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Markus Felsch. Hochschullehrer im Porträt

Hochschullehrer im Porträt
Markus Felsch

Als forschenden Allrounder sieht sich Markus Felsch. Er geht Lichtgestaltung ganzheitlich an und will mit dem neuen Instrument des Härtegrades für Licht Beleuchtungssituationen präzise beschreiben.

Autor
Oliver Herwig

Draht, Kugellampen und 4,5-V-Flachbatterien. So begann für Markus Felsch eine große Leidenschaft: Licht. Aus dem Basteln wurde schnell eine echte Profession. Mit 15 war der spätere Lichtdesigner bereits als semiprofessioneller Eventveranstalter tätig und experimentierte damit, „Raum mit Licht lebendig“ werden zu lassen.

Markus Felsch
Foto: Markus Felsch

Härtegrad von Licht

2004 schloss Felsch den Studiengang Lighting Design an der Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst in Hildesheim ab. Er wollte die „Profession Licht auf eine solide Basis stellen“. Daran hat sich für den heutigen Verwaltungsprofessor an der HAWK Hildesheim nichts geändert. Der Lichtdesigner und -planer forscht aktuell zum Härtegrad von Licht (HgF), eine Lumen und Lux ergänzende Definitionen von Lichtqualität.

Was hat es damit auf sich? Markus Felsch geht es um die möglichst präzise Beschreibung einer Lichtsituation. „Wir kennen alle den Unterschied zwischen einem klaren und einem gleichmäßig bewölkten Himmel“, erläutert Felsch. Beide Situationen „bilden jeweils die Grenzen der Lichthärte“.

Klarer Himmel stehe für hartes, gerichtetes Licht, bewölkter Himmel hingegen für weiches, diffuses Licht. Lichtgestaltung arbeite im Spannungsfeld beider Extreme, „hat aber bisher keine Möglichkeit, diese Zustände eindeutig zu beschreiben und damit reproduzierbar zu machen.“

Dieses Manko möchte der Lichtplaner mit dem HgF beheben. Zugleich geht Felsch über Theoretiker wie Richard Kelly mit seinen drei Beleuchtungssituationen Ambient Light, Focal Glow und Play of Brillance hinaus.

Markus Felsch
Foto: © Markus Felsch

Markus Felsch: Universalist mit breiter Interessenslage

Zum HgF, der die Lichtsituation zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort im Raum beschreibt, kommt die Lichtwirkungsfaktor (LwF) einer Leuchte. „Mit beiden Werten zusammen haben wir in der Zukunft die Möglichkeit, die Ursache und die Wirkung einer Lichtsituation zu planen und das Ergebnis zuverlässig vorherzusagen.“

Dem Forscher geht es um den „Charakter des Lichts“ und um Lichtsituationen, die sich technisch eindeutig reproduzieren lassen. Offenbar fehlt es uns an Worten für ein ganz alltägliches Phänomen.

Felsch erinnert daran, dass Inuit mehr als 30 Begriffe für Schnee haben. Und wir für eine uns ständig umgebende Größe nur hell und dunkel als Beschreibung. Auch deshalb erweitert er unser Spektrum, unsere Sprachfähigkeit, indem er neue Begriffe erfindet. „Das Bewusstsein für Licht wächst, daran arbeiten wir.“

Trotz Spezialisierung sieht sich der 49-jährige Rheinländer als Universalist mit breiter Interessenslage. Natürlich sei er Experte, aber zugleich an größeren Zusammenhängen interessiert.

Als Unternehmer müsse er ja noch breiter aufgestellt sein: von Recht über Steuern bis zur Büroorganisationen und zu Personalfragen. „Genau das ist aber, was mir Spaß macht: dieses breite Spektrum.“ Diese Bandbreite vermittelt er an die nächste Generation, seit er vor einem Jahrzehnt begann, an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) zu unterrichten.

Metaphysisches Licht

Seine Basis bleibt das eigene Büro: Felsch Lighting Design in Hamburg mit drei bis fünf Mitarbeitern. Dort entstehen faszinierende Lichtkonzepte wie für das Deutz-Kalker Bad in Köln oder die Kirche der Stille in Hamburg. Dazu kommen Hotels, Kinos und Retail. So unterschiedlich die Orte und Auftraggeber, so ähnlich klingt die für ihn entscheidende Frage: Was möchte der Kunde erreichen?

 

Markus Felsch
Foto: Markus Felsch

Die Kirche der Stille in Hamburg-Altona ist eines seiner Lieblingsprojekte. „Nicht wegen des Ergebnisses, sondern wegen des Prozesses.“ Getragen von einem Verein, mit viel Engagement: Andachten unterschiedlicher Glaubensrichtungen, Vorträge und Lesungen. Es gibt sogar Yoga dort. „Zusammen haben wir diese Kirche wieder zum Leben erweckt.“

Es war kaum Geld vorhanden. Die Wände schmutzig, die Akustik problematisch. Dazu acht Wandauslässe für diffuse Flächenleuchten. Also startete er den absoluten Gegenentwurf, indem er die Kirche in metaphysisches Licht tauchte und so einen spirituellen Raum schuf, der sich an die vielen Veranstaltungen anpasst. Das Ergebnis macht ihn noch heute stolz.

Ohne Offenheit kein Vertrauen

Natürlich könne man mit Licht inszenieren. Felsch kommt ja aus dem Veranstaltungsbereich. „Schon als Jugendlicher organisierte ich Partys in irgendwelchen Locations: alten Bunkern, Kellern oder Fabrikflächen. Und das sind natürlich maximal unattraktive Räume.“

Was ihn begeistert: zu sehen, wie sich Raum verändert und aus einem feucht-schimmeligen Kellergewölbe mit schrägem Boden eine Top-Location für einen Abend wird. Das Wichtigste aus Jahrzehnten Berufserfahrung ist, dass man über den Tellerrand gucke und nicht Kataloge aus dem Regal ziehe und Leuchten einpflanze.

Mit offenen Karten

Von Studierenden erwartet er nichts weniger als diese Begeisterungsfähigkeit. Der Hochschullehrer spielt mit offenen Karten. Zur Begrüßung legt er den Studierenden seinen eigenen Businessplan vor. Ohne Offenheit kein Vertrauen und keine Zusammenarbeit, die ihn weiterbringe.

Das Seminar Lichtdesign belegen 30 Studierende, davon rund ein Drittel Frauen und drei Studierende aus dem Ausland. Im Sommersemester lag der Fokus auf der Onlinelehre. Der Lichtplaner nutzte die Chance, Experten in die Vorlesung zu holen, beispielsweise bei den Themen Hotelbeleuchtung, Steuern und Finanzen, Fördermittelgeber, Leuchtenhersteller sowie Zukunftsthemen wie Artificial und Virtual Reality.

„Ich denke, dass Hybridmodelle die Lehre prägen werden“, mutmaßt Felsch, der den „Austausch mit jungen Menschen“ liebt. Das mache „zum einen unglaublich viel Spaß, zum anderen bietet die Arbeit in Forschung und Lehre die Möglichkeit, Themen abseits von Umsatz und Gewinn weiter zu entwickeln“. Das können auch ganz praktische Dinge sein, wie im Seminar „Existenzgründung im Gestaltungsberuf“. Augenmensch Felsch sieht eben das ganze Bild, nicht nur die kreativen Seiten seines Traumberufs.

 

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Nach der Ausbildung zum Energieanlagen-elektroniker studierte Markus Felsch von 2000 bis 2004 Lighting Design an der HAWK Hildesheim Holzminden Göttingen, parallel war er freiberuflich als Lichtdesigner und Lichttechniker im Bereich Veranstaltungs- und Messetechnik tätig. Seit 2004 führt er die Felsch Lighting Design GmbH, Hamburg. Von 2008 bis 2021 lehrte er Lichtdesign und Lichttechnik an der HAW Hamburg, seit 2021 hat er die Verwaltungsprofessur der HAWK inne.

 


Foto: HAWK

HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst in Hildesheim

Studienbeginn: Sommer- und Wintersemester

Abschluss: Bachelor of Arts (B.A.). Europaweit der einzige grundständige Studiengang Gestaltung mit Kompetenzfeld Lighting Design

Dauer: 6 Semester

Workload: insgesamt 180 ECTS

Absolventen: ca. 30

www.hawk.de


Designtalent der Fakultät

Der Härtegrad von Licht (HgF) beschreibt das Verhältnis von diffusem zu gerichtetem Licht. Ziel der Masterthesis war es, den Härtegrad messbar zu machen, indem der Übergang von beschatteter zu beleuchteter Fläche fein aufgelöst betrachtet wird. „Die Arbeit von Clarissa Borgstädt zeichnet sich in besonderer Art und Weise dadurch aus, dass sie sich einem in der Fachwelt noch völlig neuen Thema gestellt hat“, so Markus Felsch. „Es gab in der Vergangenheit verschiedene Versuche, die resultierende Schattenbildung unterschiedlicher Lichtquellen zu beschreiben. Keine dieser frühen Theorien hat die physikalische Eigenschaft des Lichtes in den Fokus der Betrachtung gestellt.“

Projekt: Härtegrad von Licht

Projektbeteiligte: Clarissa Borgstädt

Betreuer: Prof. Markus Felsch

Clarissa Borgstädt

hat ihre Masterarbeit zum Thema Reproduzierbarkeit von Beleuchtungssituationen mithilfe des Härtegrades von Licht geschrieben.

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