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Schwarze Kiste

Erweiterung Hotel Bühelwirt, St. Jakob im Ahrntal / Italien
Schwarze Kiste

In Südtirol haben Pedevilla Architekten in dörflicher Bergidylle einen Hotelanbau für den Bühelwirt entworfen. Ihre Zutaten: ein Monolith mit schwarzer Holzfassade, ein ornamentloses Interior, einheimische Materialien und – grandiose Panoramen. Ein Besuch im Ahrntal.

Autorin Claudia Simone Hoff

Die Lage ist abgeschieden. Von Bruneck kommend fährt man durchs Pustertal und dann weiter ins Ahrntal. In St. Jakob nimmt man eine steile Straße, die Kirche auf 1200 Metern Höhe als Fixpunkt in Sicht. Gleich nebenan steht ein weiß getünchter Bau mit braunen Holzbalkonen, wie es hier viele gibt: das Hotel Bühelwirt. Die Überraschung versteckt sich hinter dem Bestandsbau im Norden des Grundstücks: ein schwarzer Monolith, entworfen vom Südtiroler Büro Pedevilla Architekten.

Ecken und Kanten

Erst aus der Entfernung sieht man, wie groß der im Juni 2017 fertiggestellte Anbau des Bühelwirt wirklich ist: 3200 m² Nutzfläche verteilt sich auf sechs Geschosse. Das Raumprogramm: Ein Restaurant, zwanzig Zimmer sowie ein Wellnessbereich mit Sauna und Ruheraum, der in einen kleinen Garten mündet. Um das Gebäude nicht zu massiv wirken zu lassen, entschied man sich für eine Verkleidung aus schwarzem Lärchenholz. Zwar sind im Ahrntal die Scheunen traditionell aus braunem Holz gefertigt, das im Laufe der Zeit stark nachdunkelt, doch der Aufruhr im Ort war trotzdem groß: „Unser Anbau wurde hier im Tal kontrovers diskutiert“, erzählt Bauherr Matthias Haller, der vor sechs Jahren ins Hotelbusiness eingestiegen ist. Er sagt aber auch, dass, wenn man den Menschen die Idee dahinter erkläre, fast jeder begeistert sei. Der Wunsch von Haller und seiner Frau Michaela Nöckler, die das Hotel 2008 von ihren Großeltern übernommen hat und seither nur wenige gestalterische Eingriffe wagte: ein Haus mit nachhaltiger Nutzung und lebendige Materialien. „Das Gebäude soll durch seine Nutzung über die Jahre in seiner Ästhetik und Erscheinung reifen und dabei an Emotionalität gewinnen“ – so beschreibt Armin Pedevilla das Konzept. Für die Bauherren war es ebenfalls nicht ganz leicht, sich auf die Architekten und ihre kompromisslosen, durchdachten Ideen einzulassen, gibt Haller zu.

Auch im Inneren ist der Bruch zwischen Alt- und Neubau frappant. Das Entree mit kleiner Rezeption und altem Gastraum wirkt beinahe wie aus der Zeit gefallen. Beide Räume wurden im Zuge des Umbaus nur um wenige moderne Möbel ergänzt, sodass sichtbar bleibt, wo das Alte endet und das Neue beginnt. Der neue Gastraum ist die unsichtbare Schwelle, die einem ein schönes Aha-Erlebnis beschert. Weit öffnet sich der Raum, der karg ausgestattet ist und dennoch behaglich wirkt. Von den Architekten entworfene und vom Tischler maßgefertigte Stühle, Bänke und Tische interpretieren die traditionelle Südtiroler Stube und kommen dabei ohne Ornamentik aus. Die Stimmung des Raums entsteht durch die Lebendigkeit des hellen Lärchenholzes und auch durch seinen Geruch.

Ergänzt wird die sinnliche Erfahrung durch Sitzkissen aus braunem Leder, die mit der Zeit eine schöne Patina annehmen, sowie Loden vom Südtiroler Hersteller Moessmer, aus dem auch die Vorhänge gemacht sind. Die Materialien sind einfach und hochwertig, genau wie das Essen, das im Gastraum serviert wird.

Das Vertrauen in die Architekten hat sich jedenfalls gelohnt, wie man an den Gästezimmern ebenfalls sehen kann, von denen es verschiedene Kategorien gibt. Hier setzen sich die Materialien aus dem Gastraum fort, will heißen: helles Lärchenholz überall.

Brüche und Brechungen

Im Bad hat man sich für die praktische Lösung entschieden und auf dem Boden hellen Terrazzo verlegt. Neben der Regendusche sind Kleiderhaken aus Kupfer angebracht, die gut mit Harry Thalers Leuchten korrespondieren. Sämtliche Leuchten im Neubau stammen von dem Südtiroler Designer, der dafür seinen Entwurf ‚Cono‘ abgewandelt hat und mit dem warmen Material an das nahegelegene Kupferbergwerk erinnern will.

Nur In einigen Zimmern gibt es den Luxus frei stehender Badewannen. Doch allen gemein ist die Sitznische am Panoramafenster, die mit Polster, Decken und Kissen zur Loungezone wird. Überraschenderweise ist die Tür zum Balkon, der eher ein Austritt mit schöner Aussicht ist, komplett aus Holz gefertigt – aus Wärmeschutzgründen, wie der Hausherr sagt.

Das Hotel Bühelwirt ist kein Luxushaus, es ist gedacht für Gäste, die gern draußen sind, die Natur erkunden, auf Wanderschaft gehen, das Einfache schätzen. Während Haller und Nöckler ihre auf 1800 m Höhe liegende Almhütte in Prettau gerade erst renoviert haben und touristisch nutzen möchten, ist für Erholung auch im Bühelwirt gesorgt. Der Wellnessbereich befindet sich im Erdgeschoss des Anbaus, setzt sich draußen fort mit einer Grünfläche und einer kleinen Terrasse mit Liegestühlen. Fast noch schöner vom (finnischen) Saunagang erholen kann man sich im angeschlossenen Ruheraum, in dem sich das Motiv der Fenstersitznischen wiederholt.

Pedevilla Architekten bauen stets mit starkem Bezug zum Ort. Die bestimmenden Parameter bei diesem Projekt: die Berge, das raue Klima, die ländlichen Strukturen, die überraschenden Panoramen. Entstanden ist ein monolithisches Gebäude, das mit seinem asymmetrisch aufgesetzten Satteldach und der schwarz lasierten Fassade robust wirkt, sich aber nicht in den Vordergrund spielt. Auch deshalb, weil die Architekten traditionelle Handwerkstechniken und Materialien als Referenzen nutzen und kontemporär umsetzen. Seit es den neuen Anbau gibt, kommen viele Architekten zu Besuch, weshalb sich die Gästestruktur des Hotels komplett verändert hat: „Nun stehen manchmal ziemlich große Autos vor der Tür“ erzählt uns Haller zum Abschied und lacht.

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Pedevilla Architektendas sind die Brüder Armin (links) und Alexander Pedevilla, die 2005 ein eigenes Büro gründeten. Sie arbeiten von Bruneck aus mit sechs Mitarbeitern für öffentliche und private Auftraggeber. Für Aufsehen sorgte ihr unkonventionelles Ferienhaus in Pliscia.

Das Interview mit Pedevilla Architekten finden Sie hier


Factsheet

Projekt: Bühelwirt
Standort: St. Jakob im Ahrntal, Südtirol / Italien
Bauherr: Michaela Nöckler und Matthias Haller
Bauaufgabe: Erweiterung Hotel
Fertigstellung: 2017
Grundstücksgröße: 1 200 m²
Geschosse: 6
Nutz-/Wohnfläche: 3 200 m²

Materialien (Decke, Wand, Boden): Lehmputz mit Zuschlägen aus dem Kupferbergwerk, massive Lärchenholzböden, Terrazzoboden
Möblierung/Leuchten/Hauskommunikation: maßgefertigte Möbel, Prostoria, Leuchtendesign Harry Thaler, Carpet Concept, FSB-Beschläge, Berker


Extension of Bühelwirt Hotel, St. Jakob im Ahrntal/Italy

A black box

In a picturesque rural mountain idyll in South Tyrol, Pedevilla Architects designed the extension to a hotel. Their ingredients were a monolithic block with a black wooden façade, an interior design without ornaments, local materials and grandiose panoramic views. A visit to the Ahrntal.

Author: Claudia Simone Hoff

The location is secluded. Coming from Bruneck, you drive through Pustertal and then on to Ahrntal. In St. Jakob, you proceed on the steep street focusing your view on the church at 1,200 meter altitude. Adjacent to it you see a white-washed building with brown wooden balconies like so many in this area: the Bühelwirt Hotel. The surprise effect is hidden behind the existing building at the north of the site – a black monolith, designed by the South Tyrolean architects’ studio Pedevilla.

With a mind of its own

Only from afar can you grasp how large the added building, which was completed in June 2017, really is. The usable floor space of 3,200 m² is spread over six floors. The division of spaces comprises a restaurant, twenty rooms, and a wellness area with sauna and relaxation room opening out into a small garden. Because the building was not to make a too top-heavy impression, the architects decided in favor of a cladding made of black larch wood. It is true that in the Ahrntal the barns are traditionally made of brown wood that, over the course of time, becomes darker, but nevertheless the village was very worried. Builder-owner Matthias Haller, who started his hotel business career six years ago, says: “There was a controversial debate about our extension in the valley.“ But he also says that as soon as people were told about the idea behind it, almost everybody was wholeheartedly in favor of it. Haller’s wife Michaela Nöckler, who took over the hotel from her grandparents in 2008 and has since dared to make only some minor creative alterations, and Matthias Haller himself wished for a house with a sustainable use made of real and living materials. Armin Pedevilla explains his concept: “Due to its use, the building should become more mature both esthetically and in its appearance, thus gaining emotive impact.” And Haller admits that it was not quite so easy for the builder-owners as well to accept the architects and their uncompromising yet well thought out ideas.

Breaks and fractures

Inside, too, the break between old and new is striking. The entrance with its small reception and the old restaurant looks as if it had fallen out of time. During the course of the renovation, both areas were supplemented by some pieces of modern furniture only so that you can still see where the old part ends and the new begins. The new restaurant is the invisible threshold that surprises visitors with a beautiful experience that has a great wow factor. The space unfolds generously; it is sparsely furnished but it looks cozy nevertheless. Chairs, benches and tables were designed by the architects and made to measure by carpenters. They interpret the traditional cozy South Tyrolean living room and do well without additional ornaments. The room’s mood is created by the lively light-colored larch wood and its scent.

This sensual experience is complemented by brown-leather seat cushions, which over the course of time will gain a beautiful patina, and by loden cloth, made by Moessmer, a South Tyrolean manufacturer. The curtains too are made of this fabric. The materials are simple and high-grade, and this also applies to the food that is served in the restaurant.

Anyway, the confidence in the architects has paid off. This is also demonstrated in the various categories of guest rooms. The materials used in the restaurant are also employed here, i.e. there is light-colored larch wood everywhere. A practical solution was found for bathrooms with floors of light-colored terrazzo. Rain showers are complemented by copper clothes hooks in harmony with Harry Thaler‘s light fixtures. All lights in the new building were created by the South Tyrolean designer. For this application, he adapted his ‘Cono‘ model; by using the warm-looking material he built a bridge to the adjacent copper mine. Some rooms feature a luxury appointment in the shape of free-standing tubs. But they all have seats in front of the panoramic windows, provided with upholstery, blankets and cushions, inviting guest to relax. It comes as a surprise that the door to the balcony, which is a rather small French balcony offering a marvelous view, is completely made of wood.

Strength lies in tranquility

The Bühelwirt Hotel is not a luxury resort. It is meant for guests who like to spend time outdoors, to explore nature and to go hiking and who appreciate the simple things in life. Haller and Nöckler, having just finished renovating their mountain lodge at an altitude of 1,800 m for use by tourists, offer relaxation at Bühelwirt, too. The wellness area is located on the ground level of the extension and continues outdoors where a lawn plus a small terrace with deckchairs await the guests. The relaxation room adjacent the Finnish sauna, is even more beautiful. The window-seat motif is repeated here.

Pedevilla Architects’ buildings always have a strong connection to the location. In the case of this project, the decisive parameters were the mountains, the harsh climate, the rural structures and the surprising panoramic views. The result is a monolithic building that makes a tough impression thanks to its asymmetrically superimposed saddle roof and its black-glazed façade but does not try to dominate. This is also due to the fact that the architects make use of traditional craftsmen’s techniques and materials as a reference and apply them in a contemporary way. Since the completion of the new extension, many architects have visited it so that the guest structure has changed completely. As Haller laughingly tells us when we say goodbye: “Largish cars are now sometimes parked in front of the hotel.“

Pedevilla Architects

consists of the Pedevilla brothers Armin (left) and Alexander. They founded their studio in 2005. Out of Bruneck they work for public and private clients with a team of six. Their unconventional holiday home in Pliscia caused quite a stir.

http://pedevilla.info

Fact sheet

Project: Bühelwirt

Location: St. Jakob im Ahrntal, South Tyrol/I

Builder-owner: Michaela Nöckler and Matthias Haller

Task: Hotel extension

Completion: 2017

Plot size: 1,200 m²

Usable area/living area: 3,200m²

Materials (ceiling, wall, floor): clay plaster with added material from the copper mine, solid larch-wood floors, terrazzo floors

Furnishings/lamps/in-house communication system: made-to-measure furniture, Prostoria, Lighting design by Harry Thaler, Carpet Concept, FSB hardware systems, Berker

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