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Hendrik Tovar

Kein Widerspruch: Villenbau und sozialer Wohnungsbau
Hendrik Tovar

Die Spannbreite seiner Aufgaben könnte nicht größer sein: private Villen auf der einen, sozialer Wohnungsbau auf der anderen Seite. Warum der Architekt Hendrik Tovar beides nicht missen möchte.

Autorin Katharina Feuer

Er sieht aus wie ein Findling. Der rohe Granitblock, der in der Küche der Villa P als Kochinsel fungiert, war nur eines von mehreren Objekten, um die Hendrik Tovar die Villa gebaut hat. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Villa um die Skulptur gebaut

„Der Stein ist tatsächlich so gewaltig in seinen Dimensionen, dass wir das ganze Haus von innen nach außen geplant haben. Wir wollten sicherstellen, dass er und weitere Objekte – dazu gehörten auch noch Hölzer und Stahlskulpturen – gut zur Geltung kommen. Sie sollten im Raum nicht eingequetscht erscheinen. Die Proportionen sollten stimmen“, erzählt der Architekt.

Hinzu kam, dass die Villa P trotz schmalem Grundstück großzügig wirken sollte. Diese Rahmenbedingungen waren zu Beginn der Planungen eine Herausforderung. Wände wurden wie Dominosteine verschoben und neu ausgerichtet, bis sowohl Hendrik Tovar als auch der Bauherr mit dem Ergebnis zufrieden waren.

Bauherren mit eigenen Ideen

„Wir haben Räume geschaffen, die den Möbeln den notwendigen Rahmen geben, sodass man sie als Skulptur wahrnehmen kann.“

Der noch unbearbeitete Granitsteinblock musste bereits im Rohbau eingesetzt werden. Eingerahmt wird er jetzt von großen Fliesen am Boden, den schwarzen Küchenmöbeln und einer rauen Betondecke. Hinter deren runden Aussparungen liegen versteckt die Lichtquellen. Die Beleuchtungskörper bleiben dezent im Hintergrund. Eine weitere Lichtquelle ist der Lichthof, der sich über beide Stockwerke zieht.

Ein versteinerter Baumstamm aus Indonesien dient im WC als Waschbecken. Die Ideen der Bauherren griff Hendrik Tovar gern auf. „Mir macht es Spaß, mit Bauherren zu arbeiten, die ihre Vorstellungen einbringen, und dann zu überlegen, wie man diese verwirklichen kann.“

Hendrik Tovar bewegt sich in Extremen

Seit vielen Jahren realisiert Hendrik Tovar mit seinem Büro auch Projekte für Städte und Gemeinden im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. Die Herausforderung ist hier eine ganz andere: preiswerte, gute Lösungen für Wohnräume zu finden, in denen Menschen sich wohlfühlen können. Dabei muss die Lösung nicht immer Standard sein. Der gelernte Schreiner löst den vermeintlichen Widerspruch zwischen Villen- und Sozialbau auf.

FFM-Architekten experimentieren gern

„Oft stoße ich bei meiner Arbeit für private Bauherren auf neue Ideen, wie beispielsweise die Betondecke in der Villa P. Dann überlege ich, ob das nicht auch eine Option für den sozialen Wohnungsbau ist. Schlussendlich sind wir mit der Betondecke günstiger gefahren als mit einer reinen Putzdecke. Wir experimentieren gern.“ Klar sei aber auch, dass man aus dem Standard nicht immer ausbrechen kann, sondern sich entscheiden muss, worauf man den Fokus legen will.

Keine 08/15-Lösungen

„Klassischer Wohnungsbau heißt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das ist manchmal grenzwertig.“ Dennoch meidet Hendrik Tovar 08/15-Lösungen. Ähnlich verhält es sich bei der klassischen Grundrissplanung. „Wir planen lieber mit einer offenen Küche und halten die Option frei, eine Wand nachträglich einzuziehen. Genauso finden wir es lebenswerter, wenn der Wohnraum mit Essbereich und Küche im Verhältnis zur Gesamtfläche größer ausfällt und verzichten lieber auf Quadratmeter in den einzelnen Zimmern. So hat man wenigstens einen großzügigen Raum.“

Wohnraum als Landschaft

Bei den Villen, die Hendrik Tovar plant, sind die Wohnräume manchmal so groß, dass er sicherstellen muss, dass diese dennoch wohnlich wirken. „Die Kunst ist es dann oft, eine Wohnsituation zu schaffen, in der große Räume nicht kalt und leer wirken.“ Hendrik Tovar vergleicht diese Räume mit Wohnlandschaften, seine Arbeit mit landschaftlichem Entwerfen. Er versteht den Wohnraum als Landschaft und entwickelt diese so weiter, dass sich das Innen mit dem Außen verbindet. Denn besonders im sozialen Wohnungsbau sind die Außen- und Gemeinschaftsflächen wichtig für die Bewohner. Sie dienen als zusätzliche Begegnungsflächen.

Das ist das Spannungsfeld, in dem sich Hendrik Tovar bewegt und der Architekt möchte beides nicht missen. Denn auch wenn es nicht augenfällig ist: Man lernt voneinander.


Foto: FFM Architekten

Hendrik Tovar (Jg. 1965) ist gelernter Bau- und Möbelschreiner und legte sein Diplom für Architektur 1996 an der TU Darmstadt ab. Zusammen mit seiner Frau Cilia Tovar gründete er im Jahr 2000 das Büro FFM-Architekten. Seither arbeiten sie an gewerblichen, privaten und öffentlichen Projekten.

Webseite des Büros

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