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Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit in der Architektur
Wie bauen wir in Zukunft?

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Weg vom Statement, hin zum Handeln: Nachhaltiges Bauen ist das Ziel der von DGNB und BAK getragenen Initiative „Phase-Nachhaltigkeit“. Grafik: Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
Gerade haben wir weniger das Gefühl, dass wir unsere Zukunft selbst gestalten könnten. Aber Krisen zwingen uns dazu, unsere Praxis neu zu denken. Noch ist es möglich, klimarelevante Fragen in der Planung zu missachten. Das können wir jetzt ändern, wenn wir wollen.

Autor: Amandus Samsøe Sattler

Das Bauen, mit all seinen Herstellungsprozessen, ist eines der stärksten CO2-Emittenten und damit auch eines der größten Mitverursacher der Klimakrise. Das wissen wir. Trotzdem hat das kaum Folgen für die Planungs- und Baupraxis. Gebäude werden immer noch so gebaut, dass sie Ressourcen und Umwelt ausbeuten und das Ökosystem zerstören. Die Rolle der ArchitektInnen ist dabei die der Erfüllungsgehilfen.

Auch wenn es Versuche gibt zu neuen Denkansätzen, können diese meist bei Bauherren und Behörden nicht durchgesetzt werden. Dabei fällt den ArchitektInnen die große Verantwortung zu, Impulse für Veränderungen zu setzen und mehr andere Fragen zu stellen:

Müssen wir wirklich neu bauen? Oder können wir bestehende Gebäude nutzen, um graue Energie, Identität, Baugeschichte als Abbild der Gesellschaft zu erhalten? Wie kann man ein Gebäude so planen, dass es auch nach der aktuellen Nutzung gerne weiter genutzt wird und eine langlebige Qualität aufweist? Welchen Mehrwert für die Stadtgesellschaft oder für das Land liefert die Architektur, was leistet sie für den Nutzer? Welchen ökologischen Schaden richtet das Gebäude an und ist es gesund für den Nutzer?

Noch ist es möglich, alle diese relevanten Fragen in der Planung zu missachten! Es liegt alleine an Bauherrn, Baugesetzen und ArchitektInnen das zu ändern. Das wäre für alle Beteiligten eine große Investition in die Zukunft, und um es ganz deutlich zu sagen, in das Überleben der Menschheit.

Wissenschaftler warnen davor, wenn wir es nicht schaffen die Erderwärmung zu vermindern, kann es zu irreparablen Kipppunkten kommen, die das Leben auf der Erde gefährden.

Die ArchitektInnen könnten so wieder zum Innovator werden, wie sie es bereits schon mal in den 1990er Jahren waren, als wir Architektur inhaltlich, technisch und klimatisch neu gedacht haben. Freiwillig macht das heute kaum jemand mehr. Das kostet viele zusätzliche Überlegungen, Zeit und Geld und ist von großer Unsicherheit geprägt. Aber es ist absolut notwendig, wenn wir mitwirken wollen bei der Veränderung der Planungspraxis, um Kipppunkte des Ökosystems zu verhindern.

Und das ist sogar weniger einschneidend und aufwendig als den Kipppunkt der Corona-Krise zu verhindern, da wir ja den „Impfstoff“ bereits kennen. Wir haben alternative Energieformen, nachwachsende Rohstoffe und können unser Verhalten neuen Ideen anpassen.

In unserem Büro machen wir gerade konkrete Erfahrungen bei unterschiedlichen Pilotprojekten – so nennt man Projekte bei denen man etwas Neues versucht und nicht mit Beton und Stahl baut. Wenn es dann ganz gut läuft in der Planung, dürfen wir alles hinterfragen, was man bereits weiß, ausprobiert hat und was durch die Normen gesichert ist. Die Infragestellungen gehen dann hinein bis in den Planungsprozess, wie beispielsweise die Vergabepraxis. Das ist anspruchs- und verantwortungsvoll und macht unheimlich viel Spaß.

Wie plant man ein klimaneutrales Gebäude? Kann man das alleine mit Technik lösen, oder ist es nicht auch eine fantastische Herausforderung, eine architektonische Formulierung dafür zu finden?

Umfassende Krisen, wie die von Covid-19, machen bewusst, was bewahrenswert und was veränderungsbedürftig ist und haben, das zeigt uns die Innovationsforschung, das Potenzial, radikale Veränderungen einzuleiten. Nach einer Krise geht es weiter. Der wirtschaftliche Schaden wird groß sein. Ganze Industrien könnten verschwinden oder sich völlig verändern. Neue Industrien können gestärkt werden. Niemand weiß aber, ob der Diskurs danach folgerichtig umgestellt wird, von einer wirtschaftsgetriebenen Ausbeutung hin zu Achtsamkeit und Reduktion. Es kann in beide oder noch andere Richtungen gehen.

Das werden wir auch in der Bautätigkeit und Planung erleben. Die große Chance wäre, rücksichtsvoller mit der Umwelt umzugehen. Die „Phase Nachhaltigkeit“ die letztes Jahr vom DGNB gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer initiiert worden ist, kann uns dabei unterstützten, im Gespräch mit den Bauherren die wichtigen Themen zu adressieren und die richtigen Fragen zu stellen.

Gleichzeitig bietet sie auch einen Schulterschluss mit den Kollegen an, die sich auch mit ihrer Unterschrift verpflichtet haben mitzumachen. Gemeinsam können wir so versuchen, die Zukunft anders zu gestalten und dabei auch unsere eigene Praxis zu ändern, mit den Erfahrungen, die wir in der Krise gemacht haben, in der wir gemerkt haben, dass wir vieles anders machen und trotzdem unsere Verpflichtungen einhalten und ans Ziel kommen können.


Kolumnist Amandus Samsøe Sattler

Gründungspartner des Architekturbüros Allmann Sattler Wappner, München. Präsidiumsmitglied beim DGNB, Mitglied des Gestaltungsbeirats der Städte Wiesbaden und Oldenburg; Leitung internationaler Workshops, eigenes künstlerisches Werk in Fotografie.

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