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Die vielen Gesichter des Baustoffs Beton

Mehr als nur Grau

Veränderte Rezepturen, Zuschläge und Veredelungen ändern die Eigenschaften und Materialität des Baustoffs Beton. Er ist dünner, leichter, formbarer und vielfältiger. So überrascht er mit neuen Anwendungsmöglichkeiten – außen wie innen. Ein Status Quo.

Autor Hannes Bäuerle

Beton erschließt im Innenraum neue Anwendungsfelder. Die graue Allzweckwaffe findet ihren Einsatz auch beim Möbel- und Innenausbau. Aus dem robusten Material entstehen großformatige Wand- und Bodenverkleidungen sowie Freiformteile von der Sitzschale bis zum Kinderspielzeug. Veränderte Rezepturen, Zuschläge und Veredelungen ermöglichen die erweiterten Anwendungen.

Ein Nebeneffekt der lösungsorientierten Entwicklungen ist, dass sich die bisherigen massiven Wandstärken von Betonelementen deutlich reduzieren lassen. Damit schwindet auch das Gewicht. Man kann von einer sichtbaren „Diät“ bei Beton sprechen, die dem tradierten Werkstoff zu einer ganz neuen Silhouette, Ästhetik und Emotion verhilft.

Jüngste Projekte zeigen deutlich, wie viel Kreativpotenzial in dem jahrtausendealten Werkstoff steckt. Dabei hat sich in der Praxis gezeigt, dass Beton nur dann weitere Anwendungsfelder erobern kann, wenn das Ineinandergreifen von Herstellern, kreativen Planern und kompetenten Verarbeitern funktioniert.

Beton
Steimle Architekten aus Stuttgart verwendeten beim Wohnhaus ‚E20‘ einschalige Betonaußenwände aus Dämmbeton. Foto: Brigida Gonzalez

Die immer schärferen Brandschutzauflagen sind ein handfestes Argument für den Einsatz von Beton im Innenausbau. Da der mineralische Werkstoff absolute Brandbeständigkeit aufweist, ist Beton in der Brandschutzklasse A1 („nicht brennbar“ nach DIN 4102) eingestuft. Folglich erfüllt er entsprechende Brandschutzauflagen auch für öffentliche Bereiche.

Für den Innenraum gibt es bereits von diversen Herstellern Betonwände im Angebot, die als Raumteiler, Sonnenschutz oder Design-Element dienen können.

Der Name ist Programm

Bezeichnungen und Produktnamen wie Leichtbeton, Recyclingbeton, Dämmbeton, Faserbeton oder Textilbeton zeigen deutlich, dass sich bei dem altbewährten Baustoff einiges wandelt. Ungewohnte Wortkombinationen in einem Produkt, die sich per se widersprechen wie ‚leicht‘ und ‚Beton‘ lassen viele Anwender ratlos bleiben. Dabei sind die Forschungen und Rezepturen für diese Produktgattung gar nicht so neu.

Ein Blick über die südlichen Grenzen Deutschlands zeigt, dass man im Alpenraum bereits mit Leicht- und Dämmbeton baut. Ebenfalls vor Ort sitzen einige der führenden Unternehmen wie der österreichische Hersteller Rieder. Sie sind Innovationstreiber und stark auf umweltfreundliche, wirtschaftliche und lösungsorientierte Produkte spezialisiert.

Von einer Neuorientierung zu sprechen ist sicher zu früh, allerdings weisen immer mehr realisierte Bauwerke auch in Deutschland den „neuen“ Baustoff Leichbeton vor.

Beton
Betonfassaden im Lattenformat: der Glasfaserbeton ‚Öko Skin‘ muss im Vergleich zu Holz nie gestrichen oder geschliffen werden.
Foto: Rieder Gruppe

Textil statt Stahl

Textilbewehrter Beton ermöglicht durch die Kombination von Beton mit Textil oder anderem Fasermaterial Bauteile mit einem deutlich geringeren Querschnitt. Typisch sind 1-3 cm. Hauptgrund für die bisherige Materialstärke der Betonplatten von etwa 8 cm und mehr, war die Bewehrung aus Stahl.

Im Gegensatz zum korrosionsanfälligen Bewehrungsstahl benötigen die Fasern keine massive Betonummantelung zum Schutz vor Wasser und anderen Umwelteinflüssen. Gitterartige Strukturen dienen als Armierungen im Materialverbund und gewährleisten, dass die Bauteile zugfest und extrem leicht sind bei gleichzeitig hoher Tragfähigkeit.

Die Materialersparnis des Textilbetons bringt weitere Vorteile mit sich. Es muss weniger transportiert, eingebaut sowie verankert werden.

Glasfaserbeton: dünn & stark

Als robuster und vor allem vielfältig einsetzbarer Baustoff verkleiden dünnwandige Betonelemente heutzutage weltweit Gebäudefassaden.

In Form von Betonplatten oder Formteilen eignet sich das Material auch sehr gut für den Innenraum. Im Gegensatz zu Ortbeton oder massiven Betonfertigteilen aus vergangenen Tagen ermöglicht die textile Bewehrung aus beispielsweise Glasfasern dünne und leichte Bauteile, die zugleich genauso belastbar sind. Noch tragfähiger ist Carbon. Aus beiden – alkaliresistentes Glas und Carbon – entstehen Hochleistungsendlosfasern. Sie machen durch ihr reduziertes Gewicht das Handling und die Montage deutlich einfacher.

Bei Bestandsbauten oder bei Sanierungen eignen sich die Betonplatten bei entsprechender Planung und Segmentierung für eine Nachrüstung und zur Verbesserung der Statik. Glasfaserbeton bietet darüber hinaus zahlreiche gestalterische Möglichkeiten: man kann die Platten nach Bedarf bedrucken, Muster einstrahlen, Ornamente und Schriftzüge ausschneiden oder eine reliefartige Oberfläche einarbeiten. Eine Spielwiese für Innenarchitekten.

Woher weiß der Hersteller, was sich die Branche wünscht? Indem er sie fragt. Oder gleich mitgestalten lässt. So handhabte es das Familienunternehmen Rieder und erweiterte in enger Zusammenarbeit mit Architekten und Gestaltern seine Kollektion 2019 in den Bereichen Farbe, Textur, Latten und Formteile.

Beton
Die großformatigen Glasfaserbeton-Platten ‚Concrete Skin Breeze‘ mit zahlreichen Aussparungen eignen sich für den Einsatz innen und außen. Foto: Rieder Gruppe

Innovation hoch vier

Ziel war es dabei, in allen vier Disziplinen mehr Lebendigkeit und Natürlichkeit zu erreichen. So entstanden 30 Farbtöne – 15 Rot-, 15 Brauntöne –, dem traditionellen Bauen und der Natur entnommen.

Bei den Texturen gehen die Entwicklungen in die Dreidimsionalität. Jedes Fassadenelement ist optisch ein Unikat, ganz wie beim gegossenen Beton. Ein neues Lattenformat eröffnet neue Möglichkeiten im Design. Bei den Formteilen kamen neue, scharfkantige U-Pofile hinzu, die unterschiedlich kombiniert werden können. Das spätere Erscheinungsbild ist monolithisch.

Es gibt umfangreiche Produktportfolios verschiedener Hersteller für den Innenausbau und Fassaden, sosdass es unzählige Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Einfach mal testen.

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