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Jean Verville

Wohnhaus und Studio MSO von Studio Jean Verville architectes
Inszeniertes Wohnen

Das Projekt MSO ist halb Wohnhaus, halb Theaterbühne für die Bauherren, die beide Schauspieler sind. Architekt Jean Verville inszeniert die Wohnbühne mit reduziertem Materialeinsatz, monochromer Farbgebung und natürlichem Licht.

Der Architekt Jean Verville erkundete die Welt seiner Bauherren, in der Architektur, Theater und Spieltrieb zusammenkommen. Sein hybrider Entwurf für das Wohnhaus und Studio MSO (Mani, Sophie, Oscar) fordert die Sinneswahrnehmungen heraus. Die Grenzen der dreidimensionalen Form werden durch Licht und Schatten überschritten, die Wohnräume von der Realität befreit.

Jean Verville Architectes
Foto: Félix Michaud + Studio Jean Verville Architectes

Wohnhaus MSO als Bühne

Die Schauspieler Sophie Cadieux und Mani Soleymanlou wünschten sich für ihre Familie ein kreatives Universum, einen Lebensraum, in dem ihre Persönlichkeiten, ihre besonderen Bedürfnisse und die tägliche Realität der beiden Künstler und ihres Sohnes Oscar Platz finden. Im Inneren eines schmalen Hauses, das in einem Wohnviertel von Montréal liegt, entfaltet sich nun eine szenografische Bühne über die gesamte Höhe des Gebäudes.

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Foto: Félix Michaud + Studio Jean Verville Architectes

Räumliche Neuorganisation

Die räumliche Neuorganisation, die den Bedürfnissen des Familienlebens gerecht werden muss, diese aber auch zeitweise zurücknimmt, um eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die Konzentration und Kreativität stärkt, verbirgt die Funktionen in einer Abfolge von geordneten Volumina.

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Foto: Félix Michaud + Studio Jean Verville Architectes

„Aber wo ist mein Zimmer?“, Oscar

Ziel war es, ein effektives Zusammenspiel von häuslichen und beruflichen Aktivitäten zu erreichen. Das Haus soll mit seiner räumlichen Aufteilung das Familienleben unterstützen und ein gewisses Maß an individueller Privatsphäre bieten. Auf der anderen Seite will der Architekt Jean Verville eine Abschottung bewusst vermeiden, um das Gefühl der Einheit des Gebäudes besonders in der vertikalen Entfaltung zu festigen.

Jean Verville Architectes
Foto: Félix Michaud + Studio Jean Verville Architectes

Kern des Wohnhauses

Um die Eingriffe in das bestehende Gebäude zu minimieren, wird durch die gezielte Wegnahme von Geschossteilen der Kern des Hauses  frei, um den neuen vertikalen Verlauf aufzunehmen. Eine über zwölf Meter hohen Stahlkonstruktion im Inneren des Gebäudes bildet den zentralen Raum. Dieses Zentrum hebt die ursprüngliche dreigeschossige Hierarchie des alten Gebäudes in einer dynamischen Segmentierung auf. Allmählich entfalten sich so über die drei Etagen des Hauses zehn vielseitige, multifunktionale Plattformen. Diese zehn szenischen Pausen – Zwischenebenen – etablieren eine neue räumliche Organisation.

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Foto: Félix Michaud + Studio Jean Verville Architectes

Perforierte Stahloberflächen

Der metallischen Struktur des Kerns mit perforierten Stahloberflächen und -wänden wird eine Reihe von Bühnen und erhöhten Plattformen gegenübergestellt – manchmal bietet sie eine kleine Szene des Alltags, manchmal einen Sitzplatz. Es sind fließende Grenzen zwischen diesen privaten Räumen bei gleichzeitiger visueller Durchlässigkeit. Die Monochromie der Grautöne verbindet das Ganze wieder zu einer monolithischen Einheit. 

Funktionale Anpassungsfähigkeit

Das neue System der räumlichen Organisation erfüllt die Forderung der Bauherren nach funktionaler Anpassungsfähigkeit bei gleichzeitiger Minimierung des Bedarfs an Möbeln.

Jean Verville Architectes
Foto: Félix Michaud + Studio Jean Verville Architectes

2,5 mal 2,5 Meter großes Oberlicht

Fragmentiert durch Metallschirme und niedrige Wände, bieten szenischen Pausen, neue Blickwinkel durch den Raum und neue Perspektiven auf die Anwesenheit anderer. Die imposante Metallkonstruktion, die auch die Statik des Hauses festigt, wird von einem 2,5 mal 2,5 Meter großen Oberlicht gekrönt, das das natürliche Licht im Gebäudeinneren maximiert, indem es bis in das Erdgeschoss gestreut wird.

Jean Verville Architectes
Foto: Félix Michaud + Studio Jean Verville Architectes

Projektionen der Schatten

Das von den Metalloberflächen und -wänden gefilterte Licht vervielfacht die Projektionen der Schatten, die geworfen werden. Der wird durch grafische Linien markiert, die ihre Präsenz den räumlichen Grenzen entgegensetzen und einen kontinuierlichen Tanz von geometrischen Schatten bieten, die auf der monochromen Leinwand spielen.

Der Entwurf für das Wohnhaus ist ausdrucksstark und versammelt Volumen, Licht  und Schatten, um den Ort in eine geheimnisvolle Aura zu hüllen, die zur Theatralik des vorgeschlagenen Experiments beiträgt.

Architekt Jean Verville, Ph. D. Kunst

Jean Verville, Architekt und Professor an der School of Architecture der Universität Laval, setzt in seiner beruflichen Praxis wie auch in seiner Lehrtätigkeit auf Spiel, Humor und Selbstironie. Als spielerischer Schöpfer präsentiert er mit offensichtlicher Leichtigkeit und Ungezwungenheit seine Gedanken über die Beziehungen zum häuslichen Raum sowie über die Rolle und die Fähigkeit der Architektur, das tägliche Leben zu verändern.

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Foto: Félix Michaud + Studio Jean Verville Architectes

Das Fotoprojekt

Während des gesamten Prozesses des Foto-Shootings übernehmen die Bauherren den spielerischen Ansatz des Architekten mit Leidenschaft, Strenge und Sensibilität. Unterstützt von der Architektin Tania Paula Garza Rico, Leiterin seines gleichnamigen Studios, kreiert Jean Verville skurrile Inszenierungen. Vor der Linse des Fotografen lassen sich die Architekten und ihre Kunden mit Enthusiasmus, Humor und Unvorhersehbarkeit auf diese Übung ein. Mit dem Rohmaterial führt Jean Verville digitale Manipulationen durch, um Bilder zu produzieren, die Fragen über die illusorische Banalität der Bewohnbarkeit aufwerfen.

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Fakten

Projekt: Wohnhaus und Studio MSO

Standort: Montréal, Kanada

Fertigstellung: 2020

Architektur/Innenarchitektur: Studio Jean Verville architecte, www.jeanverville.com

Bauherren: Sophie Cadieux und Mani Soleymanlou

Fläche: 147 m2

Fotos: Félix Michaud + Studio Jean Verville Architectes

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