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Flagshipstore von Lialawlab in Hangzhou/China

Flagshipstore von Lialawlab in Hangzhou/China
Zurück in die Zukunft

„Retrofuturismus“ bezeichnet die Formen und Atmosphären, mit denen man in der Vergangenheit die ferne Zukunft assoziierte. Das Konzept legt die Gestaltungsgrundlage von Lialawlab für den Flagshipstore von Formoral in Hangzhou.

Autorin Christiane Sauer

Das junge, in Hangzhou ansässige Architekturbüro Lialawlab schuf auf nur 120 m² ein Setting wie auf einem fernen Planeten. Formen, Oberflächen und Farben bilden als eigenständige und wie zufällig verstreute Versatzstücke ein futuristisch anmutendes Ganzes, das die Kunden des auf Hautpflege spezialisierten Unternehmens zu Entdeckern werden lässt. Nischen laden zum Verweilen ein und Sichtachsen eröffnen immer wieder neue Perspektiven.

Formoral
Foto: Shao Feng

Künstliche Landschaft

Man findet einen kugelförmigen „Planeten“ angeschlossen an einen raumschiffartigen Gang. Dieser besitzt zwei Kabinentüren, ein Bullauge und einen horizontalen Sichtschlitz, der zum Durchspähen einlädt und zusätzlich für spannende Lichtsituationen zwischen den Räumen sorgt.

Displays für Produktpräsentation, Räume für Hauttests, Veranstaltungen und Vorführungen sowie ein Büro und ein Pausenraum für die Angestellten finden in dieser künstlichen Landschaft ihren Platz. Ein zentrales Gestaltungselement sind Bögen und Kurvensegmente mit unterschiedlichen Radien – von 60 cm bei den Einbaumöbeln bis zu 30  m bei der Deckengestaltung.

Lialawlab
Grundriss EG. Plan: © Lialawlab

Die Bögen sind sowohl im Grundriss, im Schnitt als auch im Raum miteinander verschränkt und bilden einen orchestrierten formalen Rhythmus. So findet der Blick kaum einen statischen Bezugspunkt, sondern schweift durch das Ambiente.

Obwohl der Raum eine Rohbauhöhe von 4,60 m hat, machen die notwendigen Einbauten der Gebäudetechnik eine tiefe Abhängung der Decke nötig. Die Raumhöhe beträgt bei dem „Planeten“ 2,75 m und fällt bis auf 1,25 m an den Rändern ab, wo die gebogenen Elemente förmlich mit Wand und Boden verschmelzen. Die abgehängte Decke bleibt offen, sodass die Technik leicht revisionierbar ist und der Raumeindruck luftig bleibt.

Lialawlab
Foto: Shao Feng

Alle Oberflächen sind eine Entdeckungsreise für sich. Die extragrob strukturierten Gipsbeschichtungen des Eingangstresens und der Kugel wechseln sich mit edel reflektierenden Abstellflächen aus spiegelpoliertem Edelstahl beziehungsweise technisch anmutender Beschichtung aus Silberfolie im Gang ab.

Formoral
Foto: Shao Feng

Licht und Farbakzente erwecken diese zum Leben und verbreiten eine mehrdeutige Aura. Die Oberflächen der Einbauten sind im Ursprung weiß, allerdings wirken sie mit ihren drei unterschiedlichen Texturen bei akzentuierter Beleuchtung wie unterschiedliche Grautöne.

Unterschiedliche Texturen

Dieser Effekt verleiht eine fast mystische Tiefe. Die Licht absorbierenden, matten Eigenschaften treten im Kontrast mit den spiegelnden Materialien und durch die Lichtakzente noch stärker in den Vordergrund.

Betonboden und Decke halten sich dunkelgrau im Hintergrund, vulkanische Gesteinsbrocken setzen als Findlingsobjekte Akzente.

Formoral
Foto: Shao Feng

Lialawlab löst Raumgrenzen auf

Die hellen Einbauten ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und scheinen im Ungewissen zu schweben. Die Möblierung bleibt dagegen als Fixpunkt objekthaft.

Voluminöse Sessel des Designbüros The Shaw Studio oder Leuchten von Tom Dixon scheinen dem Cockpit von Raumschiff Enterprise entliehen.

Vertikale und horizontale Spiegelflächen im Zusammenspiel mit den Lichtprojektionen lösen die konkrete Räumlichkeit auf und lassen die Grenzen des Raums verschwimmen.

Formoral
Foto: Shao Feng

Retrofuturismus

Genau diese undefinierte Atmosphäre intendierten die Architekten mit ihrem Konzept des Retrofuturismus. Fantastisch sind die Bilder, die sie erzeugen, allemal – sie regen die Fantasie an und führen die Besucher durch Zeit und Raum. Die Innenarchitektur huldigt der Oberfläche.

Eine ideale Voraussetzung, um der Realität der umgebenden Shoppingmall für einen Moment zu entkommen und sich auf diesen Planeten der Entdeckung und Entspannung zu begeben. Das Konzept dürfte für die Hautpflegemarke aufgehen.

Weitere Projekte mit innovativer Materialanwendung


Fakten

Projekt:
Formoral Science Skin Care Centre

Standort: 6F GDA Plaza, No. 609 Yan’an Road, Xiacheng District, Hangzhou, China

Fertigstellung: Januar 2021

Fläche: 120 m²

Architektur und Design:

Lialawlab, Hangzhou, China,

www.lialawlab.com

Projektleitung: Xing Lia, Luo Haifeng

Konstruktion: Haimen Pengli Building Decoration Engineering Co., Ltd.

Farben: Novacolor

Wandleuchten: Tom Dixon

Möblierung: The Shaw Studio (Lost Space), Hay, Concept 101


Im Fokus

Ein zentrales Gestaltungselement sind Bögen und Kurvensegmente mit unterschiedlichen Radien. Sie sind sowohl horizontal als auch vertikal aufeinander bezogen.


Autorin Christiane Sauer

Die Architektin und Materialspezialistin lehrt als Professorin für Materialentwurf an der Weissensee Kunsthochschule Berlin.
www.formade.comwww.dxm-berlin.de

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