Innovation und Nachhaltigkeit

Zertifizierungssystem für Innenräume

Das Zertifizierungssystem für Innenräume der DGNB hilft Innenarchitekten und Architekten, die richtigen Kriterien bei der Planung eines Bürogebäudes anzusetzen. Nils Bader gibt Tipps für die gelungene Wahl von Produkten und Möbeln.

Nachdem der Zunft der Architekten schon seit langem ausgefeilte Kriterienkataloge zum nachhaltigen Bauen (LEED, BREEAM, DGNB) zur Verfügung standen, widmet man sich nun endlich auch der Innenarchitektur.

Großraumbüros, Coworking Spaces, Networking Hubs, flexible Flächenaufteilungen und Arbeitsplatzgestaltung – die Anforderungen an Planer ändern sich, eine hilfreiche Orientierung bietet das Zertifizierungssystem für Innenräume der DGNB.

Zertifizierungssystem vereint 18 Kriterien

Im DGNB-Navigator können seit März auch Möbel eingestellt werden. Besonders Planern hilft dieses Angebot, denn die Rolle der Möblierung spielte bei der Vergabe eines DGNB-Zertifikats lange Zeit keine entscheidende Rolle. Das ändert sich jetzt. In Summe vereint das Zertifizierungssystem für Innenräume der DGNB 18 Kriterien für Büro- und Verwaltungsgebäude.

Im Fokus stehen verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit: Dazu gehören der Planungsprozess, die Betrachtung der Rückbau- und Recyclingfähigkeit, die ökologischen Auswirkungen (Lebenszyklus, Materialgewinnung, Risikobetrachtung der lokalen Umwelt sowie Energieeffizienz) aber auch ökonomische (Kosten des gesamten Lebenszyklus und der Umnutzungsfähigkeit) und soziale Kriterien. Letztere umfassen Luft- und Aufenthaltsqualität, den akustischen und visuellen Komfort sowie Barrierefreiheit und gesundheitsfördernde Angebote.

Es gibt sie bereits: DGNB-zertifizierte Produkte

Möbel, die zum Einsatz kommen, sollten DGNB-zertifiziert sein. Was langfristig sinnvoll ist, dauert seine Zeit, bis entsprechende Angebote auf dem Markt zu finden sind.

Einige Produkt- und Herstellerbeispiele liegen inhaltlich schon „voll auf Kurs“ der DGNB:

Troldekt aus Schweden stellt Design-Akustikpanele für den Innenausbau aus zertifiziertem Holz und Zement her. Daneben bietet Troldekt Planern vielseitig Unterstützung im Planungs- und Zertifizierungsprozess an, wie beispielsweise den Zugang zu BIM-Dateien, Akustik-Kalkulatur für den Planungsprozess und Siegel wie Cradle2Cradle, FSC und das DGNB-Zertifikat.

‚Places of Origin‘ heißt der aus recyceltem Kunststoff hergestellte Teppich von Object Carpet. Seine Besonderheit liegt in der Materialreinheit: Er besteht aus 100 % recyceltem Econyl® Garn, frei von PVC, Bitumen und Latex. Der Linoleumboden ‚Marmoleum Cocoa‘ von Forbo mit eingestreuten Kakaobohnenschalen schafft durch seine Struktur und Optik einen erlebbaren Unterschied. Das Unternehmen stellt den Teppich zu 100 % CO2-neutral her.

Der österreichische Hersteller Zirp produziert Wand- und Deckenpaneele aus Zirbenholz. Durch die wellenförmige Schnittstruktur des Holzes entsteht eine interessante – optional beleuchtbare – Optik; die spezielle Schnittstruktur fördert die Diffusion der baumeigenen antibakteriellen Substanz. Zirbenholz senkt die Herzschlagfrequenz bei Belastung und sorgt für eine schnellere Regeneration.

Die Niederländer Buxxkin bieten Verkleidungen und Bodenbeläge aus recyceltem Leder an. Die besondere Nähung als Wandverkleidung und die Kombination mit Filz für den Boden ergeben einen guten Schallschutz. Vepa wird auf der Orgatec neben seinen PET-recycelten Stühlen eine Tischplatte aus Hanf vorstellen.

Spannende Prototypen mit Potenzial sind die Mais-Möbel ‚corncob!t‘ von Kerstin Fischbacher: Sitz, Regal und Leuchtenschirm werden aus den Rückständen der Maisernte erzeugt, dem sogenannten Maisspindelgranulat. Ein anderes Konzept: die Akustikpaneele für die Wand von Melissa Acker. Die junge Designerin verwendet für ihre Produkte herabgefallenes Laub.

Mit dem DGNB-Zertifikat erhalten solche Produkte die notwendige Aufmerksamkeit. Sie werden gefunden.


Autor Nils Bader

ist Initiator des internationalen Green Product Awards. Als Berater unterstützt er Unternehmen bei der Transformation, als Speaker setzt er Impulse für grüne Innovationen.

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