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Iria Degen

Schweizer Innenarchitektin im Interview
Iria Degen

Iria Degen führt mit einem 10-köpfigen Team Studios in Zürich und Paris. “Die Innenarchitektur ist dem Menschen nahe“, sagt sie im md-Interview.

Das Gespräch führte Heike Bering

Frau Degen, Sie bewegen sich als Innenarchitektin an der Nahtstelle zwischen Architektur und Design. Warum haben Sie sich für die Innenarchitektur entschieden?
Iria Degen: Es ist vor allem der Kontext von Räumen und der spezifische Maßstab, der mir an der Innenarchitektur gefällt. Die Innenarchitektur ist dem Menschen nahe. Ich brauche den räumlichen Zusammenhang und muss mir die Menschen vorstellen können, die sich darin bewegen. Dann fällt mir die Arbeit leicht und ich komme immer wieder auf neue individuelle Ideen.
Wie gehen Sie planerisch vor?
Iria Degen: In der Planung steht immer zuerst eine Idee. Diese konzeptuelle Idee arbeiten wir in allen Bereichen aus und führen zahlreiche Gespräche über die Nutzerbedürfnisse. Wir versu-chen zu erfassen, was von der Gestaltung sowie von den funktionalen Aspekten zu einem Projekt und einer Bauherrschaft passt. Erst wenn wir einen Entwurf haben, der von unserem Auftraggeber vollumfänglich mitgetragen wird, gehen wir in eine detailiertere Planungsphase.
Wie sieht eine ideale Zusammenarbeit mit Ihren Kunden aus?
Iria Degen: Wir suchen ausschliesslich den Weg des Dialogs. Alles andere wäre für uns nicht sinnvoll und auch nicht nachhaltig. Eine ganz direkte, unkomplizierte und lückenlose Kommunikation der Ideen und Gedanken ist zentral.
Gibt es gegenwärtig ein starkes Thema in der Innenarchitektur?
Iria Degen: Die Themen sind heute sehr vielseitig, ebenso wie in der Mode. Wir leben in einer Zeit des Eklektizismus, Vintage-Look, Muster- und Kultur-Mix. Ich denke, dass über die verschiedenen Trends mehr Emotionalität, Individualität und Wärme angestrebt wird.
Gegenwärtig wird diskutiert, dass sich das Badezimmer zu einem Wohlfühlraum ausweitet und die klassische Trennung zwischen Bad, Wohn- und Schlafraum aufgehoben wird. Können Sie das bestätigen? Gibt es eventuell auch andere Beispiele, an denen sich veränderte Lebensgewohnheiten ablesen lassen?
Iria Degen: Ganz sicher hat das Bad im Zusammenhang mit dem aktuellen Körperkult an Bedeutung zugenommen. Die Bäder sind grösser und offener geworden, beinhalten heute ebenso edle Materialien wie andere Wohnräume und benötigen eine intensive Planung. Ob ein Bad abschliessbar oder mit Nebenräumen verbunden sein sollte, ist eine sehr persönliche Frage und für mich eher nebensächlich. Viel wichtiger finde ich, dass ein heute geplantes Bad Tageslicht hat, dass es eine Bodenheizung bekommt und freundliche, geschmeidige Materialien. Andere Bespiele sind beispielsweise die Küche, der Fitness- oder Kinoraum sowie der Garten. All diese Bereiche benötigen eine aufwändige Planung, denn sie sind zu repräsentativen Orten geworden, an denen man Vorlieben ausleben kann oder die Freizeit genießen darf.
Gab es Projekte, die den “Durchbruch“ brachten? Und gab es Menschen, die für Ihren Werdegang wichtig waren und sind?
Iria Degen: Ein erfolgreicher Werdegang hängt meiner Meinung nach immer zusammen mit Erlerntem, mit wichtigen Begegnungen und mit stetigem Arbeiten. Natürlich gehört auch eine Portion Glück dazu. Ich schätze mich persönlich sehr glücklich, dass ich in Paris im Rahmen meiner Zweitausbildung zur Innenarchitektur gefunden habe und mit Andrée Putman arbeiten durfte, die mich sehr gefördert hat. 2003 erhielten wir den ersten öffentlichen Auftrag, das Restaurant Jasper im 5-Sterne Hotel Palace Luzern, das auch in der Öffentlichkeit sofort Wellen geschlagen hat. Nicht zuletzt waren es mein Mann, meine Familie und Freunde, die mich unterstützt haben. Auch anspruchsvolle Kunden haben mich über die Jahre positiv vorangetrieben.
Sie führen ein Büro in Zürich und eins in Paris. Was sind die “Spezialitäten“ der jeweiligen Standorte?
Iria Degen: Seit ich im Jahr 2003 wieder in die Schweiz zurück gezogen bin und ein zweites Büro aufgebaut habe, kamen anspruchsvolle Grossaufträge, die ich in Paris noch nicht hatte. In Frankreich laufen die Projekte gegenwärtig ineffizient; es ist dort leider wenig Verlass auf Personen. Die Schweiz ist noch immer eine Hochburg, was die Qualität am Bau betrifft, und ich schätze mich privilegiert, hier Projekte machen zu dürfen.
Was war bisher Ihr komplexestes Projekt? Und gibt es eine Planungsaufgabe, die sie mehr reizt als alles andere?
Iria Degen: Anspruchsvoll war sicher das Hotel in Südafrika, wo wir parallel über 18 Monate ein Büro in Kapstadt hatten und mit ganz anderen Arbeitsweisen konfrontiert waren. Auch das Projekt bei Novartis in Basel, wo wir zusammen mit einem grossen Team von spezialisierten Planern im Märkli Gebäude alle Büroetagen und 280 Arbeitsplätze betreuten. Das war bisher mit fast 3 Jahren unser längstes Projekt. Oder aber Projekte im Bereich der Denkmalpflege wie beim Restaurant Metropol Zürich. Reizen würde mich vor allem ein Boutique-Hotel in einer kosmopolitischen Stadt. Beim Hotel verschmelzen öffentliche und private Bereiche zu einem Ganzen, und der Boutique-Charakter erlaubt die nötige Liebe zum Detail.
Spielt das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle? Und stellen Ihre Kunden diesbezüglich Ansprüche?
Iria Degen: Ja, natürlich, damit setzen wir uns in unserem Arbeitsalltag auseinander – wir versuchen beispielsweise, mit Material effizient umzugehen. Unsere Kunden stellen diese Ansprüche an uns noch nicht; wir vemuten aber, dass dies nur eine Frage der Zeit ist. Ich wünsche mir für den Bereich Nachhaltigkeit mehr geförderte Weiterbildung, gezielte Aufklärung und auch mehr staatliche Auflagen.
Was ist für Sie “gutes Design“?
Iria Degen: Gutes Design soll meiner Meinung nicht nur einfach schön sein, sondern auch funktional und zeitlos. Die Langlebigkeit finde ich persönlich entscheidend. Es sollte von einem breiten Publikum als gut empfunden werden, zudem emotional und in sich stimmig sein – und unabhängig von einer bestimmten Lehre.
Abschließend wüssten wir gern noch etwas über die Struktur Ihres Büros.
Iria Degen: Ich habe ein sehr fähiges Team mit rund 10 Personen, Architekten, Innenarchitekten und Designern, sowie Praktikanten und die nicht zu unterschätzende administrative Unterstützung. Jedes Projekt wird von mir persönlich betreut – in der Entwurfsphase ganz intensiv und in der Planung und Ausführung wann immer wichtige Entscheidungen anstehen und meine Präsenz gewünscht wird. Für nahtlose interne Abläufe ist es sehr wichtig, dass ich die Projektleitung stets in die Sitzungen mit dem Kunden einbeziehe. Je nach Kompetenz und Erfahrung sowie persönlichen Fähigkeiten oder Vorlieben versuchen wir, die Personen auf die passenden Anforderungen anzusetzen.
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