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Über Bürobauten und Mobiliar mit langer Lebensdauer

Über Bürobauten und Mobiliar mit langer Lebensdauer
Rückblick virtuelles md-Event Nachhaltigkeit planen

Ende November fand das virtuelle md-Event Nachhaltigkeit planen statt. Welche Ansätze dabei zum Tragen kommen, schilderten die Referenten in ihren Vorträgen.

Autorin: Gabriele Benitz

Johanna Neves Pimenta, md-Chefredakteurin, bedauerte in ihren einführenden Worten, dass die Veranstaltung am 25. November nicht – wie ursprünglich geplant – in den Räumlichkeiten von CSMM: Architecture Matters in München stattfinden konnte. Einmal mehr hatte die Corona-Epidemie den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gleichwohl bleibt das Thema Umweltschutz angesichts der Klimakrise brisant.

Eine wichtige Rolle spielt die ,Nachhaltigkeit‘ auch im Büroumfeld. Warum, erläuterte Pimenta anhand einschlägiger Zahlen. Einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (Dena) zufolge gibt es in Deutschland 320.700 Büro- und Verwaltungsgebäude. „Sie nehmen eine Fläche von 380 km² und damit mehr als die Stadt München ein“, konkretisierte sie die Zahlen. Viele Immobilien stammen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Diese könnte man umnutzen und revitalisieren. 

Einen Ansatz, den auch CSMM: Architecture Matters verfolgt. Timo Brehme, geschäftsführender Gesellschafter, stellte in seinem Impulsvortrag im md-Event Nachhaltigkeit planen zunächst die Frage ans Publikum: „Brauchen wir überhaupt noch Büros?“ Vor diesem Hintergrund stellte er sechs Thesen auf:

  1. Vor Ort sein: das Homeoffice ist kein Bürokonzept, sondern Teil einer Gesamtstrategie. Wenn ich ins Büro gehe, möchte ich Kollegen treffen, lernen und an Besprechungen teilnehmen. Dazu bedarf es Gemeinschaftsflächen
  2. Digitales: Wir können uns virtuell treffen, aber ersetzt das Face-to-face-Begegnungen? Bei kreativen Prozessen stoßen virtuelle Meetings an ihre Grenzen, denn es werden von sieben Sinnen nur zwei angesprochen: Augen und Ohren
  3. Gemeinschaftliches Arbeiten: In Zukunft spielt das Thema „Sharing“ eine große Rolle. Menschen sind bereit, auf ihren persönlichen Arbeitsplatz zu verzichten, wenn sie dafür mehr Gemeinschaftsflächen erhalten, um Kollegen zu treffen
  4. hub and home: Das Büro muss als Plattform und Identifikationsort dienen. Auch vor dem Hintergrund des „war of talents“ müssen attraktive Flächen geschaffen werden.
  5. Innovation: Innovationen kann man fördern, wenn man Räume für Konzentration, Kommunikation und Serendipität, also Platz für Zufälle, einrichtet.
  6. Nachhaltigkeit: Darunter lassen sich Herstellung, Materialität, Lieferwege, Energieverbrauch, Cradle-to-cradle und einschlägige Gesetze fassen.

Deshalb fordert Brehme, dass Bürogebäude „wegkommen müssen von einer Notwendigkeitsarchitektur hin zu Möglichkeitsräumen“. Damit meint er, dass innerhalb eines Gebäudelebenszyklus verschiedene Nutzungen möglich sein müssen. Sein Plädoyer: „Sanieren statt Abriss und Neubau.“

Foto von Timo Brehme, CSSM: Architecture Matters München
Timo Brehme, CSMM: Architecture Matters München. Foto: Eva Jünger

Zum Videovortrag von Timo Brehme

Damit sprach er der zweiten Referentin, Andrea Klinge von ZRS Architekten Ingenieure, aus dem Herzen. Der Titel ihres Vortrags im md-Event Nachhaltigkeit planen: „Baustelle Ressourcenwende: Strategien für eine kreislaufgerechte Architektur“.

Die Expertin für kreislauffähiges Bauen sprach für die Tarkett Holding GmbH. Sie präsentierte ein konkretes Beispiel aus ihrer Praxis. Das Verwaltungsgebäude des Tierparks Berlin war ein viele Jahre lang leerstehendes, schadstoffbelastetes Gebäude, dessen Fassade nur in geringer Weise tragfähig war. Die baulichen Veränderungen sahen so aus:

  1. Die Fassade wurde rückgebaut und durch eine Holzfassade ersetzt.
  2. Nur das Dachgeschoss wurde geringfügig saniert.
  3. Der Haupteingang wurde auf die Schmalseite des Gebäudes verlegt.
  4. Die Akustikdecken aus Gipskarton blieben, da weiterhin funktionstüchtig, erhalten.
  5. Die hochwertige Inneneinrichtung mit Holzeinbauschränken blieb bestehen.

Alle Maßnahmen zusammen führten zu folgendem Ergebnis, sagte Klinge: 80 Prozent der Gebäudesubstanz blieben erhalten. „Somit kann das Haus weitere 50 bis 100 Jahre bestehen.“

Die Architektin berichtete über einen weiteren Bau, den ZRS Architekten Ingenieure ertüchtigte. Das Werkstattgebäude der Konrad-Zuse-Schule in Berlin entstand in Holzskelettbauweis. Es verfügt über eine langlebige Nutzungsdauer, kann aber auch vollständig rückgebaut werden.

Foto von Andrea Klinge von ZRS Architekten Ingenieur
Andrea Klinge von ZRS Architekten Ingenieure. Foto: ZRS Architekten Ingenieure

Zum Videovortrag von Andrea Klinge

Als dritter Referent des md-Events Nachhaltigkeit folgte Oliver Bader, Technischer Leiter der Preform GmbH. Er beschäftigte sich in seinem Vortrag im md-Event Nachhaltigkeit planen mit: „Ist Akustik nachhaltig? Das Dreieck aus Akustik, Nachhaltigkeit und Sicherheit.“ Nach einer Einführung, wie sich Schall in Räumen ausbreitet und welche Maßnahmen dagegen ergriffen werden können, kam er zu dem Schluss: „Alle schallabsorbierenden Maßnahmen müssen aufeinander abgestimmt sein.“

Auch Schallabsorber unterliegen einem Lebenszyklus, nämlich einem von zehn bis 20 Jahren. Diese Zeitspanne lässt sich aber allein schon durch den Austausch der Stoffoberflächen um weitere zehn bis 30 Jahre verlängern. Das gehört, wenn gewünscht, mit zum Service von Preform. Zudem plädiert Bader für ein modulares System, das eine Aufsatzstellwand beinhalten kann. „Das birgt eine hohe Nachhaltigkeit, weil man nicht die komplette Wand entsorgen muss.“

Foto von Oliver Bader von der Preform GmbH
Oliver Bader von der Preform GmbH. Foto: Preform GmbH

Zum Videovortrag von Oliver Bader

Den Abschlus im md-Event Nachhaltigkeit planen machte Katja Koritz, Senior Manager Workplace Strategy/ Teamlead Interior Design der Kinnarps GmbH. Der Titel ihres Referats: „Nachhaltige Arbeitsumgebungen – analysieren, planen, umsetzen“.

Wo Menschen Corona-bedingt überall zuhause arbeiten, veranschaulichte die Architektin anhand einer Grafik, die einen Hausquerschnitt mit verschiedenen Räumen zeigte. Die Menschen suchen sich demnach für die jeweiligen Tätigkeiten den passenden Raum aus. „Your office is where you are“, stellt sie deshalb fest. Die Kriterien für nachhaltige, zukunftsfähige Arbeitsumgebungen sind für sie folgende:

  1. Führung und Organisation müssen den Menschen in den Fokus stellen
  2. Voraussetzung für solche Arbeitsumgebungen sind digitale Umgebungen
  3. Nur wenn die physische Umgebung ganzheitlich gedacht wird, ist es nachhaltig

Um die passenden Büromöbel bereitzustellen, böte sich ein Modulkatalog an, wie ihn Kinnarps bereithält. Das Mobiliar lässt sich für vier Bereiche einsetzen, als da wären: Regeneration, Kommunikation, Konzentration und Kollaboration.

Im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft sind für Koritz Produkte unerlässlich, deren Lebensdauer verlängert werden kann, zum Beispiel indem sich Einzelteile austauschen lassen.

Foto von Katja Koritz, Kinnarps GmbH
Katja Koritz, Kinnarps GmbH. Foto: Kinnarps GmbH

Zum Videovortrag von Katja Koritz

Die verschiedenen Ansätze, wie Büroräume nachhaltig werden können, bieten also reichlich Argumentationshilfen für Innenarchitekten. Denen gab md-Chefredakteurin Johanna Neves Pimenta am Ende des md-events Nachhaltigkeit planen einen Praxistipp mit auf den Weg: „Nehmen Sie doch zum Gespäch mit den Bauherren die Deklaration Nachhaltigkeit der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen mit. Der Gesprächsbogen liefert eine gute Diskussionsbasis.“

Eine weitere md-Fachveranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit

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