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Transformation der Städte

Diskussion um die Transformation der Städte
Gemeinsam dicht zusammen

Transformation der Städte, Time Square, Visualisierung
Visualisierter Umnutzungsvorschlag von 3deluxe für den Time Square in New York.
Es war luftig in den Städten in den letzten Monaten. Kehrt das Leben wieder zurück, dann auch die Diskussion um die Transformation der Städte zu besseren Lebensräumen. Nur die dichte Stadt ist zukunftsfähig, auch wenn das viele im Augenblick kritisch sehen.

Es fühlte und hörte sich an, als sei jeden Tag Sonntag. Es fuhren fast keine Autos, man hörte keine Menschenstimmen, nur die Vögel zwitscherten hoffnungsvoll dem Frühling hinter den Fenstern entgegen. Der Lockdown hatte diese gespenstische Ruhe hervorgebracht, die uns beunruhigte, aber auch beruhigte.

Wir waren zurückgeworfen auf uns und unsere vier Wände. Das hat je nach Lebensraum zu positiven oder negativen Erfahrungen geführt.

Transformation der Städte

Als das gewohnte Leben und der Verkehr in den Straßen zurück waren, hörte man bedauernde Worte über die verlorene Ruhe und Stille. Welche ungeahnte Qualität doch der Raum zwischen den Häusern hat, ohne den gewohnten Lärm und Gestank. Geht es uns nicht viel besser, wenn Geräusche und Gerüche unsere Sinne positiv anregen?

Stadt ohne Autos

Die Stadt ohne Autos – geht das? Titelt das Wochenblatt ‚Die Zeit’ und untersucht, was das Auto und der ruhende Verkehr in unseren Städten an Platz und Geld benötigt. Ganz abgesehen von gesundheitlichen Schäden durch Luftverschmutzung und wirtschaftlichen Schäden durch Staus. Die Ergebnisse sind beeindruckend und erschreckend und betreffen uns alle. Wir haben ja alle mindestens ein Auto vor der Tür stehen.

Stadtraum phantasievoll nutzen

Jetzt aber mit den ganzen Einbauten der Gastronomie auf Parkplatzflächen stellen wir fest, welche Qualitäten die Straßen gewinnen. Wie gut ist es, nicht hinter den parkenden Autos zu sitzen um zu essen, sondern den Stadtraum zu besetzen und phantasievoll zu nutzen.

Die Städte sind ja schon vor der Pandemiekrise im Verkehr erstickt. So ist es mit vielen Themen die schon vorher wichtig waren und bei denen wir uns nun fragen, was diese Krise für Architektur und Städtebau bedeutet? Wie gelingt die Transformation der Städte?

Visualisierter Umnutzungsvorschlag von 3deluxe für den Time Square in New York.

Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte

Kurz hatte man geglaubt, dass wir in der Ausnahmesituation lernen, was wir wirklich brauchen und auf was wir verzichten können. Aber nun, wo das normale Leben wieder zurückkommen möchte, stellen wir fest, dass es erst einmal nicht darum geht die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte zu korrigieren – vor allem auch im Hinblick auf die Klimakrise – sondern dass es das Ziel ist, so schnell als möglich wieder in den ‚Normalzustand’ zurückzukehren.

Der war aber auch eine Krise. So sind wir aufgefordert, alle Themen weiterzu- verfolgen, für die wir schon bisher gekämpft haben.

Kurzfristige Veränderungen

Schauen wir auf die kurzfristigen Veränderungen in den Städten, wie Pop-up-Fahrradwege, Gastronomieflächen auf Gehwegen und Parkplätzen, dann sehen wir, wie die Krise Raum bietet, Neues auszuprobieren und die Stadt umzubauen. Das macht Mut, dass es langfristig Veränderungen geben könnte.

Das Bauen jedoch kann sich nicht an momentanen Zuständen orientieren. Bauen ist langfristig angelegt und muss sich bei Veränderungen bewähren: Ob so flexibel geplant wurde, dass eine Transformation der Städte möglich ist.

Ökolgische und soziale Stadt

Städte lassen sich auch nicht kurz mal virusresistent umplanen. Nur dauerhafte, dichte und notwendige Architektur kann in Krisen bestehen. Klimatechnisch, ökologisch und sozial ist die dichte Stadt, durchgrünt, fußgängergerecht und voller Leben, das beste Modell für das Zusammenleben einer Gesellschaft.

Weniger umweltbelastend, ressourcenschonend und infrastruktursparend, ist die dichte Stadt bereits historisch ein bewährtes Modell.


Kolumnist Amandus Samsøe Sattler

Gründungspartner des Architekturbüros Allmann Sattler Wappner, München. Präsident DGNB, Mitglied des Gestaltungsbeirats der Städte Wiesbaden und Oldenburg; Leitung internationaler Workshops, eigenes künstlerisches Werk in Fotografie.

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