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Zero Waste Space

Modellversuch Zero Waste Space in Kiel
Verzicht als Gewinn

Die Projektstudie Zero Waste Space steht für eine Haltung: Wir müssen in der Architektur und im Design langfristig Abfälle reduzieren, um dadurch unsere Ressourcen zu schützen. Initiatorin ist die Architektin Sabine Schlüter.

Autor Alexander Kuckuk

Der Zero Waste Space ist als ein 20 m² großer Raum konzipiert, der komprimiert alle Grundfunktionen eines Wohnhauses enthält. Initiiert wurde das Ganze von der Kieler Architektin Sabine Schlüter.

Seit dem Wintersemester 2019/20 forscht sie als Lehrbeauftragte im Fachbereich Industriedesign der Muthesius Kunsthochschule gemeinsam mit Studierenden nach Gestaltungslösungen für dieses Konzept. Unterstützt wird sie von den Industriedesignerinnen Prof. Dr. Bettina Möllring und Meike Beyer.

Zero Waste Space: Ein Leben ohne Überfluss

Der Zero-Waste-Gedanke ist von den Begriffen refuse (vemeiden), reduce (verringern), reuse (wiederverwenden), recycle (wiederverwerten) und rot (verrotten) gekennzeichnet. Mit dem Zero Waste Space sollen konkrete Anknüpfungspunkte für eine möglichst nachhaltige Lebensweise geliefert werden.

Es geht also darum, ein Gebäude zu entwickeln, das nicht nur im Herstellungsprozess, sondern auch bei der alltäglichen Nutzung keinen Abfall entstehen lässt. Dies umfasst Bauelemente, Einbauten, Ressourcen und Energie. Seit Januar dieses Jahres befindet sich das Ganze in einer Halle auf dem Gelände der Kieler Lindenauwerft, wo der Korpus fertiggestellt wurde und seither am Innenausbau gearbeitet wird.

Der skalierbare Prototyp ist 7,50 m lang, 3 m breit und 3,40 m hoch. Die konstruktiven Außenbauteile sind an die Werte der Passivhausbauweise angelehnt. Es handelt sich hierbei um eine Holzbauweise mit Strohdämmung.

Ein auf der Innen- und Außenseite aufgebrachtes Lehmvlies dichtet das Gebäude luftdicht ab, sodass hier auf die häufig im Holzbau verwendete kunststoffbasierte Dampfbremse verzichtet werden kann. Baukörper und Dach sind von den Lehmbauspezialisten der Wiener Firma Lopas entsprechend den Passivhausstandards entwickelt und zertifiziert worden.

Umgang mit Wasser

Das Wasserkonzept stellt dar, welche Möglichkeiten es gibt mit unserem Hauptlebensmittel Wasser ressourcenschonender umzugehen. Im Bad wird eine Trenntoilette eingebaut, die es ermöglicht Fäkalien und Urin zu trennen, diese als Nährstoffe zu nutzen und dem natürlichen Kreislauf wieder zuzuführen. Es wurde gemeinsam mit der Firma Vuna aus Zürich entwickelt.

Durch die Vermeidung von Schwarzwasser fällt nur noch das Grauwasser aus Küche und Bad an, das in einer Pflanzenkläranlage gereinigt wird und vor Ort versickert. Für Küche und Bad wird auch Regenwasser genutzt, das in einem Tank unter dem Gebäude gesammelt und vor der Nutzung mit speziellen Filtern und einer UV-Wasserdesinfektion zur Nutzung aufbereitet wird.

Ein Blick voraus

Für die Küche möchte Sabine Schlüter zwei Konzepte umsetzen, die Studierende im Semesterprojekt ‚Stadtklima‘ (Wintersemester 2019) entwickelt haben. Eine Kompostmühle und ein Frischhaltesystem für Obst und Gemüse mit stromloser Kühlfunktion.

Anfang Juli 2020 soll das fertige Zero Waste Space Gebäude auf dem Gelände des Kieler Wissenschaftsparks aufgestellt werden.

Vor Ort werden dann alle Funktionen des Hauses im Rahmen eines temporären Probewohnens durch Probanden erforscht und im Rahmen eines Monitorings ausgewertet.

Diese auf zwei Jahre angesetzte Standortbestimmung wird im Herbst 2021 durch eine Roadshow in Schleswig-Holstein kurz unterbrochen.

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