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Hotel Parco dei Principi in Sorrent/Italien

Ponti am Mittelmeer

Fünf-Sterne-Hotel in Blau und Weiß: Das ‚Parco dei Principi‘ von Gio Ponti wurde Anfang der 1960er in Sorrent eröffnet und wird bis heute im Original betrieben. Allein der Entwurf ist Luxus pur. Ein Gesamtkunstwerk für Architekturbewusste.

Autorin Cecilia Fabiani

Kein Zweifel – das Hotel von Gio Ponti in Sorrent ist eine kleine Überraschung. Hoch über dem Meer thront es als Gesamtkunstwerk des Altmeisters der italienischen Architekturmoderne. Klare Kante direkt am steilen Tuffstein-Kliff.

Wer sich dem 45 km südwestlich von Neapel gelegenen Mittelmeerstädtchen vom Golf von Sorrent her nähert, legt unten am Hafen an und überwindet die 50 m Höhenunterschied zur Altstadt mit einem Kleinbus in nur wenigen Fahrminuten.

Die einmalige Aussichtslage zog schon Griechen, Römer und Normannen an. Und die italienhungrigen Reisenden aus dem Norden: Sorrent lag auf der Grand Tour der gebildeten Stände und avancierte ab dem 19. Jh. zur Traumdestination am Mittelmeer.

Und weil seit Alters her das Auge vom Felsen aus über die Inseln Capri und Ischia schweift, an Neapel hängen bleibt und dem Vesuv, begeisterte sich auch der internationale Jetset in den 1960er-Jahren für die Postkarten-idylle. Heute gibt sich Sorrent als Hochzeitsparadies. Paare aus der ganzen Welt lieben die romantische Kulisse mit den Zitrusgärten, den noblen Villen und Hotels in Panoramalage. Auch das Hotel von Gio Ponti bedient da alle Klischees.

Fast alles im Original

Umweht von einer leichten Brise und vom Zitronenduft betört, erreicht der Gast das Gartentor des legendären Hotels Parco dei Principi, was wörtlich so viel heißt wie „Park der Prinzen“. Seine Geschichte ist interessant; Jesuiten, italienische und russische Adelige bauten auf dem 27 000 m2 großen Gelände, bis der neapolitanische Unternehmer und Ingenieur Roberto Fernandes 1959 das Grundstück erwarb und Maestro Gio Ponti (1891–1979) einlud, ein Hotel darauf zu errichten. Es entstand am Steilhang auf den Trümmern einer unvollendeten Datsche, bereits 1962 erfolgte die Eröffnung.

Vom Eingang des Parks mit seinen seltenen Pflanzen und gepflegten Gartenanlagen passiert der Gast Gebäude unterschiedlicher (Stil-)
Epochen, bis er zur Rückfassade des Ponti-Baus mit dem Hoteleingang gelangt. Spätestens dort eilt ihm der Hotelpage entgegen; Schließlich handelt es sich um ein elegantes 5-Sterne-Haus mit Blick aufs Meer.

Dann, beim Betreten der großzügigen Halle, die mit der Panoramaterrasse zu einer Einheit verschmilzt, die Überraschung: Die Inneneinrichtung ist komplett im Originalzustand erhalten. So etwas ist selten. Und noch seltener findet man so etwas bei Restaurants oder öffentliche Bauten, deren Nutzung und Mieter oft wechseln.

Im Parco dei Principi reicht ein einziger Schritt, und man taucht tief in die 1960er-Jahre ein. Meine Begeisterung ist groß. Ob das allen Gästen so geht? Der zurückhaltende Page verrät: „Die meisten Gäste sind bezaubert, manche wissen genau, was sie erwartet: Architekten, Intellektuelle, Künstler. Es gibt aber auch ahnungslose Gäste, die von einem 5-Sterne-Hotel einen zeitgemäßen Standard und opulente Möblierung erwarten.“ Für Design-, Kunst- oder Architekturliebhaber ist das schwer zu verstehen.

Gerade die zeitliche Distanz macht den Aufenthalt heute so spannend. Pontis Entwurfskonzept schloss Oberflächen, Möbel und Textilien gleichberechtigt ein und jedes Detail – ein wahres Gesamtkunstwerk.

Zwei Themen spielte der große Architekt in Sorrent durch: das blau-weiße Farbenspiel und die Form des Diamanten. Beide Motive ziehen sich von der Fassade über die Halle bis in die Gastzimmer durch. In der Halle ließ Ponti farbige Fliesen zu „Teppichen“ verlegen, das gleiche Format von 20 x 20 cm verwendete er in den 100 Gastzimmern, doch ganzflächig und in Blau und Weiß. Dabei kombinierte er 30 Dekore, was ihm ein variantenreiches Spiel ermöglichte.

„Der Fußboden ist für Ponti ein Ort. Oder ein See? Und ist das Schwimmbad nicht auch ein See? Ein See der entworfen wurde. So lässt Ponti (…) in Sorrent Geometrie und Zufall zusammen spielen“, schreibt die Journalistin Lisa Ponti, Tochter des Maestro. Heute werden die von Ponti speziell für das Hotel entworfenen und seinerzeit von Fornaci d’Agostino hergestellten Fliesen von der Firma Francesco de Maio neu editiert.

Blau, immer im Wechsel mit Weiß, waren dem Architekten wichtige Farben. Sie begegnen dem Gast in der Halle auf den keramischen Wandverkleidungen des Künstlers Franco Melotti; oder auf den runden Keramiksteinen der Firma Joo an Bar und Rezeption, auf Teilen der Möblierung aus Laminat und Holz, Toilettentischen mit Schminkspiegel, Abstelltischen und Kleinmöbeln, Polster- stühlen, Sofas und Sesseln, Betthäuptern und den Wanddekoren.

Dazu die Form des Diamanten, die Ponti in den 1950er- und 1960er-Jahren als vollendete Form betrachtet und viel verwendet. Man denke an dem Pirelli-Bau vor dem Mailänder Bahnhof oder an die Kirche San Francesco al Fopponino, ebenfalls Mailand, oder an sein Spätwerk, den Dom in Taranto. In Sorrent setzt Ponti den Diamanten für die Fassade, die Balkone sowie für Dekore im Innenraum ein.

Stil alla Ponti

Ponti ist in Sorrent fast 70 Jahre alt, sein Werk ist reif. Trotzdem ist es aus mehreren Gründen schwierig, seine Arbeit einzuordnen; er hat lange gewirkt und war sehr schaffensfreudig. Er hat verschiedene Epochen durchlaufen und seinen Stil mehrmals umgeformt, weiterentwickelt, verändert. Pontis Werk als Architekt, Designer und Innenarchitekt reicht vom Art Deco bis zur Moderne, führt uns vom 19. ins 20. Jh.

Schon 1928 gründet er die Zeitschrift Domus und ist als Talentscout aktiv. Er gilt als der erste Art Director überhaupt und entwickelte einen neuartigen Stil der Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Richard Ginori. Ponti liebt das Handwerk, spielt mit dem Ornament, entwirft aber auch erfolgreiche Serienprodukte und beweist Intuition. Sein Stuhl ‚Superleggera‘ ist heute noch ein Longseller bei Cassina. Obwohl schwer einzuordnen – sein Stil ist unschwer erkennbar: „alla Ponti“.

Wie auch der Steg und die Bäder am Meer oder das skulpturale Schwimmbad neben dem Hotel. Der Sprungturm, der aus dem Wasser emporwächst und nicht vom Beckenrand, wirkt heute wie damals ultramodern. Leidenschaft und Freude beschreiben Pontis Haltung gegenüber dem Entwurf am treffendsten. Beides ist genau das, was er auch in den Betrachtern hervorruft.

Webseite des Hotels

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Hotel Parco dei Principi in Sorrento/Italy

Ponti on the Mediterranean

A five-star hotel in blue and white. Parco die Principi, designed by Gio Ponti, was opened in Sorrento in the early 1960s and has been in operation in its original state up to the present day. The design alone is pure luxury. A gesamtkunstwerk for all architecture aficionados.

Author: Cecilia Fabiani

Doubtlessly Gio Ponti’s hotel in Sorrento is something of a surprise. It is a gesamtkunstwerk of the old masters of Italian modern architecture, towering high above the sea. It is situated sharp on the edge directly at the steep tufa cliff.

If you approach the small Mediterranean town on the Gulf of Sorrento,
45 km south of Naples, you dock down at the port and will only need a few minutes with a small bus to negotiate the 50 m of difference in altitude up to the historical center.

Even the Greeks, the Romans and the Normans were attracted by the unique view. And, of course, the travelers from the north yearning for Italy. Sorrento was a place to stay on the Grand Tour of the educated classes, and from the 19th century onwards it developed into the dream destination on the Mediterranean.

And because since time immemorial your eyes gaze from the rock across the islands of Capri and Ischia, getting caught at Naples, the international jet set of the 1960s, too, was fascinated by the picture-perfect idyll. Today Sorrento poses as a wedding paradise. Couples from all over the world love the romantic backdrop with its citrus-fruit orchards, exclusive villas and hotels in prime locations with panoramic views. Gio Ponti’s hotel, too, confirms all clichés.

In the whiff of a gentle breeze and bewitched by lemon scent, visitors reach the garden gate of the legendary Parco dei Prinzipi hotel, literally translating to “park of the princes”. It has an interesting history. Jesuits, plus Italian and Russian aristocrats had erected their very own buildings on the 27,000 m² site, until Roberto Fernandes, an entrepreneur and engineer from Naples, bought the plot in 1959 and invited Gio Ponti
(1891 – 1979) to erect a hotel here. It was created on the steep slope on the ruins of an unfinished dacha and was opened as early as 1962.

Visitors entering the park with its rare plants and well-tended gardens then pass buildings in various (style) epochs until they reach the Ponti building’s rear façade with the hotel entrance. Here, at the latest, the pageboy will hurry to meet guests. This is, after all, an elegant five-star hotel with a
view of the sea.

When guests then enter the generously dimensioned hall, fusing with the panoramic terrace to form a homogeneous unit, they will be faced with a surprise. The interiors have been preserved completely in their original condition. This is very rare. And it is even rarer that you will encounter this in a restaurant or a public building where users and tenants often change.

At Parco dei Principi one single step is enough to be deeply immersed in the 1960s. I am deeply impressed. Will all the guests feel like this? The reserved pageboy reveals: “most visitors are enchanted, and some know exactly what awaits them – they are architects, intellectuals or artists. But there are also guests who don’t have a clue and who expect contemporary standards and opulent furnishings in a five-star hotel,” which is difficult to understand for lovers of design, art and architecture.

It’s exactly this temporal distance that makes staying here today so fascinating. Ponti’s design concept included surfaces, furniture, fabrics on an equal basis and he integrated each and every detail – a true synthesis of all arts.

The great architect acted out two themes in Sorrento: a play with colors in blue and white and the shape of the diamond. Both motifs pervade the building from the façade to the hall and the guest rooms. In the lobby, Ponti had specified that colored tiles should be laid as “carpets”. He used the same format of 20 x 20 cm in the 100 guest rooms though here in a wall-to-wall fashion and in blue and white. In doing so, he combined 30 decors, achieving a multi-faceted play of patterns. “For Ponti, the floor is a location. Or a lake? And isn’t the swimming pool also a lake? A lake that has been designed. Following this idea, Ponti lets geometry and chance play together in Sorrento”, writes journalist Lisa Ponti, the daughter of the maestro. Now the tiles, specifically designed by Ponti for the hotel and in those days manufactured by Fornaci d’Agostino, recreated
and produced by the Francesco de Maio company.

For the architect, blue – always alternating with white – was an important color. Guests will encounter both colors in the lobby where they are used in the ceramic wall claddings by artist Franco Melotti, or on the round ceramic stones made by Joo in the bar and the reception area, on parts of the laminate and wood furniture, the dressing tables with vanity mirrors, the side tables and small furniture, the upholstered chairs, sofas and easy chairs, the beds’ headboards and wall decors.

In addition there is the shape of the diamond, regarded by Ponti as the perfect form in the 1950s and ‘60s, a shape he often used. Just think of the Pirelli Tower in front of Milan‘s main station or the San Francesco d’Assisi al Fopponino church, also in Milan, or one of his late works, the cathedral in Taranto. In Sorrento, Ponti used the diamond for the façade, the balconies and the decors in the interior.

Style alla Ponti

When Ponti designed the hotel in Sorrento, he was almost 70 years old, and his work is mature. But it is nevertheless difficult to classify his work for several reasons. He had a long working life and was very prolific. He witnessed various eras and transformed, developed and changed his style several times. Ponti’s work as an architect, designer and interior designer spans a time from art deco to modernity and leads us from the 19th into the 20th century. Already back in 1928 he founded the Domus magazine and was a talent scout. He is regarded as the first art director in history, and he developed an innovative style of cooperation with companies like Richard Ginori. Ponti loves craftwork, plays with ornaments, but he also designs successful serial products and demonstrates intuition. His ‘Superleggera’ chair is one of Cassina’s long sellers even today. His style may be difficult to classify but is it easy to detect – it’s simply “alla Ponti”.

This also applies to the pier and the pools by the sea or the sculptured swimming pool adjacent to the hotel. Today as in the past, the diving board that rises out of the water and not from the edge of the pool has an ultra-modern look. Passion and joy are the most accurate expressions that describe Ponti’s attitude to design. And these are exactly the two emotions his work arouses in the beholder.


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