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Warum Ansprüche an Sanitärräume im Betrieb steigen

Stille Örtchen

Betriebliche Sanitärräume versprühen den Charme spröder Funktionalität. Noch – denn die Zeichen stehen auf Veränderung. In Zeiten schwierigen Mitarbeiter-Recruitings und wachsender Bikermobilität sind Einzeldusche, Spind und Diskretion gefragt.

Autor Armin Scharf

Unternehmen geben sich derzeit größte Mühe, ihren Mitarbeitern ein inspirierendes, positives Arbeitsumfeld zu bieten. So schreitet die „Verloungung“ der Büroetagen weiter voran, die Kantinenkultur erblüht zu neuem Glanz. Derweil verharren die betrieblichen Sanitärräume in einem zweifelhaften ästhetischen Dornröschenschlaf. Dessen Ruhetage scheinen jedoch gezählt. Die Gestalter stehen in den Startlöchern. „Wir stecken mitten im Wandel der Arbeitswelten“, sagt Sabine Krumrey vom Planungsbüro Brandherm + Krumrey.

Sanitärräume
Sanitärräume im Heidelberger Office der Deutsche Wohnwerte GmbH. Foto: Joachim Grothus, Brandherm + Krumrey

„Gerade im Officebereich spielt das Stichwort Homing eine ganz zentrale Rolle.“ Und so zerfließen die Konturen zwischen Wohnen und Büro zusehends, andere Materialitäten, Möblierungen, Raumstrukturen halten Einzug in die ehemaligen Tischgaleeren der Großraumbüros. „Die Gestaltungsqualität ist ein Recruiting-Thema, Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern künftig mehr bieten als Standard.“ Und das betreffe nicht mehr nur das Büro selbst, sondern zunehmend auch die Sanitärräume. „Noch ist das bei einem Umbau nicht gleich das wichtigste Thema, aber es rückt immer mehr ins Bewusstsein“, so Sabine Krumrey.

Besonders kleinere Unternehmen hätten die Relevanz einer positiven Gestaltung des Arbeitsumfelds inklusive Toiletten und Duschräumen erkannt. „Wir haben schon Projekte gehabt, bei denen der Kunde explizit Wellness-Oasen wünschte.“

Treiber dieser Entwicklung sind aber nicht nur die ästhetischen Erwartungen, sondern auch die sich verändernde Mobilität. Kommen mehr Mitarbeiter mit dem Fahrrad zur Arbeit, was ökologisch und gesundheitlich sinnvoll ist, dann werden nicht nur sichere Abstellplätze und Ladestationen notwendig, sondern auch mehr Duschen. Freilich nicht in Form von Gruppenduschen wie im mehr oder weniger anonymen Schwimmbad, sondern als Einzelduschen, die nicht nur geräumig sind, sondern auch ausreichend Privatheit bieten.

„Bei einem unserer jüngsten Projekte haben wir Einzelduschen mit Umkleiden entwickelt, jeder Mitarbeiter erhielt zudem einen eigenen Schrank für seine Fahrradausrüstung“.

Sanitärräume
Das Innere eines ‚PSS-Office‘-Moduls mit großem Spiegel und schminktauglichem Lichtkonzept. Foto: Sieger Design

Privatheit + Personalisierung

Diese Qualität freilich scheint eher die Ausnahme zu sein – noch. Die Nachfrage bei Unternehmen mit hohem Anspruch an moderne Bürowelten brachte nur wenig Erkenntnisse, nur Alnatura wollte über das Thema reden. So befinden sich im Untergeschoss des kürzlich bezogenen Neubaus in Darmstadt (Architektur Haas Cook Zemmrich Studio 2050, Stuttgart) für die 420 Mitarbeiter separierte Einzelduschen und 50 Spinde für jene, die mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen oder im Garten arbeiten, den Alnatura zur Verfügung stellt.

Klar ist: Der Spind bleibt wichtig. Aber nicht mehr der blecherne Urahn ist angesagt, sondern neue Lösungen. Zippsafe aus der Schweiz beispielsweise hat ein gleichnamiges System entwickelt, das 70 Prozent weniger Fläche benötigt als konventionelle Anlagen – sagt das Unternehmen. Aktuell installiert Zippsafe ein großes, personalisierbares System im Kantonsspital Winterthur für rund 2000 Mitarbeiter.

Zippsafe basiert auf einem dreilagigen, textilen Aufbewahrungsvolumen, das wasser- und geruchsabweisend ist sowie eine Alarmsensorik gegen Aufbrechen integriert. Interessant ist auch das digitale Schließmanagement mit Chip- Karten sowie die optionale Ausrüstung mit Lüftungen sowie separaten Schuhaufbewahrungen.

Bei Sieger Design geht man das Thema derweil grundsätzlicher an. Die aktuell erstellte Studie „Personal Sensory Spaces“ (PSS) ersetzt die offenen Sanitärräume durch separierte Einzelräume mit voller Ausstattung.

Schalldichte Türen für Sanitärräume

Das modulare und standardisierte System sieht nicht nur persönliche Waschtische und Toiletten vor, es bezieht Details wie Papierspender-Position, Lüftung, Beleuchtung sowie schalldichte Türen mit ein. Denn erst die schalldichte Tür, so Christian Sieger, mache den Rückzugsort perfekt.

Sanitärräume
Foto: Sieger Design

Um nichts anderes gehe es letztlich, wenn man die Sanitärräume von morgen betrachte. Es scheint, als suche der moderne Mensch angesichts offener Bürowelten, agiler Teams und flotierender Arbeitsplätze dringend nach kleinen Refugien der Privatheit. Und sei es nur, um in Ruhe seine Medikamente zu nehmen, sich frisch zu machen oder durchzuatmen. So sieht die Office-Variante der „PSS“-Studie vor, individuelle Szenarien aus Licht, Musik und Duft einzuspielen. Displays dienen als virtuelle Fenster in die Natur, Lichtdecken adaptieren die Tageszeiten und unschickes Zubehör wie WC-Bürste oder WC-Ersatzpapier werden diskret untergebracht.

Die linear aufgereihten WC-Kabinen heutigen Standards mit ihrer akustischen, olfaktorischen wie auch visuellen Offenheit, werden nach der Siegerschen Studie verschwinden – zugunsten der einzelnen, in sich abgeschlossenen Raumeinheiten mit hoher Ausstattungsqualität.

Systeme gegen Komplexität

Der Platzbedarf dieser Sanitärcluster sei dabei nicht größer als der von konventionellen Layouts mit einzelnen Kabinen und offenen Waschplätzen, betont Sieger. Auch der Reinigungsaufwand werde trotz der separierten Einheiten letztlich nicht unbedingt höher: „Wir erhöhen die Grundsauberkeit zum Beispiel durch berührungslose Armaturen oder optimal platzierte Seifenspender, das kompensiert etwaigen Mehraufwand.“

„Es braucht immer den passenden Zeitpunkt“, weiß Christian Sieger, „die Nachfrage kommt nicht sofort, sondern in Verbindung mit den Renovierungszyklen.“ Bis dahin sei es wichtig, die Optionen zu visualisieren, sprich begreifbar zu machen – und Mehrwert aufzuzeigen. „Der Sanitärraum ist bei der Planung eine der komplexesten Aufgaben, weil hier die meisten Gewerke unmittelbar aufein- anderstoßen. Ein modular durchdachtes System reduziert diese Komplexität, was Architekten wie Handwerker gleichermaßen erfreut.“

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