Home » Themen » Lighting »

Museum Ernst Barlach Haus in neuem Licht

Lichtplanung für Museum Ernst Barlach Haus, Hamburg
Subtile Kontraste

Neues Licht, effizient und adaptiv, technologisch hochmodern – aber formal streng der erhaltenswerten Gestaltung der Originalarchitektur des Museums Ernst Barlach Haus untergeordnet: Ein Balanceakt, den das Lichtplanungsbüro Licht01 glänzend bewältigte.

Autor: Martin Krautter

Zwischen alten Bäumen, eingebettet ins Grün des Jenisch-Parks am Hamburger Elbufer, steht mit dem Ernst Barlach Haus ein Kleinod der deutschen Nachkriegsmoderne.

Den flachen weißen Quader, dessen Eingangsfront wenig über sein Inneres preisgibt, gliederte sein Architekt Werner Kallmorgen (1902–1979) in eine überraschend abwechslungsreiche Folge von Sälen und Galerien um einen zentralen – erst später überdachten – Innenhof.

1962 hatte Hermann F. Reemtsma den späteren Architekten des Spiegel-Hochhauses mit dem Bau eines Museums für seine Barlach-Sammlung beauftragt. Seitdem locken Veranstaltungen, Dauer- und Wechselausstellungen die kunstinteressierten Besucher.

Licht01
 Foto: Andreas Weiss

Atmosphäre, geprägt vom Tageslicht

Im vergangenen Jahr vollendete das Büro Licht01 aus Hamburg die anspruchsvolle Aufgabe, die gesamte Beleuchtung des Museums zu sanieren, dabei aber die originalen Deckenstrukturen der Säle weitestgehend zu erhalten. Wie gut dies gelang, würdigte die Nominierung des Projekts für den deutschen Lichtdesign-Preis 2020.

Das Tageslicht, das den verschiedenen Räumen jeweils eine individuelle Stimmung verleiht, war ebenso eine Herausforderung für die Planer wie die vorgegebenen Leuchtenpositionen und begrenzten Einbauräume.

Ernst Barlach Haus
 Foto: Andreas Weiss

Ernst Barlach Haus: Eingebettet in die Parklandschaft

Der Museumsbau trägt – ganz hanseatisch – „den Nerz nach innen“: Eine schmucklose Wand aus weiß gestrichenem Mauerwerk bildet die Eingangsfront, nur durchbrochen vom kantigen Portal mit seiner dunkel abgesetzten Laibung. Erste Einblicke gewährt die nach Süden zum Park ausgerichtete Glasfront.

Ernst Barlach Haus
 Foto: Andreas Weiss

Im Zentrum: Der Lichthof

Die Säle und Galerien des Museums gruppieren sich um das Atrium, das nachträglich überdacht wurde und so zusätzliche Ausstellungsfläche bietet. Seine Hauptaufgabe ist aber die natürliche Belichtung der Räume: Bodentiefe Verglasung lässt das Tageslicht als Seitenlicht einströmen, was jedem Raum je nach Ausrichtung einen individuellen Charakter gibt. Durch Ebenenversprünge und den großzügigen, aber maßstäblichen Zuschnitt der verschiedenen Säle entsteht eine überraschend abwechslungsreiche Raumfolge, die den Kuratoren viel Spielraum bei der Werkpräsentation bietet.

Tageslichtplanung
Foto: Andreas Weiss

Tageslicht bedingt „Tunable White“

Die starke Präsenz des Tageslichts führte die Planer zu der Entscheidung, die künstliche Beleuchtung durchgängig mit LED in „Tunable White“ Technologie, also mit variabler Farbtemperatur, auszustatten. Eine Wetterstation auf dem Dach steuert die dynamische Anpassung von Helligkeit und Farbtemperatur der Beleuchtung an die wechselnde Außenlichtsituation. Als kritisch für den Erfolg des Projektes erwies sich die Suche nach einem Hersteller, der verschiedene Bauformen wie Einbauleuchten und Strahler mit einheitlicher „Tunable White“ Lichttechnik liefern konnte, um störende Differenzen beim Farbort zu vermeiden.

Licht01
Foto: Andreas Weiss

Lichtkuppeln und Leuchten kombiniert

In diesem Saal mit seinem Raster aus kreisrunden Oberlicht-Kuppeln und kleinen Deckeneinbauleuchten wird die Komplexität der Aufgabe für die Lichtplanung im Ernst Barlach Haus besonders deutlich, moderne Museumsbeleuchtung mit den Vorgaben der originalen Licht- und Deckengestaltung zu kombinieren: Denn zusätzliche Stromschienen waren aus denkmalpflegerischen Gründen keine Option. Jetzt ergänzen steck- und justierbare Sonderleuchten in den Abdeckrastern der Oberlichter die in die vorhandenen Deckenöffnungen eingebauten, kompakten LED-Leuchten um die Möglichkeit, Ausstellungen mit gerichtetem Licht individuell zu inszenieren.

Museumsbeleuchtung
Foto: Andreas Weiss

Individuelle Lösungen für jeden Saal

Für den Sonderausstellungsraum entwickelte die Lichtplanung  ein Konzept, das gestalterisch an den Oberlichtsaal anknüpft, aber komplett auf Kunstlicht beruht: Hier bilden flächige, kreisrunde Lichtdeckenelemente ein Raster zur weichen Allgemeinbeleuchtung. Filigrane, versenkbare Multifunktionsleuchten mit Wechseloptiken (15° bis 80°) werden bei Bedarf aus der Decke herausgezogen und ausgerichtet, um Exponate in der Raummitte mit gerichtetem Licht zu modellieren.

Homogene Wandflutung
Foto: Andreas Weiss

Homogene Wandflutung als durchgängiges Element

Neben den erwähnten Multifunktionsleuchten setzten die Planer von Licht01 einen weiteren Leuchtentyp in bestehende und neue Deckeneinbauringe: Spezielle Wallwasher, ebenfalls mit Tunable White Technologie ausgestattet, erfüllen in allen Räumen die musealen Anforderungen an homogene Wandflutung.

Ernst Barlach Haus
Foto: Andreas Weiss

Die Essenz der Beleuchtung

Frisch und leicht, licht und luftig: So präsentiert sich das neu beleuchtete Ernst Barlach Haus ganz im ursprünglichen Sinne des Entwerfers Werner Kallmorgen. Das Projekt zeigt, dass – planerische Intelligenz und engagierte Bauherren vorausgesetzt – zeitgemäßes LED-Licht die Essenz von erhaltenswerter Bestandsarchitektur sogar klarer herausarbeiten kann, als es die limitierte Technik der Entstehungszeit erlaubte.

Fakten:

Standort: Jenischpark, Baron-Voght-Straße 50 A, 22609 Hamburg

Bauherr: Ernst Barlach Haus – Stiftung Hermann F. Reemtsma, www.hermann-reemtsma-stiftung.de

Architekt Bestand: Werner Kallmorgen

Architekt Umplanung: Prenzlow Architekten, Schmalensee

Lichtplanung: Licht01 Lighting Design, Hamburg www.licht01.de

Produkte: Technische Beleuchtung Ausstellungsräume (Wandfluter, Multifunktionsleuchten, Sonderanfertigungen): Zumtobel

Steuerung: Zumtobel

Sonstige Hersteller: Peters Leuchten, Rentex mit Lumitech, Erco

Mehr zum Thema Lighting

 

Anzeige
Top-Thema
Anzeige

Neueste Beiträge
Titelbild md 4
Ausgabe
4.2021 kaufen
EINZELHEFT
ABO

Architektur Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Architektur-Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Medien GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum arcguide Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des arcguide Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de