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Marcus Vonhausen über unternehmerische Herausforderungen

Über die Herausforderungen eines Unternehmen
Marcus Vonhausen

Die Orgatec steht vor der Tür. Unternehmen haben sich seit Monaten auf diesen Termin vorbereitet. Marcus Vonhausen gibt einen offenen Einblick in die Situation seines Unternehmens.

Einer Ihrer wichtigsten Unternehmenswerte lautet Nachhaltigkeit. Welche Maßnahmen haben Sie bereits ergriffen?

Produktseitig haben wir in den vergangenen beiden Jahren daran gearbeitet, die handwerkliche Verarbeitung der Naturfaserkomposite (Hanf beispielsweise) auf eine industrielle Serienfertigung zu heben. Das war ein mühevoller und schmerzvoller Weg. Wenn Sie ein neues Produkt, also eine Designstudie vorstellen, ist diese meist noch sehr weit von der seriellen Produktion entfernt. Die große Arbeit fängt hinterher an.

Das Fordernde dabei ist, dass es bei diesen neuen Materialentwicklungen keine Erfahrungswerte gibt, auf die man zurückgreifen kann. Aber wir sehen mittlerweile Licht am Ende des Tunnels.

Gibt es auf der Orgatec davon etwas zu sehen?

Natürlich! Es gibt neue Oberflächenmuster, komplett neue Formen und auch Einsatzgebiete.

Wieviel Innovation findet bei der Entwicklung Inhouse statt und wieviel kommt von außen?

Das Prozess-Knowhow, und damit das Verarbeitungs-Knowhow, das bauen wir selbst auf. Das sind die Schmerzen, von denen ich gesprochen habe (lacht). Aber es ist dankbar. Denn der Weg ist klar. Es gibt keinen Weg mehr zurück. Damit meine ich zurück zu erdölbasierten Kunststoffen.

Bei vielen Entwicklungen, bei denen man dachte, das ist jetzt ein Zwischenschritt — wie das Recycling von PET – stellt sich immer die Frage, was passiert am Ende des Lebenszyklus eines Produkts? Wie wollen Sie die Materialien trennen? Können Sie sie zurückführen in den „Loop“? Wenn dann am Ende doch die thermische Verwertung steht und das Ausgangsprodukt basiert auf Erdöl, dann haben Sie trotzdem CO2-Emissionen.

Woher beziehen Sie die nachhaltigen Materialien? Die Biokompositstoffe? 

Die kommen aus Europa.

Wie finden Sie das Material? Und wie können Sie sicherstellen, dass es wirklich nachhaltig ist?

Das Material hat bereits zwei Bearbeitungsstufen ab der Ernte hinter sich, wenn wir es beziehen. Es ist nicht so, dass wir die Pflanze vom Feld kaufen. Wir kaufen die Pflanzenfasern in einer bestimmten Verarbeitungsstufe.

Sie mussten also nicht Sherlock Holmes spielen, sondern es gibt bestimmte Verkaufsplattformen für diesen Rohstoff?

Naja, in der Entwicklungsphase müssen Sie schon ein bisschen Sherlock Holmes spielen, weil Sie definieren müssen, was sie wollen. Zuallererst muss man die Auswahl der Fasern grob eingrenzen und dann entsprechende Produktionsversuche fahren. Dann kristallisiert sich eine Richtung heraus. Das haben wir mit der Zeit auch gelernt: Fasern sind nicht gleich Fasern.

Das zeigen wir im Übrigen auch sehr anschaulich auf der Messe. Da haben wir getrocknete Hanfpflanzen und Flachs dabei. So dass man diesen mal abrechen und die einzelnen Fasern runterziehen kann.

In der Orgatec-Ausgabe der md zeigen wir den ‚Peel‘-Sessel, dessen Schale aus Furnierresten besteht. Das ist ein weiteres Restmaterial, mit dem Sie arbeiten.

Der Sessel ist in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Unternehmen Danzer (ehemals 3D-Holz) entstanden. Die haben das Knowhow, das Furnier so zu behandeln, dass es sich 3D verformen lässt – ohne zu reißen. Die Konturgebung der Schale findet mittlerweile mithilfe einer CNC-Fräse bei uns im Unternehmen statt. Das Stahlgestell kommt auch von uns.

Wie bekommen Sie als kleines Familienunternehmen die Energiekrise zu spüren?

In diesem Jahr kommt es knüppeldick. Es wäre unredlich, keine Probleme einzugestehen. Und damit meine ich nicht nur die Energiekrise. Es fängt mit der Lieferkettenproblematik an. Die Beleuchtungssteuerung für unsere Besprechungsboxen kommt aus Fernost und ist halbleiterbasiert. Dann gibt’s Probleme auf dem Rohstoffmarkt. Das sehen wir beim Thema Holzwerkstoffe.

Und last but not least gibt es bei der Energie gerade explosionsartige Steigerungen. Das können wir nicht alles auffangen. Das wird nicht gehen. Wir haben zum Glück eine Photovoltaikanlage bei uns errichtet. Die mildert die Schmerzen. Aber eben auch nur zu einem Drittel. Daher müssen wir versuchen mindestens noch 15 bis 20 % über Energieeinsparungen herauszuholen.

Welche Stellschrauben sehen Sie da konkret zum Energiesparen innerhalb des Unternehmens?

Je tiefer man in dieses Thema einsteigt, desto mehr gehen einem die Augen auf! Wenn Sie beispielsweise die klassische Hallenbeleuchtung auf LED umstellen, können Sie schon mal 50 % des Verbrauchs bei der Beleuchtung einsparen. Dann das klassische Thema Druckluftversorgung: Wenn die Kompressoren richtig eingestellt sind und der Druck im System etwas abgesenkt wird, dann hat man auch hier noch einen Hebel. Den Standby-Betrieb von Monitoren braucht kein Mensch. Es gibt also schon Möglichkeiten, Energie zu sparen. Das sind ganz viele kleine Schritte, die am Ende einen größeren Effekt ergeben. Und: Es ist kein Sprint, es ist eher ein Marathon.

Gibt es in Polen seitens der Regierung Unterstützung bezüglich der Kosten?

Für Unternehmen gibt bisher noch keine abschließende Lösung. Man darf nicht vergessen, dass das ein massiver Eingriff in die Privatwirtschaft wäre – da muss man mit Bedacht handeln. Aber wir sind kein Energiegroßverbraucher.


Marcus Vonhausen
Marcus Vonhausen, Unternehmer und Business Development Manager, Vank

Marcus Vonhausen

Seit 1998 ist Marcus Vonhausen (Jg. 1967) Unternehmer mit Lebensmittelpunkt in Polen. Der Business Development Manager ist mit Anna Vonhausen verheiratet, die seit 2008 Creative Director bei Vank ist.

Webseite des Unternehmens

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