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Aktuelle Beleuchtungskonzepte im Büro

Aktuelle Beleuchtungskonzepte im Büro
Licht neu gedacht

Flexible Beleuchtung. Entsprechende Raumkonzepte für Büro- und Wissensarbeit begleiten uns schon einige Jahre, doch die Pandemieerfahrung könnte einen Wendepunkt markieren: für die Bürogestaltung – und für entsprechende Lichtkonzepte.

Autor Martin Krautter

Manchmal geht es ganz schnell: Da sprechen Wissenschaftler und Gestalter seit Jahrzehnten von „New Work“, doch erst das einschneidende Ereignis einer Pandemie löst die wirkliche Disruption im Denken über Büroarbeit und die dazugehörigen Räume aus.

Wenn Millionen von Wissensarbeitern aus dem Homeoffice jetzt langsam wieder in ihre Büros zurückkehren, wird sich ihre Perspektive geändert haben: Sie wissen jetzt, was sie zu Hause vermisst haben – den persönlichen Kontakt, den informellen Austausch, die Inspiration durch die Außenwelt und ihr Gegenüber.

Aber auch, was nicht: uniforme Architektur, Zeiterfassung, starre Strukturen, enge Gestaltungsspielräume. „Das Büro hat sein Monopol auf die Wissensarbeit verloren,“ formuliert es der Vitra-Trendscout Raphael Gielgen.

Nimbus
Foto: © Nimbus Group / Martin Kreuzer

Licht wird zur Software

Er postuliert einen neuen Wettbewerb: Wissensarbeit ist fast überall möglich, „the city is the office“. Neben das daheim treten die noch längst nicht ausgeschöpften Potenziale digitaler und virtueller Räume, die ihre Leistungsfähigkeit während der Pandemie bewiesen haben.

Ein Büro, das weiterhin Mittelpunkt der Wissensarbeit sein will, muss also ein attraktiver, adaptiver, hochflexibler Ort sein. Zugleich muss es sich rechnen – wirtschaftlich und ökologisch. Der Fokus rückt daher vom Neubau immer mehr auf Bestandsflächen, die für die Zukunft fit gemacht werden sollen.

Vor diesem Hintergrund wandelt sich auch die Rolle von Licht im Büro: weg von der von strikten normativen und ökonomischen Überlegungen geprägten Massenware hin zum flexiblen Werkzeug, das Räume immer wieder neu definiert, Aktivitäten unterstützt und Emotionen weckt.

Als immaterielles Medium bildet Licht und seine Gestaltung zunehmend einen Bestandteil der Software eines Gebäudes, die sich situativ umprogrammieren lässt. Neue Beleuchtungskonzepte erfordern auch neue Systeme und Produkte – eine Wechselwirkung, die wir im Folgenden genauer betrachten.

 

Licht
Foto: © Siteco

Grundsätzlich haben es Unternehmen, die als Bauherren für ihre eigenen Arbeitsräume auftreten, natürlich leichter, zu spezifischen Gestaltungsformen bei Interiordesign und Beleuchtung zu finden, als Investoren, die die zukünftigen Nutzer ihrer Büroflächen oft noch gar nicht kennen. Die Lösung der Vergangenheit war, eine durchgängige, möglichst kostengünstige Standardbeleuchtung etwa durch Langfeld- oder Rasterleuchten einzubauen und mitzuvermieten.

Inzwischen setzen Büromieter andere Schwerpunkte. Sie erwarten zum Beispiel eine leistungsfähige Daten- und IT-Infrastruktur im Gebäude, sind aber bereit, die Beleuchtung im Zuge des individuellen Ausbaus selbst zu beauftragen.

So oder so benötigen sie in Anbetracht der vielfältigen Formen, die die Arbeit der Zukunft auch kurzfristig annehmen kann, Beleuchtungssysteme, die Flexibilität auf mehreren Ebenen sowie Funktionalität in neuen Dimensionen bieten.

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Foto: © Jackie Chan für Erco

Veränderung fördern

Auf der Hardwareebene erlebt daher beispielsweise die gute, alte Stromschiene im Büro eine Renaissance: Sie bringt die Stromversorgung wirtschaftlich auf die Fläche – und die Nutzer können Leuchten jederzeit installieren, gruppieren und neu platzieren, ohne dafür die Dienste von Fachleuten in Anspruch nehmen zu müssen.

Das erlaubt es, mit Raum- und Lichtkonzepten kontinuierlich zu experimentieren, ganz gemäß dem Ansatz des „Permanent Beta“, der keinen Zustand als endgültig betrachtet. Insbesondere für solche Konzepte hat Erco spezielle Büroleuchten entwickelt, die eine effiziente, blendfreie und normgerechte Arbeitsplatzbeleuchtung erlauben.

Auf diese Weise kann eine durchgängige Licht-Infrastruktur sowohl Zonen mit klassischer, blendfreier und gleichmäßiger Bildschirmarbeitsplatz-Beleuchtung versorgen als auch Bereiche, die emotional und kontrastreich in Szene gesetzt werden: etwa eine Lounge oder Flächen für Events und Ausstellungen. Dort lassen sich dann Strahler und Pendelleuchten an die Stromschienen montieren, wie es aus Galerien, Läden oder der Gastronomie vertraut ist.

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Foto: © Robert Sprang für Occhio

Flexible Beleuchtung

Während in der Vergangenheit Zonen und Leuchtengruppen als entsprechende Stromkreise bei der Installation hart verdrahtet werden mussten, lassen sich Leuchten heute, im Zeitalter der individuellen digitalen Adressierung auf der Software-Ebene flexibel steuern und verwalten. Dies kann über Busleitungen erfolgen – zum Beispiel mit dem Digital Adressable Lighting Interface Protokoll, kurz DALI, beziehungsweise seiner aktuellen Weiterentwicklung DALI 2.

Noch weniger Installationsaufwand benötigt eine drahtlose Vernetzung auf Basis von Funkstandards wie Zigbee oder Bluetooth, das als offener Standard Bluetooth-Mesh, aber auch als proprietäres System wie das populäre Casambi die Lichtsteuerung übernimmt.

Es liegt auf der Hand, dass gerade die Kombination einer flexiblen physischen Infrastruktur wie Stromschienen mit einer drahtlosen, individuell adressierbaren und programmierbaren Lichtsteuerung der Lichtgestaltung im Büro ganz neue Dimensionen eröffnet: niedrigschwellig, adaptiv und energieeffizient.

Biophilic Design
Foto: © ERCO / Matt Devlin

Bürolandschaft von morgen

In diese offene, flexible Beleuchtungslandschaft fügen sich andere Office-Trends wie Puzzlesteine nahtlos ein: zum Beispiel Elemente eines „Biophilic Design“ wie großzügige Pflanzkübel oder sogar „Green Walls“, die natürlich besondere Ansprüche an die Beleuchtung stellen.

Damit das Grün im Büro gedeiht und zugleich einen attraktiven Anblick bietet, sind hervorgehobene Beleuchtungsstärken notwendig, am besten erzeugt mit LEDs, die ein sonnenlichtähnliches Vollspektrum abgeben. Ihr Licht enthält die für die Photosynthese wichtigen Wellenlängen und gibt die Farbtöne der Pflanzen optimal wieder.

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Foto: © Stephan Baumann für Artemide

Hersteller wie Artemide und Occhio kombinieren abgehängte Akustikelemente mit Beleuchtung und lösen somit zwei Probleme auf einen Streich. Mobile, akkugespeiste Leuchten, wie sie unter anderem Nimbus anbietet, animieren zum kreativen Umgang mit Arbeits- und Raumsituationen. Geschäftsmodelle wie Licht-Leasing (Stichwort „Lighting as a Service“) haben bereits Erfolg in Anwendungsfeldern, wo große Flächen einheitlich beleuchtet werden, wie Industrie- und Lagerhallen. Sie könnten sich aber mittelfristig auch im Büro etablieren und dort der physischen und digitalen Flexibilität eine weitere, finanzielle Dimension hinzufügen.

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