext einstellen muss.

Eigentlich sind das die spannenden Momente, weil sie eben Trigger sind, um sich zu reiben und seine eigenen Positionen zu überprüfen. Sie erfordern, sich neu zu orientieren und damit die Dinge in Frage zu stellen, die man sonst immer so macht. Wir laufen nicht mit Sorge durchs Leben, sondern mit Freude, Dinge zu entdecken.

In einem Wohlfühl-Bad sind im Optimalfall Funktionalität und Design im Einklang. Könnten Sie sich vorstellen, auf das eine für das andere zu verzichten?

Grundsätzlich sollte gute Gestaltung immer beides enthalten, keine Frage. Sollte ein Kompromiss verlangt sein, würde die Entscheidung für uns Gestalter tendenziell immer Richtung Design gehen.

Wo sehen Sie, Peter Ippolito, die Zukunft im Bad-Design?

Peter Ippolito: Es gibt Trends in unserer Gesellschaft, die für alles gelten. Ich glaube, dass wir uns in einer Zeit bewegen, in der sich Grenzen auflösen. Das haben wir im Verhältnis Küche zu Esszimmer zu Wohnzimmer gesehen. Und zaghaft war das auch von Badezimmer zu Schlafzimmer erkennbar. Der Stellenwert des Badezimmers als wichtiger Ort in der Wohnung und nicht nur als Funktionsort wird eher noch zunehmen.

Wir haben grundsätzlich eine Sehnsucht nach Natur-Erfahrung. Das wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiterhin ein großes Thema sein: Egal ob das jetzt natürliche Materialien sind oder Materialien, die mit dem Bild arbeiten.

Das Thema Nachhaltigkeit bleibt weiter ein wichtiges Entscheidungskriterium für den Konsumenten. Interaktive Oberflächen dürften eine zentrale Rolle spielen. Gestalterisch wird es alles geben. Und ich kann in Zukunft mein Bad noch mehr auf meine Persönlichkeit zuschneiden lassen.

Wie darf man sich Ihr persönliches Bad vorstellen?

Peter Ippolito: Ich habe mein perfektes Bad, ohne Frage! Wir verfügen über ein sehr großes Badezimmer, das ist immer offen – selbst wenn Gäste kommen. Darin befindet sich eine sehr großzügige Dusche, in der man ausgiebig planschen kann und nicht über einzelne Wasserspritzer nachdenken möchte. Hier kommt eine Regendusche zum Zug, die genug Saft hat, um dich im Regen stehen zu lassen…

Weiter gibt es eine großzügige Badewanne, in der zwei Personen baden können. Drumherum finden sich viele Spiegel. Ich freue mich jeden Morgen darauf, in diesen Raum zu gehen und meinen Tag dort zu beginnen – und ich freue mich darauf, dort meinen Tag zu beenden. Das sind für mich wichtige Momente.

Dieses Interview entstand im Zuge der Zusammenarbeit an neuen Designs von Peter Ippolito für den Hersteller rebado.

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