Akustikpaneele für Office, Hotel und Privat

Tattoo Kunst

Exzentrisch, flammhemmend und von exzellenter Schallabsorption – ironisch-anachronistische Akustikpaneele kombinieren mittelalterliche flämische Bildwirkerei und zeitgenössische Körperkunst mit akustischem Know-how.

Autorin Susanne Tamborini

Ein flämischer Meister, hier, heute und als bildgewirktes Wandpaneel? Irritiert schaut man ein zweites Mal hin. Genauer. Und richtig: Den Oberarm eines irgendwie mittelalterlich wirkenden Edelmanns zieren nicht Samt und Seide, sondern ein Ärmel-Tattoo.

Die belgische Textildesignerin Isabelle Torrelle kreiert gewebte Blickfänge, die akustisch wirksam sind. Ihre Motive spielen mit Anachronismen. Sie konfrontieren den Betrachter mit einer eigenartigen Mischung aus Elementen der Hoch- und der zeitgenössischen Popkultur.

Akustikpaneele als Wandbilder

Weit über das erfrischend Dekorative hinaus haben die Akustikpaneele praktische Funktionen. Das hatte Torrelle von Anfang an im Blick. In einer Größe von 200 x 300 cm empfehlen sich die Akustikpaneele als Wandbilder für repräsentative Entrées in Büros oder Hotels.

Ein feines Metallgestell verleiht ihnen als Raumteiler oder „spanische Wand“ festen Stand. Dank der Hinterfütterung mit einem hochwertigen, flammhemmend ausgerüsteten und rezyklierfähigen Polyestervlies werden laut eigenen Angaben exzellente Schallabsorptionswerte erzielt. Das macht die außergewöhnlich gestalteten Objekte zur Klangverbesserung interessant. Mit Bedacht wendet Torrelle sich einer Bildsprache zu, die ihren Ausgang nimmt in der flämischen Tradition der alten Meister. Lustvoll lässt sie sich ein auf spät- mittelalterlich inspirierte Portraits.

Das Tattoo als Keyvisual

Auch Vermeer lässt grüßen, der seine Landschaften und Figuren ins Licht setzte wie kein Zweiter zu seiner Zeit. Nicht zu vergessen: die Motive der Delfter Porzellanmanufaktur. Im Rahmen einer Kooperation hatte Isabelle Torrelle dort für die Recherche zu ihren Ganzrücken-Tattoos freien Zugang zum Archiv. Augenzwinkernd stellt die an der Royal Academy of Fine Arts in Gent ausgebildete Textildesignerin die tradierten Sehgewohnheiten des Betrachters infrage.

Proletarische Subkultur als Meisterwerke

Mit Tattoo-Motiven funktioniert das ganz wunderbar. Ist doch das Tätowieren als Inbegriff einer proletarischen Subkultur erst seit einer vergleichsweise kurzen Zeit salonfähig geworden. So reflektieren die bislang präsentierten zwei Kollektionen ‚The Historians‘ und ‚Les Femmes de Delft‘ unisono unsere ästhetischen Leitbilder – die historischen wie auch die zeitgenössischen. Als Textildesignerin spielt Isabelle Torrelle bei ihren ‚Meisterwerken‘, so der Name des Labels, mit einer weiteren flämischen Meisterschaft: der traditionellen Tapisserietechnik, derentwegen man in alter Zeit von weither nach Flandern reiste.

Hommage an die flämische Webkunst

Die Bildmotive werden nicht mehr wie früher üblich ausschließlich von Hand gewebt. Gleichwohl erfordert die maschinelle Herstellung auch heute eine strenge Kontrolle von Menschenhand. Jedoch „bringt die Kombination von maschinellem Weben und moderner Stickerei einen größeren Reichtum in Form, Detail und Farbe als bei den alten Tapisserien. Das macht den
‚modernen‘ Unterschied“, erklärt Torrelle ihre kühne künstlerische Hommage an die flämische Webkunst. Es gelingen Bilder von einer ganz eigenen Präsenz.

Schon bei Hofe wusste man den dekorativen Impact der Tapisserien im gleichen Maß zu schätzen wie ihre isolierenden Eigenschaften. Die kostbaren Wandbehänge befriedigten das Bedürfnis nach Wärme- und Schallschutz, Akustikpaneele auf ästhetisch hohem Niveau. Wie schön, dass es heute wieder so exzentrische Eyecatcher gibt.

www.meisterwerke.be

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